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Wie Erwartung den Placebo-Effekt beeinflusst

18.10.2017
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Von Daniel Rücker, Düsseldorf / Wenn Kochsalzlösung wirkt wie ein Opiat, Migräne verschwindet, obwohl der Kranke nur ein wirkstofffreies Bonbon eingenommen hat, oder ein Patient wegen starker Nebenwirkungen aus einer Studie aussteigt, obwohl er in der Placebo-Gruppe ist, dann kann niemand ernsthaft bezweifeln, dass die Erwartung eines Patienten keine große Rolle für die Wirksamkeit eines Arzneimittels spielt.

 

Vor einigen Jahren war der Begriff Placebo noch ein Synonym für nicht oder wenig wirksame Arzneimittel. Heute wissen Wissenschaftler, dass Placebos bei verschiedenen Erkrankungen eingesetzt werden können. Placebos könnten ganz erhebliche Effekte auslösen, sagte der Essener Psychologe Professor Manfred Schedlowski in einem Vortrag auf dem OTC-Gipfel des Apothekerverbandes Nordrhein in Düsseldorf.

Der Placebo-Effekt spielt sich im Kopf ab. Die Einnahme stimuliert Hirnregionen, die auch sonst bei einer Schmerzstillung körpereigene Opioide ausschütten. Dazu zählen vor allem das Cingulum, das zum für die Gefühlsverarbeitung zuständigen limbischen System zählt, und ein Bereich der Großhirnrinde hinter der Stirn.

 

Entscheidend für den Effekt ist laut Schedlowski die Erwartung des Patienten. Hat er gute Erfahrungen mit einer bestimmten Therapie, dann reagiert er positiver auf Placebo als nach einer erfolglosen Behandlung. Ähnlich wichtig ist Konditionierung. Hat ein Patient positive Erinnerungen an ein Medikament, dann ist der Effekt größer. Positiv ist auch, wenn der Arzt im Gespräch stärker auf die Chancen der Behandlung eingeht und im Rahmen des Möglichen weniger auf die Risiken. Weitere Unterstützung für den Placebo-Effekt ist die Anwesenheit eines Arztes oder eines anderen Heilberuflers und der Preis eines Medikaments – nennt der Arzt einen hohen Preis, ist der Effekt größer. /

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