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Apotheker-Umfrage

Letzte Hoffnung Versandverbot

26.10.2016
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Von Anna Pannen / Nach dem EuGH-Urteil rechnen deutsche Apotheker mit dramatisch fallenden Preisen, schlechter versorgten Patienten und dem Aus für viele öffentliche Apotheken. Dies ergab eine Umfrage unter 306 Apothekern.

Überrascht, schockiert, enttäuscht: Die Stimmung unter deutschen Apothekern ist miserabel, nachdem der Europäische Gerichtshof in der vergangenen Woche die Preisbindung für rezeptpflichtige Medikamente aufgehoben hat. Viele bangen um den Erhalt des Apothekennetzes in Deutschland, manche um die Existenz der eigenen Offizin. Exklusiv für die Pharmazeutische Zeitung hat die Kommunikationsplattform Marpinion ein erstes Stimmungsbild eingefangen und mehr als 300 deutsche Apotheker zu ihren Ängsten und Hoffnungen nach dem EuGH-Urteil befragt.

 

Preise werden fallen

Wie zu erwarten halten 99 Prozent der Teilnehmer das EuGH-Urteil für falsch und sind der Meinung, die Preisbindung sei sinnvoll und schütze die ­Patienten. Die große Mehrheit von 80 Prozent befürchtet, dass die Preise für Rx-Medikamente infolge des Urteils fallen werden. Dass dies das Aus für viele öffentliche Apotheken sein wird, steht für 87 Prozent der Befragten fest. Und ganze 98 Prozent denken, dass der EuGH-Entscheid eine schlechtere Versorgung für die Patienten zur Folge ­haben wird.

 

Zwar erwarten nun 91 Prozent der befragten Apotheker, dass sich ihre ­Berufsorganisationen für ein Versandhandelsverbot für rezeptpflichtige Medikamente einsetzen. Doch an den Erfolg eines solchen Einsatzes glaubt ein Großteil der Pharmazeuten nicht. 70 Prozent halten ein solches Verbot für eher oder überhaupt nicht wahrscheinlich.

Einig sind sich die Apotheker darin, nicht selbst in einen Preiswettbewerb um Rx-Medikamente einzusteigen. 91 Prozent der Befragten erklärten, sie würden sich weiter wie bisher an die Preisbindung halten. Nur 9 Prozent kündigten an, sie würden Rx-Arzneien günstiger abgeben, sobald der Umsatz mit diesen Präparaten sinke.

 

Die PZ wollte von den Apothekern wissen, mit welchen Konsequenzen sie nach dem EuGH-Urteil für ihre eigene Apotheke rechnen. Viele fürchten, dass nun regelmäßige Einnahmen durch chronisch kranke Patienten wegfallen. Fast alle Befragten rechnen mit einem Umsatzeinbruch. Auch richten die Apotheker sich darauf ein, mit den Kunden nun häufig Diskussionen um den Preis von rezeptpflichtigen Arzneien führen zu müssen. Einige Befragte gaben an, infolge des Urteils wahrscheinlich Personal entlassen zu müssen. Nur wenige Umfrageteilnehmer gaben sich optimistisch und hoffen, ihre Stammkunden durch Service und gute Betreuung trotzdem weiter binden zu können.

 

Gefragt, mit welchen Folgen sie für die Apothekerschaft rechnen, gaben sich die Befragten pessimistisch. Apotheken seien künftig nur noch gefragt, wenn es um Notdienste, Beratung oder Akutversorgung gehe. Gekauft würde wohl immer häufiger über das Internet. Viele rechnen damit, dass besonders kleine Apotheken unrentabel werden. Die Versorgung auf dem Land werde schlechter und das Beratungsniveau zugunsten des Verkaufs sinken. /

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