Pharmazeutische Zeitung online

Nachgefragt... zu den Auswirkungen des AMNOG

02.11.2010
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Von Daniel Rücker / Welche Konsequenzen hat die geplante Umstellung der Großhandelsvergütung für die Apotheken? Sollten die Apotheker reagieren, um das Gesetz womöglich doch noch erträglicher zu gestalten?

Einer überbordenden Belastung der öffentlichen Apotheken durch das AMNOG werden die Kolleginnen und Kollegen in ihren Apotheken entgegentreten müssen, um den wirtschaftlichen Ver­lust zu minimieren. Das heißt, die Mitarbeiterstruktur wird optimiert werden müssen, durch Entlassungen, fehlende Neueinstellungen und auch durch den Verzicht darauf, weiterhin auszubilden. Dane­ben werden kundenfreundliche Leistungen auf den Prüfstein ge­stellt, wie etwa der Zustelldienst, Kundenzeitschriften und beson­de­re Öffnungszeiten. Da­rauf müssen wir unsere Kunden und Pati­enten hinweisen und erklären, was Ursache der Leitungseinschrän­kungen ist.

Lutz Engelen, Präsident der Apothekerkammer Nordrhein

Die Auswirkungen auf die Einkommen aus pharmazeutischer Tätigkeit werden teilweise dramatisch sein. Die Einkommen aus selbstständiger Tätigkeit werden vielfach unter die Tarifgehälter der Angestellten sinken und die Arbeitsplätze in den Apotheken durch die Entscheidungen aus der vergangenen Woche stark gefährdet werden. Wie die anfallenden Arbeiten, auch vor dem Hintergrund der geplanten Änderungen der Apotheken-Betriebsordnung, noch erledigt werden sollen, ist mir schleierhaft. Die Gesellschaft zahlt ein aufwendiges Studium, verlangt hohe Investitionen in Räume, Einrichtung, Fort- und Weiterbildung, Qualitätssicherung und vieles mehr. Diese Leistung angemessen zu honorieren, ist sie aber nicht bereit. Die Konsequenzen aus dem AMNOG müssen der Po­litik noch einmal in aller Deutlichkeit vor Augen geführt werden. Ich ärgere mich über Kollegen, die massive Rabatte gewähren und der Politik damit signalisieren, dass bei den Apotheken offenbar noch eine Menge Luft ist.

Rainer Töbing, Präsident der Apothekerkammer Hamburg

Ich fürchte, das wird ganz, ganz eng werden für viele Apothe­ken. Wir haben ja einige Änderungen erreicht. Aber unter dem Strich bleibt eine Belastung von 400 Millionen Euro für die Apo­the­ken. Fair gegenüber den Apotheken ist das nicht. Unsere Leis­tungen für eine zuverlässige Versorgung der Bevölkerung mit Arz­nei­mitteln rund um die Uhr wird politisch einfach immer noch nicht genug gewürdigt. Man kann nur hoffen, dass es dafür noch nicht zu spät ist.

Dr. Klaus Michels, Vorsitzender des Apothekerverbandes Westfalen-Lippe

Jeder selbstständige Apotheker muss den Zusatz »e. K.« im Geschäftsverkehr tragen und ist daher nicht nur Heilberufler, son­dern auch »eingetragener Kaufmann«. Das AMNOG schröpft den Kaufmann, bedroht so den Heilberufler und könnte aus e. K. schnell den »eingegangenen Kaufmann« machen. Als Konsequenz aus dem AMNOG droht, dass viele Apotheken, gerade auch im Hinblick auf eine anstehende Novellierung der Apothekenbetriebs­ord­nung, die Anforderungen an den Heilberuf Apotheker mit den Anforderungen an den Kaufmann nicht mehr zum Wohl des Patien­ten verknüpfen können. Qualität muss man sich leisten können. Deshalb müssen wir permanent der Politik den Mehrwert der Apo­theke mit Zahlen und Fakten klar machen, um ein sinnvolles Arbei­ten in den Apotheken zu ermöglichen.

Dr. Günther Hanke, Präsident der Landesapothekerkammer Baden-Württemberg

Wir sind gerade dabei, eine Protestaktion zum Landespartei­tag der CDU am 6. November in Bautzen zu organisieren. Wir sehen, dass die Apotheker erheblich betroffen sind. In Sachsen ist der Anteil der GKV am Gesamtumsatz sehr viel höher als im Bun­des­durchschnitt, deswegen wird die Betroffenheit der sächsischen Apotheker stärker sein.

Monika Koch, Vorsitzende des Sächsischen Apothekerverbandes

 

 

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