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Aussicht auf bessere Zeiten

30.04.2013
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Frank Diener von der Steuerberatungsgesellschaft Treuhand Hannover stellte die betriebswirtschaftliche Situation einer typischen Apotheke vor. Sein Fazit für das Jahr 2012 fiel schlecht aus. Dieners Prognose für das Jahr 2013 macht aber Hoffnung, dass es wieder aufwärts geht.

Als typische Apotheke definierte Diener eine Apotheke, deren Jahresumsatz zwischen 1,25 und 1,5 Millionen Euro liegt. Im Zehn-Jahres-Vergleich ist der Gesamtumsatz einer typischen Apotheke um mehr als 25 Prozent gestiegen, so Diener. Selbst im Vergleich zu 2011 sei der Gesamtumsatz der typischen Apotheke im jahr 2012 sogar leicht gestiegen. Auch der GKV-Umsatz hat sich im Vergleich zum Vorjahr leicht erhöht.

 

Historischer Tiefpunkt

 

Von diesen Zahlen dürfe man sich jedoch nicht täuschen lassen, erklärte Diener. Denn trotz Umsatzplus gab es 2011 und 2012 ein Rohgewinnminus. Nachdem der Rohgewinn bereits 2011 gesunken ist, fiel er 2012 noch einmal niedriger aus. Diener machte dafür die Auswirkungen des AMNOG verantwortlich. »Das Betriebsergebnis vor Steuern hat im Jahr 2012 einen historischen Tiefpunkt erreicht«, informierte der Referent. Es lag für eine typische Apotheke nur noch bei 67 000 Euro. Im Vergleich zu 2011 mit 69 000 Euro sind das fast 3 Prozent weniger.

Im Zehn-Jahres-Vergleich ging das Betriebsergebnis vor Steuern sogar um 15 Prozent zurück. Der Inhaber-Verfügungsbetrag, also jener Betrag, den man mit dem Jahres-Nettogehalt eines Angestellten vergleichen kann, lag Diener zufolge im Jahr 2012 unter dem Niveau von 2003. Auch im Vergleich zu 2011 ist er nochmals um 1000 Euro von 35 000 auf 34 000 Euro gesunken. Die Bilanz für 2012 fasste Diener mit den Worten »fortgesetzte Tristesse« zusammen.

 

Im zweiten Teil seines Vortrags wagte Diener eine Prognose für das laufende Jahr. Er machte deutlich, dass der betriebswirtschaftliche Ereignisrahmen im Jahr 2013 freundlicher aussieht. Positiv wirke sich zum Beispiel die Erhöhung der packungsbezogenen Fixvergütung bei verschreibungspflichtigen Medikamenten von 8,10 Euro auf 8,35 Euro aus. Auch die von der Bundesregierung versprochene Nacht- und Notdienstpauschale in Höhe von insgesamt 120 Millionen Euro pro Jahr wirkt sich günstig aus.

 

Diener betonte, es sei wichtig, nun auch noch die Verhandlungen zum Kassenabschlag erfolgreich zum Abschluss zu bringen. Darüber hinaus erwarte er eine Verbesserung bei der Wareneinsatzquote von bis zu 1 Prozent. Die Netto-Umsätze der Branche werden wahrscheinlich gegenüber dem Vorjahr auch steigen, so Diener. Er macht dafür unter anderem den Wegfall der Praxisgebühr verantwortlich. Denn ohne Praxisgebühr steigen vermutlich die Arztbesuche und infolgedessen die Anzahl verordneter Medikamente im verschreibungspflichtigen Bereich.

Nur Gutes wird es 2013 jedoch nicht geben: Diener zufolge werde sich auch in diesem Jahr der Trend zu Betriebsschließungen fortsetzen. Wie sich die Personalkosten im Jahr 2013 entwickeln, sei bis dato auch noch nicht klar. Last but not least bestehe darüber hinaus immer eine latente Gefahr, dass durch Maßnahmen der Politik negative Folgen für die Branche entstehen. Bisher geht Diener aber davon aus, dass sich das Betriebsergebnis vor Steuern im Jahr 2013 verbessern wird. Seiner Prognose zufolge könnte es bei 81 000 Euro liegen. Die absoluten Werte würden damit wieder ein Niveau erreichen wie 2003 oder 2004. Allerdings gab Diener den gehörigen Kaufkraftschwund von seitdem etwa 20 Prozent zu bedenken.

 

Markt driftet auseinander

 

In seiner Prognose für 2013 nannte Diener auch einen möglichen Inhaber-Verfügungs­betrag. Dieser würde dieses Jahr im Vergleich zu 2012 um 9000 Euro auf 43 000 Euro ansteigen. Diener zeigte sich überzeugt, dass es für viele Apotheken eine Verbesserung geben wird, aber leider nicht für alle. »Der Markt driftet auseinander«, so Diener. Etwa 57 Prozent der Apotheken hätten im Jahr 2012 ein Umsatzplus gehabt, 43 Prozent ein Minus. Diese Situation habe sich zwar verbessert, aber nicht komplett geändert. Diener zufolge konnten im Januar 2013 immerhin 79 Prozent der Apotheken ein Umsatzplus verzeichnen und nur noch 21 Prozent hätten ein Minus gehabt. /

Kommentar

Hoffnung


Frank Diener kann sich freuen. In den vergangenen Jahren musste der Treuhand-Generalbeauftragte beim DAV-Wirtschaftsforum den Apothekern erklären, dass sie in diesem Jahr wieder weniger verdienen werden als im Vorjahr. In diesem Jahr war das nicht so. Das wird nicht nur Frank Diener freuen, sondern vor allem die Apotheker. Sie können 2013 mit einem deut­lichen Plus rechnen. Das Betriebs­ergebnis einer typischen Apotheke wird auf 81 000 Euro steigen. Das wäre ein Plus von gut 20 Prozent gegenüber 2012.

 

Ein anderer Vergleich gibt weniger Anlass zum Jubeln: Mit dem Zuwachs 2013 landen die Apotheker knapp über dem Niveau von 2003. Ist das Glas nun also halb voll oder halb leer? Schaut man auf die vergangenen zehn Jahre, ist es natürlich eher leer. Dennoch hat ABDA-Geschäftsführer Karl-Heinz Resch nicht unrecht, wenn er vom »Licht am Ende des AMNOG-Tunnels« spricht. Die Entwicklung macht Hoffnung auf einen weiteren Aufwärtstrend in den kommenden Jahren.

 

Das ist ohne Frage ein Erfolg des Deutschen Apothekerverbandes. Insgesamt haben die Erhöhung der Pauschale und die geplante Notdienstgebühr deutlich dazu beigetragen, dass der Ertrag der Apotheker wieder steigt. Unterstützt wird die positive Entwicklung von leicht sinkenden Kosten für Einkauf und Personal.

 

Die Podiumsdiskussion mit Gesundheitspolitikern auf dem Wirtschaftsforum machte Hoffnung, dass sich der positive Trend verfestigen könnte. Gesundheitspolitiker von Bundesregierung und Opposition zeigten sich bereit, über mehr Geld für Rezepturen und für die Belieferung von Betäubungsmittelrezepten zu reden. Das wäre ein weitere Schritt. Noch wichtiger ist aber die vom DAV-Vorsitzenden Fritz Becker geforderte Dynamisierung der Packungspauschale. Nur die kann den Apothekern wirklich Planungssicherheit bieten. Kommt sie nicht, dann ist es fraglich, ob am Tunnelende tatsächlich Licht zu sehen ist oder es doch nur eine Fototapete war.

 

Daniel Rücker

Chefredakteur

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