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Medizin-Nobelpreis für Erforschung der Inneren Uhr

04.10.2017
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Medizin-Nobelpreis für Erforschung der Inneren Uhr

Von Christina Hohmann-Jeddi / Der Medizin-Nobelpreis geht in diesem Jahr an drei US-amerikanische Forscher, die die Mechanismen der circadianen Rhythmik erforscht haben.

 

Professor Dr. Jeffrey Connor Hall, Professor Dr. Michael Rosbash und Professor Dr. Michael Warren Young teilen sich dieses Jahr die höchste wissenschaftliche Auszeichnung, verkündete das schwedische Nobel-Komitee in Stockholm. Hall und Rosbash von der Brandeis University in Waltham, Massachusetts, entschlüsselten zusammen mit Young von der Rockefeller University in New York City die molekularen Grundlagen der sogenannten Inneren Uhr. 

Diese hilft nicht nur Menschen, sondern auch Pflanzen und Tieren, ihren biologischen Rhythmus an die Rotation der Erde und den dadurch entstehenden Tag-Nacht-Rhythmus anzupassen.

 

Die drei Forscher entdeckten bei dem Modellorganismus Drosophila melanogaster ein Gen, das den circadianen Rhythmus kontrolliert. Dieses als period bezeichnete Gen kodiert für das Protein PER (protein encoded by period). Die Transkription dieses Gens schwankt in einem Tag-Nacht-Rhythmus: Das Genprodukt reichert sich in der Nacht an und wird am Tag ab­gebaut. Die Forscher konnten auch zeigen, dass das Protein PER in einem negativen Feedback-Loop die eigene Synthese hemmt. Damit reguliert es den eigenen Spiegel in einem kontinuierlichen zyklischen Rhythmus. Später wurden weitere molekulare Mechanismen der Inneren Uhr identifiziert, die unter anderem die Aktivität des period-Gens mitregulieren oder den Einfluss von Licht auf den circadianen Rhythmus vermitteln.

 

Mittlerweile ist bekannt, dass eine große Zahl der menschlichen Gene durch die Innere Uhr reguliert wird, wodurch die Physiologie an die verschiedenen Tageszeiten angepasst wird. »Seit den bahnbrechenden Entdeckungen der drei Preisträger, hat sich die Chronobiologie in ein großes und hoch dynamisches Forschungsfeld entwickelt, mit Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit«, heißt es in der Pressemitteilung des Nobel-Komitees.

 

Die drei Forscher erhalten zusammen ein Preisgeld, das sich beim »Nobelpreis für Physiologie oder Medizin«, so die offizielle Bezeichnung, auf acht Millionen Schwedische Kronen (830 000 Euro) beläuft. /

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