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Anwendungsbeobachtung

Kassenärzte wollen kein Geld mehr

11.10.2011
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PZ/dpa / Viele Ärzte erhalten von Pharmafirmen Geld für die Teilnahme an Anwendungsbeobachtungen. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) hält davon wenig. Sie fordert strengere Regeln für die Mediziner.

KBV-Vorstand Carl-Heinz Müller macht sich Sorgen um die Unabhängigkeit seiner Kollegen. »Es kann nicht sein, dass ein Arzt für das Ausfüllen eines Anwendungsbogens 1000 Euro bekommt«, sagte er. »Wir wollen, dass die Ärzte von der Pharmaindustrie abgenabelt werden.« Ärzte hatten zuletzt mehr als 80 000 Mal im Jahr an einer von über 300 Untersuchungen teilgenommen, die zu den »nicht-interventionellen Studien« zählen.

 

Laut KBV ist die Zahl seit der bisher letzten Erhebung nicht zurückgegangen. Die Mediziner beobachten die Wirkung bereits zugelassener Arzneimittel an ihren Patienten. Manchmal geschieht dies ohne deren Wissen und Einwilligung. Die Pharmahersteller bezahlen dem Arzt pro Patient 10 bis 1000 Euro.

Der medizinische Nutzen vieler Anwendungsbeobachtungen ist oft überschaubar. Häufig haben sie nur die Aufgabe, den Absatz eines Arzneimittels zu beschleunigen. Die Branche hat sich eigene Regeln per Selbstverpflichtung gegeben. Außerdem sind nach dem Arzneimittelgesetz Anwendungsbeob­achtungen unverzüglich gegenüber der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, dem Spitzenverband Bund der Krankenkassen sowie der zuständigen Bundesoberbehörde zu melden. Gegenüber der KBV und dem Spitzenverband Bund der Krankenkassen sind die beteiligten Ärzte zusätzlich namentlich zu be­nennen.

 

Müller sagte, diese Anwendungsbeobachtungen seien zwar nötig. »Aber der Gesetzgeber muss sie schärfer regeln.« Entschädigungen müssten im Verhältnis zum Aufwand stehen, nicht zum Verkaufspreis. Nach dem Arzneimittelgesetz muss sich die Honorierung der Ärzte an dem tatsächlichen Aufwand orientieren. Sie darf dem Arzt keinen Anreiz bieten, die getesteten Arzneimittel häufiger zu empfehlen oder zu verordnen.

 

Ergebnisse veröffentlichen

 

Für Müller ist es zwingend, dass die teilnehmende Ärzte transparent gemeldet werden, die Patienten ihr Einverständnis geben und die Pharmaindustrie die Ergebnisse veröffentlicht, auch wenn sie nicht positiv ausfallen. Gerade Letzteres ist keinesfalls selbstverständlich. Müller: »Bislang verschwinden sie bisweilen in der Schublade, wenn sie negativ ausfallen.« /

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