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Opioide wirken auch peripher gegen Schmerzen

22.10.2014  07:36 Uhr

Von Sven Siebenand / Zu einem großen Teil vermitteln Opioid-Rezeptoren außerhalb des Gehirns den analgetischen Effekt von Morphin. Wie aus einer Pressemitteilung der Charité hervorgeht, konnten Wissenschaftler des Berliner Klinikums dies erstmals in einer klinischen Studie nachweisen.

 

Bislang war man davon ausgegangen, dass Opioide ausschließlich durch die Aktivierung von Opioid-Rezeptoren im zentralen Nervensystem, also in Gehirn und Rückenmark analgetisch wirken. 

In den vergangenen Jahren häuften sich in der Grundlagenforschung jedoch die Hinweise, dass ein erheblicher Anteil der schmerzlindernden Wirkung durch Rezeptoren vermittelt wird, die sich auf peripheren Nervenfasern befinden. Die im Fachjournal »Pain« vom Team um Professor Dr. Christoph Stein von der Klinik für Anästhesiologie der Charité veröffentlichten Studienergebnisse untermauern diese These (DOI: 10.1016/j.pain.2014.07.011).

 

In einer randomisierten Doppelblindstudie untersuchten die Wissenschaftler das Schmerzempfinden von 50 Patienten nach der Implantation eines künstlichen Kniegelenks. Eine Hälfte der Patienten erhielt nach der Operation den ausschließlich peripher wirksamen Opioid-Rezeptor-Anta­gonisten Methylnaltrexon, der Opioid-Rezeptoren außerhalb des Gehirns deaktiviert. Der anderen Hälfte der Patienten wurde zur Kontrolle Kochsalzlösung subkutan verabreicht. Das Ergebnis: Die Patienten, die Methylnaltrexon erhalten hatten, brauchten im Vergleich zur Placebogruppe 40 Prozent mehr Morphin, um schmerzfrei zu sein.

 

»Unsere Ergebnisse belegen das enorme Potenzial einer Schmerzstillung durch die peripheren Opioid-Rezeptoren und bilden einen wichtigen Ansatzpunkt für moderne Schmerzmedikamente«, sagt Stein. Das sei besonders für Patienten wichtig, die langfristig Opioid-Analgetika einnehmen, unter Nebenwirkungen leiden und deswegen mit Methylnaltrexon behandelt werden. Diese Patienten müssen dem Mediziner zufolge damit rechnen, dass die analgetische Wirkung der Opioide durch Methylnaltrexon oder ähnliche Wirkstoffe erheblich abgeschwächt wird.

 

Die Berliner Wissenschaftler halten es zudem für eine vielversprechende Strategie, peripher wirksame Opioid- Rezeptor-Agonisten zu entwickeln. Damit könnten sowohl limitierende Nebenwirkungen von NSAR als auch die schweren zentralen Nebenwirkungen von Opioiden wie Sedierung und Atemdepression umgangen werden.  /

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