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Forschungsstandort Deutschland

08.10.2013
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Nachdem erst vor wenigen Jahren mit Harald zur Hausen ein Wissenschaftler aus Deutschland mit dem Medizin-Nobelpreis ausgezeichnet wurde, erhält auch in diesem Jahr ein Deutscher ? gemeinsam mit zwei amerikanischen Kollegen ? diese hohe Auszeichnung (lesen Sie dazu Nobelpreis: Vesikeltransport enträtselt). Ungeachtet der Tatsache, dass der Biochemiker Thomas Südhof an der Universität Stanford forscht, hat Deutschland allen Grund, auf den Preisträger stolz zu sein, nicht zuletzt deshalb, weil er vor seinem Wechsel in die USA am Max-Planck-Institut für Biophysika­lische Chemie beziehungsweise an der Universität Göttingen promoviert hat.

 

Es steht außer Zweifel, dass Bildung und Wissenschaft in den vergangenen Jahren in Deutschland erhebliche politische, wirtschaftliche und gesellschaft­liche Aufmerksamkeit erfuhren. Dies hat messbar Früchte getragen. 2011 wurden 2,88 Prozent des Bruttoinlandsproduktes in Forschung und Lehre investiert, gegen­über 2,47 Prozent im Jahr 2000. Damit ist Deutschland dem Lissabon-Ziel von 3 Prozent erheblich näher gekommen. Jetzt geht es darum, Kurs zu halten und zeitnah auf 3,5 Prozent zu kommen.

 

Dennoch stellt sich die Frage, ob die Entwicklung des deutschen Wissenschaftssystems in den vergangenen Jahren so positiv war, dass zukünftig davon auszugehen ist, dass noch mehr Wissenschaftler an und aus deutschen Forschungseinrichtungen mit international hochwertigen Preisen ausgezeichnet werden. Um die Antwort vorwegzunehmen: Die Aussichten sind nicht schlecht. Allerdings bedarf es hierfür belastbarer Rahmenbedingungen für die deutsche Wissenschaft, sowohl an Universitäten als auch an außeruniversitären Forschungseinrichtungen. Von entscheidender Bedeutung ist auch, dass Ausgaben für Forschung im politischen und gesellschaftlichen Diskurs explizit als Investi­tionen in die Zukunft gesehen und auch so behandelt werden.

 

Um im globalen Wettbewerb um Erkenntnis und Innovationen bestehen zu können, benötigt Deutschland allerdings nicht nur mehr Geld, vielmehr geht es um die Schaffung von idealen Rahmenbedingungen für die Gewinnung von hervor­ragenden Forscherpersönlichkeiten. Dabei spielen Wertschätzung, internationale Orientierung, konsequente Nachwuchspflege, Entbürokratisierung aller For­schungs­einrichtungen und wissenschaftliche Autonomie eine zentrale Rolle. Gerade Letzteres ist von besonderer Bedeutung. Forscherpersönlich­keiten vom Schlage eines Thomas Südhof benötigen für ihre kreative Arbeit Forschungsparadiese, die die Grundlage für bahnbrechende wissenschaftliche Erkenntnisse bilden.

 

Professor Dr. Manfred Schubert-Zsilavecz

Mitglied der Chefredaktion

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