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Grußwort Expopharm

Wir sitzen in einem Boot

12.10.2010  19:25 Uhr

Die Regierung will rund 400 Millionen Euro bei Apotheken und Großhandel sparen. Statt jeder für sich und gegen den anderen sollten sie sich gemeinsam für ihre Interessen einsetzen, forderte Dr. Thomas Trümper, Vorsitzender des Bundesverbands des pharmazeutischen Großhandels (Phagro).

Als die Vertreter des pharmazeutischen Großhandels von den Sparplänen der Regierung Ende April hörten, hielten sie laut dem Phagro-Vorsitzenden Trümper direkt dagegen: »Eine solche Einsparung bei gleichem Leistungsniveau ist unmöglich.« Der Großhandel hätte sich eine kostenneutrale Lösung vorgestellt – für Großhandel und Apotheken. Aus seiner Sicht sei es von Beginn an Ziel der Regierung gewesen, bei bei­den Handelspartnern gleichermaßen zu sparen.

Bei rund 170 Millionen Euro Gewinn vor Steuern aller Großhändler zusammen im vergangenen Jahr seien 400 Millionen Einsparungen nicht tragbar, schon gar nicht allein. Letztlich sei es ein Vorschlag des GKV-Spitzenverbands gewesen, an die Rabatte des Großhandels für die Apotheken zu gehen. »Wir wissen, wo und mit wem wir unser Geld verdienen«, versicherte Trümper. »Wir bekommen es sofort zu spüren, wenn Apotheken insolvent werden. Schließlich sind wir einer ihrer größten Gläubiger. Daher können wir Sparmaßnahmen zulasten der Apotheker nicht unterstützen. Der Phagro spricht sich entschieden gegen Einsparung bei Apotheken und beim Großhandel aus.«

 

Der Umgang miteinander sei eine Stilfrage. Trümper bedankte sich daher für die bisherige Unterstützung der Apotheker zur Initiative des Phagro zur Änderung der Großhandelsvergütung, die der Verband bereits vor knapp drei Jahren angestoßen hatte. Die derzeitige Vergütungsstruktur sei fast 30 Jahre alt und basiere auf einer Mischkalkulation. Durch das zunehmende Direktgeschäft der Apotheker mit den pharmazeutischen Herstellern gehe diese Kalkulation jedoch nicht mehr auf. Trümper zitierte neueste Zahlen des Marktforschungsunternehmens IMS Health, nach denen Deutschland im Direktgeschäft die europäische Spitze bilde. Erst diese Woche hätte die Steuerberatungsgesellschaft der Apotheker, Treuhand Hannover, ihren Kunden geraten, mehr Medikamente direkt zu beziehen. »Das mag im Einzelfall betriebswirtschaftlich sinnvoll sein«, so Trümper. »Es liegt aber nicht in unserem gemeinsamen Interesse.« Trümper forderte erneut, die Großhandelsvergütung anzupassen und nicht die Sparvorstellungen des Gesetzgebers in den alten Strukturen auszuführen. Dabei warb er um die Unterstützung der Apotheker. »Wir sitzen in einem Boot und sollten nicht in verschiedene Richtungen rudern. Gemeinsame Interessen sollte man gemeinsam vertreten.« /

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