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Pille danach

Ordermed kündigt DrEd-Kooperation

08.10.2013
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Von Stephanie Schersch / Frauen können die Pille danach nun doch nicht kurzfristig und ohne direkten Arztbesuch in einigen deutschen Apotheken erhalten. Der Rezeptdienst Ordermed hat eine erst kürzlich geschlossene Vereinbarung mit der britischen Online-Praxis DrEd aufgekündigt.

Damit zog Ordermed nach Aussage von Geschäftsführer Markus Bönig die Reißleine. Viele der rund 750 Partner­apotheken hätten massiv gegen die Vereinbarung mit DrEd protestiert. »Der Widerstand in der Apothekerschaft war einfach zu groß.« Kritik sei auch aus der Politik gekommen, so Bönig. Mit derart starkem Gegenwind habe man nicht gerechnet. »Wir müssen das aber akzeptieren und haben die Zusammenarbeit daher beendet.«

Nur eine knappe Woche

 

Die Vereinbarung zwischen der Online-Praxis und Ordermed hielt damit nur eine knappe Woche lang. Ihr Ziel war es, betroffenen Frauen die Pille danach besonders schnell zugänglich zu machen. Das Präparat gibt es in Deutschland im Gegensatz zu vielen anderen Ländern bislang nur auf Rezept. DrEd ermöglicht es den Patientinnen allerdings, den Arztbesuch zu umgehen. In der Online-Praxis müssen sie lediglich einen Fragebogen im Internet ausfüllen, dann bekommen sie das Rezept über die Pille danach per Post zugeschickt. Auf Wunsch leitet DrEd das Rezept auch direkt an eine Versandapotheke weiter.

 

Über die Zusammenarbeit mit Ordermed sollte es nun noch schneller gehen. DrEd faxte das Rezept dafür an eine Ordermed-Apotheke der Wahl. Dort sollte die Kundin das Präparat bereits eine Stunde nach Bestellung abholen oder sich per Botendienst liefern lassen können, so das Versprechen.

 

Diese Kooperation ist nun vom Tisch. DrEd hat hierzulande einige Gegner, sie dürften sich über die gescheiterte Zusammenarbeit freuen. Allen voran CSU-Gesundheitsexperte Johannes Singhammer kämpft vehement gegen den britischen Internetdienst. Über einen Antrag im Bundesrat versucht der Freistaat Bayern derzeit sogar zu erreichen, dass die in Online-Praxen ausgestellten Rezepte in deutschen Apotheken künftig grundsätzlich nicht mehr akzeptiert werden. Der Gesundheitsausschuss der Länderkammer wird sich voraussichtlich Ende Oktober mit diesem Thema befassen.

 

Ordermed-Chef Bönig zeigte sich enttäuscht über das geplatzte Projekt. Schließlich habe das System gut funktioniert, sagte er. Innerhalb einer Woche hätten rund 80 Frauen mit DrEd-Rezept die Pille danach schnell und unkompliziert über eine Odermed-Apotheke bezogen. Bönig plädiert dafür, die Pille danach grundsätzlich auch in Deutschland aus der Verschreibungspflicht zu entlassen. Die bisherige Situation führe dazu, dass unter Umständen zu viel Zeit vergehe, bis die betroffenen Frauen das Präparat erhalten. Sie müssen das Arzneimittel binnen 72 Stunden nach dem Geschlechtsverkehr einnehmen. »Das ist gerade am Wochenende häufig ein Problem.«

 

Mit seiner Forderung ist Bönig nicht allein. Auf dem diesjährigen Apothekertag in Düsseldorf haben sich auch die Apotheker für die Freigabe des Levonorgestrel-haltigen Präparats ausgesprochen. Auch in der Politik gibt es eine breite Allianz für einen solchen Schritt. Bereits im Sommer hatten die Bundesländer auf Initiative von SPD und Grünen die Regierung dazu aufgefordert, die Pille danach auch ohne Rezept zugänglich zu machen.

 

Ausschuss tagt im Januar

 

Eine Entscheidung über die Freigabe eines Arzneimittels kann formal nur der sogenannte Sachverständigenausschuss für Verschreibungspflicht treffen. Das Gremium wird am 14. Januar 2014 das nächste Mal zusammenkommen. Dann wird voraussichtlich auch die Pille danach auf der Tagesordnung stehen. /

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