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Grippeimpfstoff

Einer gegen alle

26.10.2010  14:13 Uhr

Von Christina Hohmann / US-amerikanische Forscher haben einen universellen Grippeimpfstoff gegen verschiedene Influenzavirenstämme gerichtet. In ersten Untersuchungen an Mäusen zeigte sich die Vakzine als wirksam – zumindest gegen drei Virusvarianten.

Influenzaviren verändern sich so rasch, dass jedes Jahr die Zusammensetzung der Grippeimpfstoff-Antigene an die zirkulierenden Stämme angepasst werden muss. Deutlich einfacher wäre es, wenn man einen Universalimpfstoff hätte, der gegen alle vorkommenden und möglicherweise auch gegen neu auftretende Virusstämme schützt.

An so einem Impfstoff arbeiten Forscher bereits seit Längerem. Dazu suchen sie nach einem Virusantigen, das – anders als die bislang verwendeten Oberflächenantigene – möglichst nicht mutiert und in den verschiedenen Virusstämmen gleich aussieht. Ein solches hoch konserviertes Antigen hatten Forscher vergangenes Jahr entdeckt: den Stamm des Oberflächenproteins Hämagglutinin. Das virale Protein hat eine pilzähnliche Form, mit einem hoch variablen Kopf, der nach außen gerichtet ist, und einem deutlich weniger mutationsanfälligen Stamm, der in die Virushülle eingelagert ist.

 

Ein 54 Aminosäuren langes Stück dieses Stammes synthetisierten die Wissenschaftler um Peter Palese von der Mount Sinai School of Medicine in New York für ihre Vakzine. Diese testeten sie dann an Mäusen. Die Tiere erhielten zwei Injektionen im Abstand von drei Wochen. Zwei Wochen nach der zweiten Impfdosis infizierten die Forscher die Tiere mit jeweils einem Influenza-A-Virus-Subtyp. Dabei kamen die Subtypen H1, H2, H3, H5, H6, H7 und H9 zum Einsatz. Gegen drei Varianten schützte der Impfstoff die Tiere: gegen den weitverbreiteten H3-Subtyp bot er guten Schutz, gegen den Schweinegrippe-Erreger H1N1 und den Vogelgrippe-Erreger H5N1 mäßigen Schutz, berichten die Forscher im Fachjournal »PNAS« (doi: 10.1073/pnas.1013387107). Influenzavirusdosen, die auf ungeimpfte Tiere letal wirken, konnten keines der geimpften Tiere töten, mit Ausnahme des H5N1-Erregers, schreiben die Forscher. Die vakzinierten Mäuse erkrankten zwar, aber weniger schwer als die ungeimpften. Im Falle einer Pandemie wäre ein solcher Teilschutz dennoch von Nutzen, um die Zahl der Todesfälle zu verringern. Diese Vakzine sei zudem schnell und preiswert zu produzieren, da das Peptid synthetisiert werden kann und nicht in Hühnereiern oder Zellkulturen angezüchtet werden muss, was bisher gängige Praxis ist. Bis allerdings eine effektive Universalvakzine gegen Grippe auf den Markt kommt, wird es noch einige Jahre dauern. /

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