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Faust-Ausstellung

Selbstinszenierung und Sinnsuche

06.03.2018
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Von Hannelore Gießen, München / Goethes Faust ist nicht nur das weltweit bekannteste Werk der deutschen Literatur. Es ist auch brandaktuell, und seine Themen gehen jeden an. Das zeigt die Ausstellung »Du bist Faust« in der Münchner Hypo-Kunsthalle. Eindrucksvoll präsentiert sie Faust in Kunst, Theater, Film und Musik.

»Wir sind alle verführbar. Wir schließen tagtäglich einen Pakt mit irgendwelchen Teufeln«, sagt Roger Diederer, Direktor der Münchner Hypo-Kunsthalle. Im Titel der Ausstellung »Du bist Faust« klingt an, dass uns Faust, Margarete und Mephisto den Spiegel vorhalten: Themen wie Jugendwahn, Narzissmus, Manipulation und ein unersättlicher Erlebnishunger bestimmen auch unser Leben und sind aktueller denn je.

 

Die Ausstellung präsentiert herausragende Kunstwerke, Fotografien und Filme von rund siebzig Künstlern aus Europa und den USA, darunter Max Beckmann, Anselm Kiefer, Robert Mapplethorne, Karl Lagerfeld, Eugène Delacroix, Charles Gounod, und Martin Scorese.

 

Der Besucher betritt die Räume durch einen roten Samtvorhang, und die Schau beginnt: ein Parcours aus Film, Musik, Skulpturen, Malerei und ein Spiel aus Licht und Schatten zieht ihn in seinen Bann. Die unterschiedlichen Werke sind eingebettet in eine spektakuläre Ausstellungsarchitektur, die den Blick in die Vergangenheit durch ein gotisches Fenster präsentiert.

 

Faust, Mephisto und Margarete – jedem der drei Protagonisten ist ein eigener Raum gewidmet. Man ist in Fausts Studierzimmer, erlebt seine vergebliche Suche nach höchster Erkenntnis und einen wissenschaftlichen Eifer, der keine Grenzen akzeptiert. Seine Zerrissenheit gipfelt in dem Satz »Zwei Seelen wohnen, ach, in meiner Brust.« Enttäuscht und frustriert über sein Scheitern, schließt er einen Pakt mit Mephisto, der uns in all seinen Facetten entgegentritt, vom liebenswürdigen Schelm bis zum fiesen Bösewicht. Durch Mephistos Zaubertrank verjüngt, umwirbt Faust Margarete, die als blondes Gretchen die Kunst über Jahrhunderte inspiriert hat. Sogar die Popkultur hat das Motiv aufgegriffen, wie eine Sammlung von 150 Postkarten aus dem frühen 20. Jahrhundert zeigt.

 

Von Fausts Pakt mit dem Teufel, der Verführung Margaretes, dem hemmungslosen Treiben in der Walpurgisnacht und schließlich Margaretes tragischem Ende im Wahnsinn haben sich unzählige Künstler inspirieren lassen. Auf besonderes Interesse stieß dabei auch immer wieder die Verführung Margaretes mithilfe kostbaren Schmucks. Der Moment, in dem sie die Juwelen entdeckt, ist in Künstlerkreisen des 19. Jahrhunderts vielfach als Schlüsselszene aufgegriffen worden, nicht nur von Malern und Bildhauern, sondern auch von Komponisten wie Charles Gounod. In seiner »Faust-Oper« spielt die sogenannte Juwelen-Arie eine hervorstechende Rolle. Die Musikliteratur zum Faust wird in einem eigenen Kapitel der Schau beleuchtet.

 

In der Ausstellung betritt der Besucher selbst die Bretter, die die Welt bedeuten und wird zum Wegbegleiter der drei Hauptakteure. Er steht auf der Bühne, sieht hinter sich Kulissen, vor sich den Zuschauerraum – und lauscht den Klängen von Gounods Oper. Das Publikum ist hier Teil der Inszenierung und sieht sich unmittelbar mit den zentralen Fragen des Goethe-Dramas konfrontiert: der rastlosen Suche nach Sinn und Ziel des modernen Lebens.

 

Der letzte Ausstellungsraum führt zurück zur Literatur und präsentiert aufwendig gestaltete Bücher, wissenschaftliche Editionen und sogar Comics. Und zum Schluss geben Schauspieler in einer Video-Installation dem Zuschauer noch einmal die großen Fragen des Menschheits-Dramas mit auf den Weg nach Hause. /

Du bist Faust. Goethes Drama in der Kunst. 

23. Februar bis 29. Juli 2018 

 

Kunsthalle München 

Theatinerstraße 8

80333 München 

 

täglich 10 bis 20 Uhr 

www.kunsthalle-muc.de

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