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DAT-Eröffnung

Apotheker fordern faire Vergütung

16.10.2012  18:14 Uhr

In der Eröffnungsrede des Apothekertags 2012 gab ABDA-Präsident Heinz-Günter Wolf eine Übersicht über die aktuelle Lage der Apotheker. Die gerechte Vergütung der Arzneimittelversorgung bleibt oberstes Ziel bei zukünftigen Verhandlungen.

Für den Präsidenten der ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände, Heinz-Günter Wolf, ist der Deutsche Apothekertag 2012 nach eigenen Angaben einer der schwierigsten in seiner achtjährigen Amtszeit. »Mit jeder der vergangenen Gesundheitsreformen wurden die Apotheker von der Politik finanziell belastet. Damit muss jetzt Schluss sein«, forderte Wolf in seiner Eröffnungsrede. In den vergangenen Jahren habe die ABDA durch politische Verhandlungen bereits Einiges erreicht.

Die Strukturen der freiberuflichen, unabhängigen Arzneimittelversorgung durch Apotheken seien einigermaßen stabilisiert. »Nach Jahren der Struktursicherung ist jetzt die ausreichende Finanzierung dieser Strukturen unser wichtigstes Ziel.« Erste Schritte zur Verbesserung seien gemacht und gingen in die richtige Richtung. »Aber sie reichen nicht«, betonte Wolf. Die Unterfinanzierung in der Arzneimittelversorgung bleibe bestehen. Er forderte daher alle Apotheker und Apothekerinnen auf, geschlossen zusammenzustehen und die Forderungen politisch und öffentlichkeitswirksam einzubringen.

 

Eindringlich appellierte er hier an ein Zusammenspiel der Kräfte: »BAK, DAV und ABDA stehen zusammen für die berechtigten Forderungen aller Apothekerinnen und Apotheker.« Gerade in der aktuellen Honorar­debatte habe sich gezeigt, dass dies ein großer Vorteil des Berufsstandes sei. In diesem Zusammenhang verurteilte Wolf die teilweise undifferenzierten Anfeindungen und Beschimpfungen einzelner Kollegen im Internet oder in Wutbriefen.

 

Der ABDA-Präsident erklärte in seiner Rede, dass er bei den nächsten Wahlen nicht mehr als Kandidat antreten werde. Er bedankte sich für die Unterstützung der Apotheker und der Mitarbeiter der ABDA. Rückblickend habe man in den vergangenen Jahren viel erreicht. So seien die Versorgungsstrukturen stabilisiert. Diese gelte es aber auch zukünftig vor dem Einfluss von kapitalgesteuerten Interessensgruppen zu schützen. »Immer wieder haben in der Vergangenheit interessierte Kreise mit mächtigen Lobbyaktivitäten versucht, die Arzneimittelversorgung für ihre Interessen umzugestalten«, kritisierte Wolf. Die Politik gebe hier keine Antworten.

Als ein Beispiel für Lobbyeinfluss nannte er die Eröffnung der ersten DocMorris Apotheke im Saarland 2007. Zwar habe die Politik sich damals explizit für die inhabergeführte Apotheke ausgesprochen, gleichzeitig aber das bestehende Fremd- und Mehrbesitzverbot aufgeweicht. Erst das Urteil des Europäischen Gerichtshofs im Jahr 2009 habe für Klarheit gesorgt und der sicheren Arzneimittelversorgung einen höheren Stellenwert eingeräumt als den Einzelinteressen.

 

Einen weiteren positiven Einfluss auf die Politik konnte die ABDA bei den Verhandlungen zur neuen Apothekenbetriebsordnung erwirken. Die jetzt in Kraft getretene Novelle müsse zwar noch den Praxistest bestehen, gebe einer »Apotheke light« aber keine Chance. Des Weiteren seien viele strittige Fragen seitens der EU zu Themen wie Pharmakovigilanz und dem Schutz der Bevölkerung vor gefälschten Arzneimitteln geklärt. Hier wird in Zusammenarbeit von Herstellern, Großhändlern und den Apotheken mit Securpharm ein System entwickelt, das mittels eines Data-Matrix-Codes auf den Arzneimittelpackungen und einer internetbasierten Datenbank gefälschte Medikamenten für den Apotheker direkt identifizierbar macht.

 

Rechtssicherheit wurde auch beim Thema Wettbewerbsgerechtigkeit geschaffen: Durch die Novelle des Arzneimittelgesetzes gilt die deutsche Arzneimittelpreisverordnung zukünftig auch für Versender aus dem Ausland.

Als Reaktion auf die Umsatz­einbußen infolge des Arzneimittelmarkt-Neuordnungsgesetzes (AMNOG) hatte die ABDA Honorarforderungen in Höhe von 624 Millionen Euro gestellt. Einige dieser Forderungen wurden erfüllt. So wurde das Fixhonorar der Apotheker erstmals nach neun Jahren angehoben – wenn auch nicht in ausreichendem Maße. Die Pauschale steigt ab 2013 um 25 Cent je abgegebener Rx-Packung – aus Sicht der ABDA ist das viel zu wenig. Der Notdienst wird zukünftig pauschal vergütet.

 

Wie genau dies aussehen soll, steht allerdings noch nicht fest. Derzeit arbeitet das Bundesministerium für Gesundheit an der Umsetzung. In Bezug auf den Apothekenabschlag stehe das politische Bekenntnis zu 1,75 Euro als Basis für Verhandlungen mit den Kassen, sagte Wolf. Hier appellierte er an den GKV-Spitzenverband, zukünftig Schiedssprüche auch zu akzeptieren. Als weiteren Erfolg wertete Wolf, dass das umstrittene Pick-up-Konzept »Vorteil 24« vom Tisch sei.

 

In den kommenden Debatten mit der Politik werde sich die ABDA weiterhin für eine gerechte Honorierung der apothekerlichen Leistungen und den Erhalt der Versorgungsqualität einsetzen. »Erste Schritte zur Vergütungsgerechtigkeit sind gemacht«, sagte er abschließend. »Gleichwohl bleibt Vieles noch zu tun.« /

Kommentar

Gut verkauft

Daniel Bahr ist ein Profi. Vor Beginn des Apothekertages gab es bei der ABDA Sorgen, der Bundesgesundheitsminister könne in der Eröffnungsveranstaltung von Protestlern heftig attackiert werden. Während seiner Rede konnte Bahr deutlich mehr Applaus als Pfiffe für sich verbuchen.

 

Seine Strategie, die Verdienste der Regierung für den Erhalt freiberuflich geprägten Arzneimittelversorgung zu erhalten, ging auf. Fremd- und Mehrbesitzverbot: Union und FDP bilden ein Bollwerk dagegen. Rabatte von ausländischen Versandapotheken: Die Bundesregierung hat sie abgeschafft. Höchstpreise: Die Bundesregierung ist gegen einen Preiswettbewerb in der Apotheke. Kassenabschlag: Die Verhandlungen müssen bei 1,75 Euro beginnen.

 

Natürlich kamen diese Bekenntnisse bei den Delegierten gut an, denn sie sind nicht selbstverständlich. Auch mit der Einführung der Notdienstpauschale konnte der Minster punkten. Allein für seine Aussage, die Honoraranpassung von 25 Cent sei angemessen, bekam er von den Apothekern keinerlei Zustimmung.

 

Bahr hat sich bei seinem Auftritt perfekt verkauft. Ob die Zustimmung der Apotheker bleibt, muss sich noch zeigen. Eine gute Rede ist schnell vergessen. Taten bleiben länger im Gedächtnis.

 

Daniel Rücker

Chefredakteur

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