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Bibliothek Admont

Beten, arbeiten und lesen

08.10.2014  10:22 Uhr

Von Ulrike Abel-Wanek / In Frankfurt findet zurzeit der weltgrößte Branchentreff rund ums Buch und seine digitalen Produkte statt. Nicht weniger spektakulär als die Buchmesse präsentiert das steierische Benediktinerstift Admont seine über Jahrhunderte gesammelten Bücher: in einem Raum, der nicht nur der größte, sondern auch einer der schönsten klösterlichen Bibliothekssäle der Welt ist.

Sie wurde schon bald nach ihrer Fertigstellung als achtes Weltwunder bezeichnet. Beim Betreten der 1776 vollendeten, spätbarocken Stiftsbibliothek empfängt den Besucher überraschende Helligkeit. Nicht dunkle Brauntöne, wie in vielen anderen Bibliotheken des 18. Jahrhunderts üblich, dominieren hier den optischen Eindruck, sondern ein strahlendes und durch Vergoldungen noch zusätzlich betontes Weiß. 

 

»Wie den Verstand soll auch den Raum Licht erfüllen«, soll der Architekt und Baumeister Josef Hueber (1715 bis 1787) gesagt haben. Als Vorbild für seine Planung der Stiftsbibliothek hatte er den Prunkbau der kaiserlichen Hofbibliothek in Wien vor Augen. Die Weite des Raums und seine architektonische Gliederung sind es vor allem, die dem Besucher in Erinnerung bleiben. Ein kreisrund wirkender Mittelraum wird flankiert von zwei länglichen Flügelsälen, insgesamt ist der dreigeteilte Saal 70 Meter lang, 14 Meter breit und in der Mittelkuppel mehr als 12 Meter hoch. Durch sechzig Fenster dringt Licht in den zweigeschossigen Raum. Vier Wendeltreppen führen die Galerie hinauf zu den Bücherschränken im Obergeschoss – sie bleiben für Besucher jedoch normalerweise unsichtbar. Die Aufgänge tarnen sich mit Türen, an denen Attrappen von Buchrücken angebracht sind – alles für ein einheitliches Erscheinungsbild. Der Admonter Bibliothekssaal gehört allein durch seine bauliche Eigenart zu den bedeutendsten architektonischen Leistungen des späten 18. Jahrhunderts in Österreich. Zusammen mit den rund 200 000 Büchern im Bestand und den außergewöhnlich zahlreichen Werken der bilden­den Künste – 18 große Holzskulpturen, sieben Deckenfresken und 68 vergoldete Büsten – ist die Bibliothek ein Gesamtkunstwerk des europäischen Spätbarock.

 

Jahrhunderte alte Handschriften digital

 

Die Sammlung der wertvollen Bücher in Admont ist eine Fundgrube, deren kulturgeschichtliche Bedeutung den regionalen Raum weit übersteigt. Bücher gehören seit jeher zum geistigen Rüstzeug von Ordensleuten. Und so brachten die Mönche aus Salzburg, die im Herbst 1074 das klösterliche Leben in Admont begannen, einen Grundbestand aus dem Mutterkloster St. Peter mit. Dieser älteste Bücherbestand ist zum großen Teil bis heute erhalten. Rund 1500 Handschriften, Inkunabeln und Frühdrucke werden in der Bibliothek aufbewahrt, die meisten sind mehr als ein halbes Jahrtausend alt. 

Die kostbare Sammlung ist künstlerisch und wissenschaftlich von unschätzbarem Wert und schon längst nicht mehr im großen Bibliothekssaal untergebracht. Besonders gut erhaltene Exemplare werden von Zeit zu Zeit ausgestellt, konservatorische Rücksichten und die Erfordernisse der wissenschaftlichen Benutzung verbieten es aber, die empfindlichen Prachtbände allzu häufig zu präsentieren. »Die Handschriften sollen jedoch Stück für Stück digitalisiert werden und so in Zukunft im Internet zur Verfügung stehen«, so die verantwortliche Bibliothekarin, Karin Schamberger, über ihr ambitioniertes Projekt.

 

Während sich der Bücherbestand in Admont in den ersten Jahrzehnten aus »importierten« Handschriften zusammensetzte, verfügte das Kloster ab Mitte des 12. Jahrhunderts über eine eigene Schreibstube, in der die Werke selbst geschrieben wurden – für den eigenen Bedarf, aber auch für andere Klöster. Hierfür war eine gut organisierte Landwirtschaft für die Beschaffung großer Mengen benötigten Pergaments, eine genügende Zahl schreibkundiger Mönche und nicht zuletzt ein weit gespanntes Kommunikationsnetz vonnöten, das es möglich machte, Textvorlagen für die Herstellung von Abschriften jener Texte zu besorgen, die man in der eigenen Bibliothek haben wollte. Neben liturgischer, theologischer und kirchenrechtlicher Literatur wurden überraschend viele Abschriften sogenannter profaner Texte erstellt, das heißt Texte zu weltlichen Themen wie Medizin, Naturwissenschaft, Geschichte, Geografie oder Jurisprudenz. Wissenschaftler und Interessierte können die Bücher nach Vereinbarung einsehen. Insgesamt sind die Bücherschränke der Stiftsbibliothek mit etwa 70 000 Druckwerken gefüllt, die vom 16. bis Anfang des 20. Jahrhunderts erworben wurden. /

Einen Ausflug wert

Das Benediktinerstift Admont ist das älteste bestehende Kloster der Steiermark. Admont wurde dank seiner bedeutenden Schreibschule ein spirituelles und kulturelles Zentrum. Ein großer Brand zerstörte 1865 das gesamte Kloster – mit Ausnahme der Bibliothek. Die Admonter Stiftskirche wurde auf den alten Fundamenten wieder neu errichtet und ist der erste große neugotische Sakralbau Österreichs.

 

Während der Wirtschaftskrise in den 30er-Jahren des 20. Jahrhunderts konnte sich das Kloster sein Überleben nur durch den Verkauf wertvoller Kunstschätze sichern. Nach der Enteignung durch das nationalsozialistische Regime im Jahr 1939 kehrten die Mönche 1945 wieder ins Kloster zurück. Heute ist das Stift Admont ein geistliches, kulturelles und wirtschaftliches Zentrum von überregionaler Bedeutung. Es betreut derzeit 26 Pfarren, betreibt ein Stiftsgymnasium mit etwa 700 Schülerinnen und Schülern und ein Seniorenpflegeheim. In den Wirtschaftsbetrieben arbeiten rund 500 weltliche Mitarbeiter. Die kulturelle Hauptattraktion des Klosters ist die barocke Bibliothek und das 2003 eröffnete Museum. Im Mittelpunkt der Sammlungstätigkeit steht die Gegenwartskunst, aber es gibt auch eine naturhistorische und eine kunsthistorische Sammlung. Außerdem die Spezialsammlung »Jenseits des Sehens – Kunst verbindet Blinde und Sehende«, für die Künstlerinnen und Künstler jährlich neue Werke schaffen, die mit allen Sinnen erfahrbar und barrierefrei zugänglich sind.

 

Tipp für Besucher des Pharmacon Schladming im Januar 2015: Das Benediktinerstift Admont ist nur rund eine Autostunde von Schladming entfernt.


Benediktinerstift Admont

A-8911 Admont 1 

E-Mail: info(at)stiftadmont.at

www.stiftadmont.at

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