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OTC-Produkte

Ein Markt mit Potenzial

07.10.2015
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Der OTC-Markt wächst und bietet Apothekern einige Chancen – darüber waren sich Experten auf der Podiumsdiskussion im Rahmen der Pharma World in Düsseldorf einig. Das Image der Arzneimittel müsse gestärkt und einer Trivialisierung vorgebeugt werden.

»Im OTC-Markt steckt Potenzial«, berichtete Dr. Frank Wartenberg von IMS Health. Der Markt wachse deutlich. Dabei steige der Umsatz stärker als der Absatz. »Der Trend geht zu hochwertigen Produkten, zum Beispiel im Bereich Kosmetik, Hautpflege oder auch Wundversorgung«, sagte Wartenberg. Das größte Segment im OTC-Markt sei nach wie vor die Indikation Erkältungskrankheiten, mit einem Umsatz von 1 Milliarde Euro im ersten Halbjahr 2015.

Auch für die Apotheker ist der Bereich der Selbstmedikation von großer Bedeutung. »Der OTC-Bereich ist ein wichtiges wirtschaftliches Standbein«, machte Fritz Becker, Vorsitzender des Deutschen Apothekerverbandes (DAV) deutlich. Aber dieser sei nicht nur aus wirtschaftlichen, sondern auch aus Imagegründen interessant. »Im OTC-Bereich sind wir die Problemlöser«, sagte Becker. Hier sei die Beratung besonders wichtig und erwünscht.

 

Von Werbeaktionen zu OTC-Produkten riet Dr. Heidrun Hoch, Apothekenleiterin aus Schermbeck, ab. »Wir wollen keinen Mehrverbrauch erzeugen.« Das sei nicht nur ethisch bedenklich, sondern auch aus gesundheitspolitischer Sicht ungünstig. Vor allem dürfe man OTC-Arzneimittel nicht bagatellisieren. »Sonst bagatellisieren wir uns letztlich selbst.« Becker fügte hinzu, dass bei einer Trivialisierung auch die Apothekenpflicht dieser Produkte auf dem Spiel stehe. Für ihn ist die beste Werbeaktion im OTC-Bereich: »Starke Marken und gute Beratung durch den Apotheker.«

 

In dieser Hinsicht sieht sich die pharmazeutische Industrie auf der Seite der Apotheker, wie Dr. Martin Weiser, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Arzneimittel-Hersteller (BAH), bei der Diskussion erklärte. »BAH und DAV haben ein gemeinsames Ziel: Sie wollen nicht zur Entwertung der OTC-Arzneimittel beitragen, sondern ihr Image stärken.« Die Selbstmedika­tion habe einen großen Nutzen für die Gesellschaft und würde den Krankenkassen hohe Einsparungen ermög­lichen. Becker betonte, dass diese Vorteile stärker herausgestellt werden müssten. »Das sind hochwertige Arzneimittel.« In diesem Zusammenhang habe ihn die Rede von Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) vor Kurzem bei der Mitgliederversammlung des BAH nachdenklich gestimmt, in der er den OTC-Markt mit zwei kurzen Sätzen nur gestreift habe.

 

Aus verschiedenen Gründen sind auch Switches, also Wechsel von Produkten aus dem Rx- in den OTC-Bereich, für Hersteller interessant, machte Weiser deutlich. »Switches sind frisches Blut für die Selbstmedikation.« Zusammen mit dem DAV schaue man derzeit, welche Präparate für einen solchen Switch geeignet sind. »EllaOne hat hier ein deutliches positives Zeichen gesetzt«, sagte Weiser. Die Beratungsleistung der Apotheker zu dem Produkt sei sehr gut. Becker betonte, dass die Apotheker hier ihre Kompetenz beweisen könnten. Auch die Triptane und Ibuprofen seien wichtige Switches gewesen. Becker: »Das war ein echter Zugewinn für uns und die Patienten.« /

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