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Anwendungsbeobachtung

Phytohustil Hustenreizstiller Pastillen im Alltag

20.10.2015  14:20 Uhr

Von Careen Fink, Sabine Rabini und Monika Walter / Phytohustil® Hustenreizstiller Pastillen ist ein traditionelles pflanzliches Arzneimittel, das zur Linderung von Schleimhautreizungen im Mund- und Rachenraum und damit verbundenem trockenen Reizhusten zugelassen ist. Eine aktuelle nicht-interventionelle apothekenbasierte Erhebung zeigt, dass die befragten Anwender mit der Wirksamkeit und Verträglichkeit der Lutschpastillen zufrieden sind.

Erkältungen gehören zu den häufigsten Infektionserkrankungen überhaupt – jeder Erwachsene ist zwei- bis viermal pro Jahr davon betroffen. Die Symptome einer Erkältung sind meist charakteristisch und treten in einer typischen Verlaufsfolge auf: Halsschmerzen, gefolgt von Reizhusten, Schnupfen, Kopf- und Gliederschmerzen und anschließend einem produktiven Husten.

PZ-Originalia . . .

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Beim trockenen Reizhusten kommt es über die durch Erkältungsviren ausgelöste Ausschüttung von Mediatoren (zum Beispiel Prostaglandine oder Zytokine) zu einer Reizung der Epithelien der oberen Atemwege sowie zu einer Erregung von Hustenrezeptoren beziehungsweise einer Änderung der Erregbarkeit dieser Rezeptoren (1). Während produktiver Husten einen physiologischen Zweck erfüllt, indem er die Atemwege von obstruktivem oder irritativem Material (zum Beispiel Staub) reinigt, hat der trockene Reizhusten keinen physiologischen Nutzen. Der trockene Reizhusten wird von Patienten oft als unangenehm, belastend und schmerzhaft empfunden. Insbesondere nächtliche Hustenattacken können zu Ein- und Durchschlafstörungen führen und so die nötige Erholung beeinträchtigen.

Positiv monographierte Eibischwurzel

 

Zur symptomatischen Behandlung von Schleimhautreizungen im Mund- und Rachenraum und damit verbundenem trockenen Reizhusten wurde Ei­bischwurzel, Althaeae radix, mehrfach positiv monographiert: Von der Kommission E, der WHO (World Health Organization), der ESCOP (European Scientific Cooperative on Phytotherapy) und zuletzt in einer HMPC-Monographie (Committee on Herbal Medicinal Products) im Jahr 2009 (2-5).

 

Die wirkbestimmenden Inhaltsstoffe des Eibischwurzelextraktes sind Schleimstoffe (Polysaccharide). Diese bilden eine Schutzschicht auf den Epithelien des Mund- und Rachenraums aus und schützen damit zum einen die gereizten Epithelien und die darin befindlichen Hustenrezeptoren vor weiteren irritierenden Einflüssen, zum anderen fördern sie die Regeneration der Epithelzellen (6).

Phytohustil Hustenreizstiller Pastillen ist ein traditionelles pflanzliches Arzneimittel zur Linderung von Schleimhautreizungen im Mund- und Rachenraum und damit verbundenem trockenen Reizhusten. Die Pastillen enthalten als Wirkstoff einen HMPC-monographierten Eibischwurzel-Trockenextrakt – pro Pastille 160 mg Eibischwurzel-Trockenextrakt (3-9:1, Auszugsmittel Wasser). Soweit nicht anders verordnet, werden die Pastillen von Erwachsenen und Jugendlichen ab zwölf Jahren mehrmals täglich, maximal zehn Stück, bei Bedarf gelutscht und sollen langsam im Mund zergehen gelassen werden. Phytohustil Hustenreizstiller Pastillen ist zugelassen ab einem Alter von sechs Jahren, Kinder von sechs bis zwölf Jahren lutschen maximal drei Pastillen pro Tag, bei jüngeren Kindern besteht die Gefahr des Verschluckens.

 

Apothekenbasierte Datenerhebung

 

Obwohl Phytohustil Hustenreizstiller Pastillen seit der Einführung im Herbst 2013 in der Praxis bewährt ist, lagen bisher nur wenige systematische Daten zur Alltagstauglichkeit des Präparats vor. Ziel dieser prospektiven nicht-interventionellen multizentrischen apothekenbasierten Erhebung war es daher, Daten zur Effektivität und Verträglichkeit sowie zur Anwenderzufriedenheit mit dem traditionellen pflanzlichen Arzneimittel zu gewinnen.

An der Untersuchung nahmen deutschlandweit 88 Apotheken teil. Patienten, die in einer dieser Apotheken in der Zeit von September 2014 bis April 2015 Phytohustil Hustenreizstiller Pastillen kauften, wurden gefragt, ob sie zur Teilnahme an der Studie bereit wären. Auf diese Weise konnten 316 Anwender generiert werden, welche ihre Erfahrungen mit dem Prüfpräparat auf einem Fragebogen über einen Behandlungszeitraum von bis zu sieben Tagen, dokumentierten. Der Fragebogen wurde anonymisiert an ein auswertendes Institut für klinische Prüfungen gesandt. 306 Teilnehmer dokumentierten mindestens eine Einnahme des Prüfpräparates und wurden in die Analyse eingeschlossen.

 

Wirksamkeit, Verträglichkeit und Zufriedenheit wurden mihilfe der Gesamteinschätzung der Teilnehmer (Global subjects assessment) evaluiert. Dabei gingen in die Wirksamkeitsanalyse die Anwesenheit und Schwere der Beschwerden, in die Verträglichkeitsanalyse unerwünschte Effekte und deren Intensität ein.

 

Apotheke als wichtiger Empfehler

 

Mehr als zwei Drittel der Studienteilnehmer waren weiblich (71,6 Prozent). Das Alter der Teilnehmer reichte von sieben bis 87 Jahre – der Median lag bei 45,0 Jahren.

 

84,3 Prozent (n = 258) der Teilnehmer gaben an, dass sie die Empfehlung für Phytohustil Hustenreizstiller Pastillen von ihrem Apotheker beziehungsweise ihrer PTA erhalten hätten. 12,4 Prozent wurden von einem Verwandten oder Freund auf das Präparat aufmerksam gemacht und 5,9 Prozent kauften den Hustenreizstiller aufgrund einer Anzeige. Mehr als die Hälfte der Teilnehmer (60,1 Prozent) kannten auch die flüssige Form des Prüfpräparats, den Phytohustil Hustenreizstiller Sirup.

76,9 Prozent der Teilnehmer wendeten die Lutschpastillen zum ersten Mal an. Dies stellt sicher, dass es keine Überrepräsentation von wiederholten Nutzern gibt und erhöht die Validität der Ergebnisse.

 

Vor der Einnahme der Lutschpastillen gaben 87,9 Prozent der Teilnehmer (n = 268) an, dass sie sich durch den Husten im Alltag gestört fühlten. Bei 80,5 Prozent (n = 244) der Teilnehmer war darüber hinaus der Schlaf durch die Erkrankung beeinträchtigt. Vor Einnahme der Prüfmedikation stuften 53,5 Prozent (n = 161) der Anwender ihr Allgemeinbefinden als »mittel« und weitere 34,2 Prozent (n = 103) als »schlecht« ein. Bei etwa der Hälfte der Patienten (49,2 Prozent; n = 150) bestand der Husten zu Beginn der Behandlung seit mindestens zwei Tagen, bei 40,3 Prozent (n = 123) seit drei bis sechs Tagen und bei 10,5 Prozent (n = 32) seit mehr als zehn Tagen.

 

Die mediane Behandlungsdauer mit Phytohustil Hustenreizstiller Pastillen betrug vier Tage und reichte von einem bis zu sieben Tagen. Im Durchschnitt nahmen die Patienten 4,1 ± 1,4 (median 3,9) Pastillen pro Tag ein (die maximal empfohlene Tagesdosis für Erwachsene beträgt 10 Pastillen).

 

Schneller Wirkeintritt

 

Die Schleimstoffe der Eibischwurzel bilden einen Schutzfilm auf den Epithelien der Mund- und Rachenschleimhaut. Der Wirkeintritt des Arzneimittels – spezifiziert als Ausbildung des schützenden Films – wurde von fast 40 Prozent der Teilnehmer (39,6 Prozent; n = 118) sofort, also innerhalb von weniger als 5 Minuten nach der Anwendung wahrgenommen, weitere 37,9 Prozent (n = 113) verspürten den Schutzfilm innerhalb von fünf bis zehn Minuten. Insgesamt berichteten mehr als drei Viertel (77,5 Prozent) der Teilnehmer, dass die Wirkung von Phytohustil Hustenreizstiller Pastillen innerhalb von zehn Minuten nach der Anwendung eintrete (Abbildung 1).

 

Die Wirkdauer der Pastillen gaben über 90 Prozent der Patienten mit einer bis vier Stunden an. Der größte Teil der Anwender (42,6 Prozent) gab die Wirksamkeitsdauer zwischen einer und zwei Stunden an. 16,1 Prozent der Anwender notierten eine Wirkdauer von bis zu einer Stunde und 33,8 Prozent zwischen zwei und vier Stunden.

 

Substanzielle Linderung der Beschwerden

 

Häufigster Grund für das Beenden der Therapie war Symptomfreiheit – das gaben 95,3 Prozent der Teilnehmer (n = 283) zu Protokoll. Nur 4,4 Prozent (n = 13) brachen die Behandlung wegen mangelnder Wirksamkeit ab. Kein Teilnehmer brach die Behandlung wegen Nebenwirkungen ab. Die mediane Dauer bis zur Beschwerdefreiheit betrug fünf Tage, an Tag 7 waren 86,6 Prozent (n = 243) der Anwender der Hustenreizstiller Pastillen beschwerdefrei.

Die Ausprägung des Hauptsymptoms »Reizhusten« sowie der hustenassoziierten Symptome Halskratzen, Halsschmerzen, Kitzeln im Hals, trockenes Gefühl im Hals, Schlafstörungen und Bronchialschmerzen wurden von den Anwendern der Prüfmedikation auf einer 5-stufigen Skala (0 = nicht vorhanden, 1 = mild, 2 = moderat, 3 = schwer, 4 = sehr schwer) bewertet. Im Verlauf des Beobachtungszeitraums von maximal sieben Tagen gab eine steigende Anzahl an Teilnehmern »Beschwerden nicht vorhanden« zu Protokoll, gleichzeitig ging die Anzahl der Teilnehmer mit schweren oder sehr schweren Symptomen zurück.

 

Insgesamt erzielten sowohl beim Reizhusten als auch bei allen hustenassoziierten Beschwerden jeweils mehr als 90 Prozent der Anwender eine substanzielle Verbesserung (in der Zeit bis zum Ende der Therapie beziehungsweise innerhalb von maximal sieben Tagen): Bei Reizhusten profitierten 96,3 Prozent der Anwender, 95,5 Prozent beim trockenen Gefühl im Hals, 95,1 Prozent bei Halsschmerzen, 94,6 Prozent bei Bronchialschmerzen, 94,3 Prozent bei Schlafstörungen, 92,3 Prozent bei Halskratzen und 91,2 Prozent beim Kitzeln im Hals. Alle Beschwerden, die von den Teilnehmern zu Behandlungsbeginn als sehr schwer eingeschätzt wurden, wurden zwischen Tag 4 und Tag 6 nur noch in moderater oder geringerer Ausprägung wahrgenommen. 

So stuften mehr als ein Drittel der Anwender (34,4 Prozent) ihren Reizhusten zu Behandlungsbeginn als sehr schwer ein. Am Tag 4 waren dies nur noch 3,4 Prozent und nur ein Teilnehmer notierte auch an Tag 7 noch sehr starken Reizhusten. Die Mehrzahl der Patienten (89,5 Prozent) gaben an Tag 7 an, keinen Reizhusten mehr zu haben. Dies steht im Einklang mit der Beobachtung, dass sich zu Behandlungsbeginn 87,9 Prozent der Patienten durch den Reizhusten in ihrem Alltag beeinträchtigt fühlten, nach der Anwendung der Pastillen waren es nur noch 11 Prozent (Abbildung 2).

 

Insgesamt nahm im Verlauf der siebentägigen Behandlungsdauer der Anteil an beschwerdefreien Patienten kontinuierlich zu (Abbildung 3). Dementsprechend positiv fiel die globale Bewertung der Wirksamkeit durch die Anwender aus: 83,6 Prozent stuften die Effektivität von Phytohustil Hustenreizstiller Pastillen als gut oder sehr gut ein. Ein einziger Teilnehmer bewertete die Effektivität des Eibischwurzel- Extraktes als sehr gering ein (Abbildung 4).

 

Hohe Verträglichkeit

Die Mehrheit der Teilnehmer bescheinigte dem Prüfpräparat eine hohe Verträglichkeit: 52,7 Prozent (n = 158) bewerteten sie mit sehr gut, 44,0 Prozent (n = 132) mit gut. Ein Teilnehmer (0,3 Prozent) gab an, das Präparat nicht vertragen zu haben, eine Nebenwirkung wurde diesbezüglich vom Teilnehmer nicht gemeldet. Im Rahmen der Erhebung berichteten die Teilnehmer insgesamt keine Nebenwirkungen der Eibischwurzel-haltigen Lutschpastillen.

 

Als weitere positive Aspekte des traditionellen Arzneimittels notierten die Teilnehmer die praktische Einnahmemöglichkeit der Pastillen unterwegs – 84,3 Prozent der Teilnehmer bewerteten dies als Vorteil gegenüber dem Hustensaft. Auch bei der Handhabung konnten die Pastillen bei den Anwendern punkten: 97 Prozent der Teilnehmer kamen gut oder sehr gut mit den Pastillen zurecht, keiner der 306 Teilnehmer stufte die Handhabung als schlecht oder sehr schlecht ein. Den Geschmack der Pastillen fanden 63,5 Prozent der Anwender gut oder sehr gut.

 

Gesamtzufriedenheit

 

Bei der Frage nach ihrer Gesamtzufriedenheit mit den Phytohustil Hustenreizstiller Pastillen gaben über 90 Prozent (90,2 Prozent) der Anwender zu Protokoll, dass sie sehr zufrieden oder zufrieden mit dem Präparat waren (Abbildung 5). 83 Prozent (n = 253) der Teilnehmer würden das Produkt anderen Betroffenen empfehlen.

 

Fazit

 

Die Auswertung der Daten macht deutlich, dass die Anwendung von Phytohustil Hustenreizstiller Pastillen einen hohen Stellenwert in der Behandlung von trockenem Reizhusten hat. Die Anwender profitieren von einem substanziellen Rückgang aller Husten- und hustenassoziierten Beschwerden bei gleichzeitig guter Verträglichkeit. In die Datenerhebung wurden Hustenpatienten in einer weiten Altersrange eingeschlossen sowie ohne Ausschluss von Vorerkrankungen oder Co-Medikationen. Daher lässt sich der Schluss ziehen, dass Phytohustil Hustenreizstiller Pastillen für einen breiten Anwenderkreis zur Behandlung von Reizhusten gut geeignet sind. /

 

Literatur 

  1. Eccles, R: Mechansims of symptoms of the common cold and influenza. British Journal of Hospital Medicine 2007; 68: 71-75
  2. Kommission E, Bundesanzeiger 1989, Heftnummer 43
  3. WHO Monographs on selected medicinal plants – Volume 2, 2004; http://apps.who.int/medicinedocs/en/d/Js4927e/
  4. ESCOP Monographs 2nd Edition 2003
  5. EMA European Medicines Agency 2009; Doc.Ref: EMEA/HMPC/98717/2008, 14.5.2009
  6. Deters A. et al., Aqueous extracts and polysaccharides from Marshmallow roots (Althea officinalis L.): cellular internalisation and stimulation of cell physiology of human epithelial cells in vitro. J Ethnopharmacol. 2010; 127(1): 62-9

Kontakt

Dr. Careen Fink

Steigerwald Arzneimittelwerk GmbH

Havelstraße 5

64295 Darmstadt, Germany

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