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Obstipation bei geriatrischen Patienten

07.10.2015
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Gemäß der S2k-Leitlinie zur chronischen Obstipation sind Macrogole, Natriumpicosulfat und Bisacodyl die Arzneimittel der ersten Wahl, berichtete Professor Dr. Karl-Uwe Petersen bei der Pharma World. Sie seien besser verträglich als Lactulose, die wie andere Zucker(-alkohole) zu lästiger Gasbildung im Darm führen kann.

 

Hartnäckige Verstopfung ist ein häufiges Problem bei geriatrischen Patienten. Doch Allgemeinmaßnahmen »bringen nichts Entscheidendes«, sagte Petersen. Zudem seien sie häufig nicht anwendbar, da zum Beispiel ältere Menschen mit Nieren- oder Herzinsuffizienz nicht beliebig viel trinken dürfen. Viele Ältere seien in ihrer Beweglichkeit eingeschränkt, und Ballaststoffe seien oft mehr Belastung als Hilfe.

 

Für Macrogole gebe es eine gute Evidenz auch bei geriatrischen Patienten und für eine Therapiedauer bis zu drei Monaten. Für stimulierende Laxanzien wie Bisacodyl oder Natriumpicosulfat habe sich die Studienlage inzwischen verbessert. So seien die oft zitierten Studien zu Nebenwirkungen der stimulierenden Laxanzien wie Elektrolytverschiebung und Gewöhnung wenig überzeugend. Petersen stellte klar: »Die Begrenzung des Einnahmezeitraums ist unbegründet. Eine Elektrolytverschiebung im Serum wurde auch bei Langzeitgebrauch nicht beobachtet. Ebenso ist eine Gewöhnung sehr selten – auch bei jahrzehntelangem Gebrauch.«

 

Allerdings diskutiere die Leitlinie nicht die Besonderheiten von multimorbiden Patienten mit Polymedika­tion. Bei der Wahl des Präparats müssten Begleiterkrankungen und Komedikationen berücksichtigt werden. Das zeigte Petersen am Beispiel des Kaliumverlusts, der Teil des Wirkprofils von Bisacodyl ist. Nehmen ältere Patienten weitere Arzneimittel ein, die ebenfalls Kalium ausschwemmen, können sich die Effekte addieren.

 

Abschließend stellte der Referent neuere Arzneistoffe »mit eingeschränkter Nutzbarkeit« vor. So ist Prucaloprid zugelassen bei Frauen, wenn konventionelle Laxanzien nicht mehr wirksam oder unverträglich sind. Linaclotid wurde vom deutschen Markt zurückgezogen, Lubiproston gar nicht erst eingeführt. Naloxegol wurde kürzlich gegen Opioid-induzierte Obstipa­tion auf den Markt gebracht. Der pegylierte Wirkstoff kann die Blut-Hirn-Schranke nicht überwinden und löst daher keine zentralen Effekte aus. /

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