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Treuhand

AMNOG belastet Apotheken erheblich

05.10.2010  14:27 Uhr

Von Daniel Rücker, Berlin / Ursprünglich wollte die Bundesregierung bei Apothekern und pharmazeutischem Großhandel zusammen rund 350 Millionen Euro sparen. Nach dem aktuellen Gesetzentwurf könnten die Apotheken jedoch mit 500 Millionen Euro zur Kasse gebeten werden. Nach Berechnungen der Treuhand Hannover dürfte dies rund 30 Prozent der Apotheken in Existenznöte bringen.

Der Generalbevollmächtigte der Treuhand hat ganz offensichtlich kein Interesse, die Lage zu dramatisieren: Wie vielen Apotheken denn das Aus drohe, wenn der aktuelle Entwurf Gesetz werde, wurde er bei einer Pressekonferenz der Treuhand in Berlin gefragt. Dies lasse sich heute nicht seriös vorhersagen, antwortete er. Viele Apotheken würden womöglich auch weitermachen, obwohl sie nicht mehr rentabel sind.

Schon heute erwirtschafteten rund 7 Pro­zent der Apotheken ein negatives Be­triebs­ergebnis, trotzdem machten sie weiter. Weitere 20 Prozent der Apothe­ken­lei­ter müssten sich mit einem Be­triebs­ergebnis von unter 50 000 Euro begnügen. Damit würden sie netto weniger verdienen als ein in Vollzeit angestellter Approbierter. Diese knapp 30 Prozent der Apotheken seien im kommenden Jahr naturgemäß am stärks­ten gefährdet.

 

Ergebnis sinkt deutlich

 

Klar sei aber auch, dass die Zahl der gefährdeten Apotheken auch in anderen Umsatzklassen ab 2011 deutlich steigt, wenn die Bundesregierung nicht doch noch Hand an die im Arzneimittelmarkt-Neuordnungsgesetz (AMNOG) geplanten Änderungen der Arzneimittelpreisverordnung für den pharmazeutischen Großhandel anlegt. Nach Berechnungen der Treuhand lässt die geplante Umstellung der Großhandels-Vergütung das Betriebsergebnis einer typischen Apotheke nämlich um 17 Prozent sinken. Es läge dann nur noch bei 61 000 Euro. Dies sei der tatsächliche Wert, kein schlecht gerechneter, bei dem zuvor ein üppiger Unternehmerlohn abgezogen worden sei, sagte Diener. Grundlage dieser Berechnungen sei die Ankündigung des Bundesverbandes des pharmazeutischen Großhandels (Phagro), die vom Gesetzgeber geplante 40-prozentige Senkung der Großhandels-Marge vollständig an die Apotheken weiterzugeben. Für dieses Jahr rechnen die Experten noch mit einem Ergebnis von 73 000 Euro.

Genaue Prognosen über die Konsequenzen des AMNOG sind auch deshalb schwierig, weil die Apotheken je nach Umsatzstruktur sehr unter­schiedlich von dem Gesetz betroffen sind. Leid­tragende dürften vor allem Apotheken mit einem hohen Umsatzanteil rezeptpflichtiger und teuerer Medikamente sein. Apotheken in der Innenstadt, bei denen Selbstmedikationsarzneimittel einen hohen Anteil am Unsatz haben, seien dagegen deutlich weniger betroffen.

 

Wegen der großen Streuung rät Diener dringend allen Apothekern, die individuelle Betroffenheit analysieren zu lassen, um dann geeignete Stra­tegien entwickeln zu können. Eine professionelle unternehmerische Reaktion auf das AMNOG setze eine solche Wirkungsanalyse zwingend voraus.

 

Die Arbeit bleibt

 

Von Alleingängen ohne professionelle Hilfe rät Diener ab. Denn für die Gegenmaßnahmen gebe es kein Patentrezept. Diener: »Auf jeden Fall müssen alle Kosten auf den Prüfstand. In manchen Fällen kann es sinnvoll sein, mehr Ware direkt beim Hersteller zu kaufen. Es kann sich auch lohnen, Ware für 2011 noch 2010 zu den alten Konditionen zu bestellen. Bei den Personalkosten sieht Diener dagegen wenig Spielraum: »Die Arbeit wird durch das AMNOG sicher nicht weniger.« Für ihre Prognose hat die Treuhand von 3500 Apotheken die Kennzahlen der ersten sechs Monate 2010 verdoppelt und so das Betriebsergebnis für das Gesamtjahr berechnet. In die Prognose für 2011 fließen dann eine Strukturkomponente von 4 Prozent und eine Preiskomponente von 1,8  Prozent ein.

 

Nach Berechnungen der Treuhand stehen den massiven Ertragsverlusten der Apotheken nur marginale Einsparungen der Krankenkassen gegenüber. Deren Ausgaben für Arzneimittel würden 2011 um lediglich 1,8 Prozent sinken. Diener: »Eine Einsparung in dieser Größenordnung wird bereits mit einer Grippewelle verbraucht.« /

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