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Influenza

Schwere Grippewelle erwartet

14.10.2008  10:47 Uhr

Influenza

Schwere Grippewelle erwartet

Von Elke Wolf, Frankfurt am Main

 

Die zurückliegende Influenzasaison verlief eher mild. Anders sehen die Erwartungen für die kommenden Monate aus: Experten befürchten vermehrt schwere Grippe-Erkrankungen.

 

Die Weltgesundheitsorganisation gab die ungewöhnliche Empfehlung, dieses Jahr alle drei in Influenza-Impfstoffen enthaltenen Virusstämme auszutauschen - eine Situation, die seit mehr als 20 Jahren nicht mehr aufgetreten ist. Einer der Stämme, gegen den sich die Impfung wendet, könnte Probleme bereiten: Professor Dr. Peter Wutzler von der Universität Jena befürchtet schwere Erkrankungen wegen der Ausbreitung eines Influenza-A-Virusstammes des Subtyps H3N2. Dieser sorgte zum Ende der letzten Grippesaison in den USA für eine ausgeprägte Erkrankungswelle, weil er ein stark verändertes Antigenprofil aufwies, weshalb in der Bevölkerung keine Immunität vorhanden war. »Drift-Varianten des H3-Subtyps breiten sich schnell aus, sodass hierzulande mit diesem Subtyp vermehrt zu rechnen sein wird«, sagte der Direktor des Instituts für Virologie und Antivirale Therapie auf einer Pressekonferenz von Novartis Behring in Frankfurt am Main.

 

Infektionen, hervorgerufen durch H3N2-Viren, verlaufen in der Regel schwerer als Infektionen durch H1N1-Stämme oder Influenza-B-Viren. In der Grippesaison 2007/2008 zirkulierten hauptsächlich Influenza-A-Viren vom Subtyp H1N1, die Ansteckungswelle verlief dementsprechend mild. Zudem stimmten die auftretenden Viren mit den im Impfstoff enthaltenden Komponenten sehr gut überein, informierte Wutzler. Was die bevorstehende Grippesaison betrifft, reagierten die Impfstoff-Hersteller auf die WHO-Empfehlung: Der aktuelle Impfstoff enthält angepasste Antigene eines H3N2-, eines H1N1- und eines Influenza-B-Stammes. Impfengpässe werden nicht erwartet. Das Paul-Ehrlich-Institut hat bereits Ende August 13,2 Millionen Impfdosen freigegeben.

 

Impflethargie durchbrechen

 

Die Impfbereitschaft ist in Deutschland relativ gering. Zwar hatte sich 2005/2006 die Diskussion um eine drohende Pandemie positiv auf die Impfbereitschaft ausgewirkt, und zwar besonders in den von der Ständigen Impfkommission (STIKO) genannten Personengruppen. Doch nach diesem kurzen Zwischenhoch nahmen die Impfraten wieder ab. Die allgemeine Influenza-Impfrate liegt derzeit bei knapp 30 Prozent. Von den Menschen über 60 Jahren lässt sich dagegen rund jeder Zweite impfen. »Damit ist Deutschland weit entfernt vom Ziel der WHO für 2010: Bis dahin sollen 75 Prozent der Risikogruppen, also Ältere und chronisch Kranke jeden Alters, geimpft sein«, sagte Wutzler. In Frankreich, Italien, Spanien und Großbritannien lassen sich mehr als 65 Prozent der über 60-Jährigen gegen Influenza impfen.

 

Häufig unterschätzt werde nach den Ausführungen Wutzlers die Belastung von Kindern, unter denen am häufigsten Grippe-Erkrankungen aufträten und die entscheidend zur Ausbreitung der Infektion beitrügen. Deshalb sprach sich Wutzler dafür aus, die Impfempfehlung auszuweiten. So etwa auf gesunde Kinder. In den USA habe man gute Erfahrungen damit gemacht, Kinder im Alter zwischen 6 und 24 Monaten zu impfen. Auch eine Immunisierung ab dem 50. Lebensjahr hält Wutzler für sinnvoll, da bereits ab diesem Alter die Morbiditätsraten deutlich stiegen. Bis zu einem Drittel der 50- bis 64-Jährigen sei chronisch krank, und das erhöhe das Risiko für eine Influenza-Infektion deutlich. Bei guter Übereinstimmung von Impfviren und zirkulierenden Viren könnten 70 bis 90 Prozent der Influenzafälle in dieser Altersgruppe verhindert werden, rechnete Wutzler vor.

 

Speziell zur Impfung älterer Menschen zugelassen sei der Impfstoff Fluad®. Dieser enthält das Adjuvans MF59. Im Vergleich zu nicht-adjuvierten Impfstoffen ruft eine MF59-Vakzine höhere Antikörpertiter hervor. Das ist besonders für ältere Menschen von Vorteil, da ihr Immunsystem weniger leistungsfähig ist als in jüngeren Jahren.

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