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FIP-Kongress

Apotheker fordern mehr Verantwortung

09.10.2012
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Von Daniel Rücker, Amsterdam / Die Apotheker aus allen fünf Kontinenten sind sich einig: Sie wollen eine größere Rolle in der Gesundheitsversorgung spielen. Davon sollen die Patienten ebenso profitieren wie die nationalen Sozialversicherungssysteme.

Pharmazie ist mehr als die Distribution von Arzneimitteln. Apotheker aus 127 Ländern haben sich deshalb in einer gemeinsamen Erklärung dazu bekannt, mehr Verantwortung für die Arzneimittelversorgung zu übernehmen. Ziel ist, »die Lücken zwischen Entwicklung, Distribution und verantwortungsvollem Einsatz von Arzneimitteln zu schließen«, heißt es in der »Centennial Declaration« des Weltapothekerverbands Fédération Internationale Pharmaceutique (FIP). Die Erklärung wurde zu Beginn des FIP-Jubiläumskongresses am 3. Oktober in Amsterdam von den Präsidenten der Apothekerorganisationen der 127 FIP-Mitgliedsstaaten unterschrieben. Apotheker hatten die Organisation 1912 in Amsterdam gegründet.

 

Besser zusammenarbeiten

 

In der Eröffnungsrede zum FIP-Kongress am 4. Oktober sagte FIP-Präsident Dr. Michel Buchmann aus der Schweiz, es sei die wichtigste Aufgabe der Apotheker, ihren Mehrwert für die Gesundheitsversorgung den Patienten und den Politikern zu vermitteln. Gleichzeitig forderte der FIP-Präsident die Apotheker auf, noch intensiver mit anderen Gesundheitsberufen und der Politik zusammenzuarbeiten. In den Krankenhäusern sei es heute schon selbstverständlich, dass Ärzte, Apotheker und Pfleger sich gemeinsam um die Patienten kümmerten. Das müsse auch ein Vorbild für die ambulante Versorgung sein.

In der Deklaration verpflichten sich die Apotheker, ihre Arbeit in den Dienst einer besseren Arzneimittelversorgung zu stellen. Noch immer hätten zu viele Menschen keinen Zugang zu den Medikamenten, die sie benötigten, so Buchmann. In seiner Ansprache bezifferte er die Zahl dieser Menschen auf eine Milliarde. Und rund 30 000 Kinder sterben täglich, weil sie benötigte Arzneimittel nicht bekommen. Das neue Selbstverständnis der Apotheker sei der Schlüssel dazu, dass diese Menschen einen besseren Zugang zu Arzneimitteln bekämen.

 

Die Apotheker bekräftigen ihren Willen, die Arzneimittelversorgung auf allen Ebenen zu verbessern. Sie wollen die Qualität steigern, die Menschen vor Fälschungen schützen, mehr Menschen Zugang zur Arzneimittelversorgung ermöglichen und mit Informationen und Beratung für eine effektive Anwendung der Medikamente sorgen. Dafür sei auch eine enge Zusammenarbeit zwischen Pharmazeuten in Offizinen, Krankenhäusern und wissenschaftlichen Einrichtungen notwendig, sagte Buchmann. Außerdem verpflichten sich die Apotheker, ihr Tun an den Bedürfnissen der Patienten und der Gesellschaft zu orientieren.

 

Es sei der richtige Zeitpunkt, die Aufgaben der Apotheker neu zu definieren, sagte Buchmann. Neben der Pharmazie müssten Information und Kommunikation Schwerpunkte apothekerlichen Handelns werden. Nur so ließen sich die Ergebnisse der Arzneimitteltherapie nachhaltig verbessern. Buchmann: »Erst die Erklärungen der Apotheker machen aus einem Molekül ein wirksames Arzneimittel.«

 

500 Milliarden sparen

 

Das stärkere Engagement der Apothekerinnen und Apotheker in der Gesundheitsversorgung nützt nicht nur den Patienten, es entlastet auch die nationalen Sozialversicherungssysteme. Nach einer Untersuchung des Informationsdienstleisters IMS könnten die Gesundheitskosten weltweit um 500 Milliarden US-Dollar pro Jahr sinken, wenn Arzneimittel verantwortungsvoller verschrieben und angewendet würden (lesen Sie dazu Arzneimittelversorgung: Apotheker könnten Milliarden sparen, PZ 40/2012). IMS bestätigt in seiner Untersuchung, dass hierbei die Apotheker mehr Verantwortung übernehmen sollten. Würden sie stärker in die Gesundheitsversorgung eingebunden, sei dies die Basis für eine bessere und effizientere Arzneimitteltherapie.

Parallel zur FIP haben die europäische und die internationale Organisation der Pharmaziestudierenden (EPSA und IPSF) eine gemeinsame Erklärung zur Zukunft der Apotheker veröffentlicht. Auch sie sehen die Zeit gekommen für einen Wechsel hin zu einer tragenderen Rolle in den Gesundheitssystemen. Die Basis dafür müsse bereits in der universitären Ausbildung der Pharmazeuten gelegt werden. Die Pharmazie müsse sich immer daran orientieren, die Gesundheit der Patienten zu erhalten oder wiederherzustellen. Neben der strikten Orientierung am Patienten steht auch in der Erklärung der Pharmaziestudierenden die Zusammenarbeit mit anderen Gesundheitsberufen an erster Stelle.

 

Erwartungen der Studenten

 

Die Studenten haben sich ebenfalls Gedanken über Krankenhausapotheker und Industrieapotheker gemacht. Vom Krankenhausapotheker erwarten sie, dass er sich für die Sicherheit der Arzneimittel engagiert, in therapeutische Entscheidungen einbezogen wird und dabei auch wirtschaftliche Aspekte berücksichtigt. Zudem soll er im Team mit Ärzten und dem übrigen Krankenhauspersonal arbeiten. Mehr Zusammenarbeit mit anderen Gesundheitsberufen fordern die Studenten auch von In­dustrieapothekern. Diese sollen bei ihrer Arbeit zudem immer ethische Grundsätze befolgen und in der Vermarktung von Arzneimitteln keine überzogenen oder falschen Versprechungen machen. Außerdem gehöre es zu ihren Aufgaben, die bestmögliche Qualität der Medikamente sicherzustellen.

 

Bei der Eröffnungsveranstaltung ehrte die FIP rund 20 Apothekerinnen und Apotheker aus den Mitgliedsstaaten. Dabei wurden mit ABDA-Präsident Heinz-Günter Wolf und dem Industrie-Apotheker Horst-Dieter Friedel auch zwei deutsche Apotheker aufgrund ihrer Verdienste zu »FIP-Fellows« ernannt.

 

Die FIP hat sich auf dem Weltkongress der Apotheker vom 3. bis zum 8. Oktober intensiv über eine bessere Arzneimitteltherapie beraten. Sie sucht dazu die Zusammenarbeit mit der WHO und den nationalen Regierungen der 127 FIP-Mitgliedsstaaten. Für die deutschen Apotheker hat ABDA-Präsident Heinz-Günter Wolf die Erklärung unterzeichnet. An der Veranstaltung nahmen mehr als 2000 Apothekerinnen und Apotheker teil. Die FIP vertritt nach eigenen Angaben die Interessen von rund 2 Millionen Apothekern weltweit. Neben der politischen Auftaktveranstaltung stand in zahlreichen Arbeitskreisen und Symposien die Pharmazie im Mittelpunkt (lesen Sie dazu FIP-Kongress: Deutsche Projekte der Welt vorgestellt). Im nächsten Jahr wird der FIP-Kongress in Dublin stattfinden, 2014 treffen sich die Apotheker in Bangkok. Im Jahr 2015 wird Deutschland schließlich Gastgeber für den FIP-Kongress sein. /

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