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Lauer-Fischer

Mit der Philosophie eines mittel­ständischen Unternehmens

05.10.2010
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Von Daniel Rücker / Vor sechzig Jahren brachte Pharma, Daig und Lauer eine Taxe für Apotheken auf den Markt. Sechzig Jahre später ist das Unternehmen Teil des ARZ Haan und einer der erfolgreichsten Hersteller von Apothekensoftware. Im Gespräch mit der PZ berichten Franz Lauer, Sohn des Firmengründers Josef Lauer, sowie die beiden Geschäftsführer Gordian Schöllhorn und Andreas Prenneis von den Anfängen, der Gegenwart und der Zukunft des Unternehmens, das seit 20 Jahren unter dem Namen Lauer-Fischer firmiert.

PZ: Herr Lauer. Im Jahr 1950 ist ihr Vater mit dem Unternehmen Pharma, Daig und Lauer an den Start gegangen. Einziges Produkt war die Lauer-Taxe. Wie muss man sich das damalige Geschäft vorstellen?

 

Lauer: Tatsächlich hat mein Vater noch früher begonnen. Vor 1950 war die Firma ein pharmazeutischer Großhandel, der sogenannte Tauschring. Mein Vater hat überschüssige Arzneimittel aus den Militärdepots an die Apotheken geliefert. Zuerst wurden die Waren getauscht, später dann gegen Geld geliefert. Das war natürlich ein endliches Geschäft, denn die Militärdepots waren irgendwann leer. Mit dem Geld, das mein Vater damit verdiente, hat er dann die Konzeption der Lauer-Taxe finanziert.

 

PZ: Wie ist Ihr Vater auf die Idee gekommen, eine Taxe für Apotheken zu entwickeln?

Lauer: Das ist eine schöne Geschichte. Mein Vater hat nach dem Krieg bei verschiedenen Pharmagroßhändlern gearbeitet. Nach ein paar Jahren wollte er sich selbstständig machen und bat einen Bekannten um Rat für eine Geschäftsidee. Der sagte ihm, er solle wohlhabende und angesehene Menschen fragen, was ihnen in ihrem Beruf am wenigsten Spaß macht. Mein Vater hat daraufhin 200 Briefe an Apotheker geschrieben. Die Antwort war eindeutig: Die Inventur war bei den Apothekern am wenigsten beliebt. Also bot mein Vater dies als Dienstleistung an. Für die Inventur brauchte er Preislisten. Die hat er später zusammengeführt. Das war die Basis für die erste Lauer-Taxe.

 

PZ: Gab es damals schon Konkurrenzprodukte?

 

Lauer: Ja, es gab zwei oder drei weitere Taxen, und es gab eine offizielle Preisliste für die Geschäfte zwischen Apothekern und Krankenkassen.

 

PZ: Warum hat sich Ihr Vater durchgesetzt?

 

Lauer: Schon damals änderten sich die Preise für Arzneimittel ständig. Die Taxen waren also schon kurz nach ihrem Erscheinen wieder veraltet. Mein Vater hat seine Taxe als Loseblattwerk konzipiert, dass alle zwei Wochen aktualisiert wurde. Das war damals revolutionär. Außerdem war unsere Taxe die vollständigste. Aus den Inventuren wussten wir, was in den Apotheken verkauft wird. Wir hatten 50 000 Positionen in der Taxe. So sind wir sehr schnell Marktführer geworden.

 

PZ: Der nächste Schritt war dann die Umstellung der Lauer-Taxe auf Mikrofilm. Wie kam das bei den Apothekern an?

 

Lauer: Das war auf dem Apothekertag 1972 in Berlin und hat eingeschlagen wie eine Bombe. Wir hatten mit dieser Reaktion überhaupt nicht gerechnet. Wir haben in den drei Tagen mehr als 4000 Verträge abgeschlossen. Es war ein Traum. Die Apotheker haben an unserem Stand Schlange gestanden. Bis zur Auslieferung mussten sie dann bis zu einem Jahr warten, obwohl wir Tag und Nacht gearbeitet haben. Es gab ja auch noch keine Lesegeräte, weil wir die neue Technologie als Erste genutzt hatten. Die hat die Firma Minox extra für uns entwickelt.

 

PZ: Warum haben die Apotheker so euphorisch reagiert?

 

Lauer: Der Mikrofilm war eine ungeheure Erleichterung. Die Lauer-Taxe wurde alle zwei Wochen aktualisiert. Das musste bis dahin von Hand gemacht werden. Mit dem Mikrofilm fiel dies weg, weil der jetzt nur noch ausgetauscht werden musste. Wir hatten einen Mikrofilm, der mit 18 mal 24 Zentimetern so groß war, dass die gesamte Lauer-Taxe darauf dargestellt werden konnte. Der Mikrofilm war für uns und für die Apotheken eine absolute Erfolgsgeschichte. Sie dauerte 25 Jahre. Erst 1997 stellte die letzte Apotheke auf EDV um.

 

PZ: Ab wann haben sich die Computer in den Apotheken durchgesetzt?

 

Lauer: Mein späterer Partner Klaus Fischer hat 1980 die erste Apothekensoftware auf den Markt gebracht. Bei Lauer haben wir 1985 mit der Entwicklung von Warenwirtschaftsprogrammen für Apotheken angefangen. Es dauerte aber, wie schon gesagt, noch zwöf Jahre, bis alle Apotheken komplett auf EDV umgestellt hatten und wir die Lauer-Taxe auf Mikrofilm einstellen konnten.

Schöllhorn: Das Ende der Lauer-Taxe auf Mikrofilm hat dem Ansehen dieses Produktes übrigens überhaupt nicht geschadet. Auch heute, wo die zugrunde liegenden Daten von der ABDA geliefert werden, werden die digitalen Versionen der Lauer-Taxe in unserem Winapo und online von vielen tausend Kunden genutzt.

 

PZ: Seit 25 Jahren gibt es nun Apothekensoftware. Was waren in diesem Zeitraum die wesentlichen Meilensteine?

 

Lauer: In den ersten Jahren waren es vor allem die Ände­rungen bei den Betriebssystemen, die neue Möglichkeiten eröffnet haben, zum Beispiel beim Wechsel von DOS auf Windows. Lauer-Fischer hatte von Beginn an sehr enge Verbindungen zu Microsoft und konnte deshalb auch sehr früh Software für das neue Betriebssystem entwickeln. Das war eine sehr komplexe Aufgabe. Hat sich aber ge­lohnt, weil die Möglichkeiten und der Bedienungskomfort von Winapo deutlich größer waren als beim Vorläuferpro­gramm.

 

PZ: Mit wie vielen Leuten haben Sie daran gearbeitet?

 

Lauer: Wir hatten damals 36 Programmierer, die an dem Programm gearbeitet haben.

 

Schöllhorn: Lauer-Fischer hat sich sehr früh für eine Zusammenarbeit mit Microsoft entschieden. Das hat uns aus meiner Sicht große Vorteile gebracht, weil wir immer sehr nah an den Entwicklern des Betriebssystems in den USA dran waren. Auch heute profitieren wir noch als Certified-Gold-Partner von der guten langjährigen Zusammenarbeit mit Microsoft.

 

PZ: Was denken sie? Wie wird sich die Apothekensoftware weiterentwickeln?

 

Schöllhorn: Heute geht es darum, die immer komplexeren Prozesse in der Apotheke in der Software abzubilden und dies so einfach und effizient wie möglich zu gestalten. Dies zeigt sich auch an Beispielen wie Filialisierung, Kooperationen und Blisterzentren. Auf all diese Prozesse muss die Apothekensoftware ausgelegt sein und sich den Marktanforderungen schnell anpassen.

 

Um nahe am Kunden zu sein, fragen wir Apotheker immer wieder nach ihren Bedürfnissen. Neben der jährlich stattfindenden eigenen Kunden-Befragung haben wir Kundenforen eingerichtet und einen Kreis von Apothekern, die uns beraten. Wir erfahren so ziemlich schnell, was die Software neu lernen muss, um den Anforderungen der Apotheker zu genügen. Nahe am Kunden sind wir übrigens auch wegen unserer 17 Niederlassungen. Außerdem ist unser Entwicklungsleiter selbst Apotheker und kennt somit die Herausforderungen seiner Kollegen sehr gut.

Prenneis: Die neuen Trends kommen natürlich auch aus der EDV. Ein Beispiel hierfür sind Touch-Oberflächen zur Bedienung der Software. Die Bedeutung von Technologien für eine intuitive Bedienbarkeit von Anwendungen wird in den nächsten Jahren dramatisch wachsen. Außerdem ist es heute im täglichen Leben selbstverständlich, dass man alle wichtigen Kennzahlen auch mobil verfügbar hat. Das ist sicher auch eine Entwicklung, die wir sehr ernst nehmen müssen.

 

Außerdem beobachten wir, dass es immer mehr Apotheken gibt, die zu mittelständischen Unternehmen mit einer dreistelligen Mitarbeiterzahl heranwachsen. Diese haben andere Anforderungen als die klassischen Apotheken.

 

Den dritten Trend hat Herr Schöllhorn gerade schon angesprochen. Apotheken mit Filialen oder Zusammenschlüsse mehrerer Apotheker müssen von einer Zentrale aus für mehrere Betriebe bestellen oder Rechnungen schreiben können. Dazu müssen sie auch die Lager der verschiedenen Betriebe im Blick haben und die sinnvolle Verteilung der bestellten Ware nach der Lieferung disponieren können. Um diese Anforderung zu erfüllen, muss sich die Softwarearchitektur der Apothekensysteme zunehmend der Architektur von Lösungen für größere Unternehmen annähern.

 

Und natürlich resultieren auch aus neuen Versorgungsformen Anforderungen an die Software geben. Ein Beispiel hierfür ist das Thema patientenindividuelle Arzneimittelversorgung.

 

PZ: Wenn ich Sie richtig verstehe, dann wird die Apothekensoftware in Zukunft heterogener werden?

 

Schöllhorn: Ja, ganz klar. Die Unterschiede in den Bedürfnissen werden immer größer. Die Software, die für alle Apotheken passt gibt es schon heute nicht mehr, der Anteil an individuellen Lösungen wird aber mit Sicherheit noch weiter steigen.

 

PZ: Sie sagen, dass sich der Apothekenmarkt geändert hat und weiter in Bewegung ist. Hat sich denn auch Lauer-Fischer geändert?

 

Schöllhorn: Natürlich haben wir uns verändert, wir sind gewachsen und haben uns sogar um einen eigenen Bereich Individualentwicklung erweitert. Durch die Einbindung in den ARZ Haan Konzern profitieren wir auch von deren Know-how wie der Rezeptabrechnung.

 

Trotz dieser Veränderungen ist Lauer-Fischer von seiner Philosophie her immer noch ein mittelständisches Unternehmen. Wir haben einen sehr stabilen Mitarbeiterstamm und auch sehr langfristige Kundenbeziehungen. Wir stehen für nachhaltige Geschäftsbeziehungen. Das ist uns wichtig. Und wir sind nahe dran an unseren Kunden, mit bundesweit 17 Niederlassungen auch im eigentlichen Sinn des Wortes. /

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