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Schlafstörungen richtig behandeln

18.10.2016  15:50 Uhr

Schlafstörungen lassen sich mit pflanz­lichen Präparaten behandeln, wobei die Daten­lage für die einzelnen Phytopharmaka unterschiedlich gut ist. Das berichtete Mario Wurglics von der ­Goethe-Universität Frankfurt in der Pharma World.

 

Schlafstörungen sind ein häufiges Phänomen; sie betreffen fast 30 Prozent der Bevölkerung. Ein Drittel der Patienten erhält eine chronische Behandlung, wobei nicht wenige mit ihrer derzeitigen Therapie unzufrieden sind, so der Pharmazeut. Wenn nicht-medikamentöse Maßnahmen, wie eine korrekte Schlafhygiene, nicht ausreichen, kann eine medikamentöse Therapie mit verschreibungspflichtigen oder OTC-Präparaten versucht werden.

 

»Bei den verschreibungspflichtigen Arzneimitteln ist zu beobachten, dass die Verschreibungszahlen trotz der guten Wirksamkeit deutlich zurückgehen«, sagte Wurglics. Besonders stark sei dieser Trend bei den Benzodiazepinen, wobei hier lediglich die Verordnungszahlen auf Kassenrezept berücksichtigt sind. Auch trizyklische Anti­depressiva hätten ihre Berechtigung in der Behandlung von Schlafstörungen, vor allem wenn diese mit Unruhe und Ängstlichkeit einhergehen.

 

Bei den freiverkäuflichen H1-Antihistaminika macht man sich zur Verwendung als Schlafmittel deren sedierende Wirkung zunutze. Die Datenlage hierzu sei aber nicht sehr gut, so Wurglics. Die S3-Leitlinie zur Therapie von Schlafstörungen rate eindeutig davon ab. Alternativen sind pflanzliche Präparate, zumeist mit Baldrian, Lavendel oder Passionsblume.

 

Für ethanolische Baldrian-Extrakte sieht die europäische Arzneimittel­behörde EMA einen »well established use« in der Behandlung von Schlafstörungen. Laut Wurglics sei aber das Wirkprinzip nicht eindeutig geklärt und die Studienlage zur Wirksamkeit von Baldrian-­Extrakten widersprüchlich. Ähnliches gelte für Passionsblumen-Präparate. Der zur Behandlung von Unruhezuständen bei ängstlicher Verstimmung bei Erwachsenen zugelassene Lavendelöl-Extrakt Silexan (Lasea®) fördere die Schlafqualität über den Umweg, dass er Ängste mildert. Dabei wirke er nicht sedierend. /

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