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Wirtschaftliche Perspektiven

Wie wird 2014?

07.01.2014
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Von Frank Diener / Das Jahr 2013 war für die meisten Apotheken nach langen Jahren der Tristesse ein gutes Jahr: Der Branchen­umsatz erhöhte sich um knapp 5 Prozent, der Wareneinsatz konnte im Durchschnitt um einen Prozentpunkt reduziert werden und die Betriebskosten blieben insgesamt relativ stabil, sodass sich in der Folge die Betriebsergebnisse um durchschnittlich fast einen Prozentpunkt verbesserten.

Während in den Vorjahren bei vielen Apothekentypen die durchschnittliche Umsatzrendite (also der Vor-Steuer-Gewinn in Prozent des Nettoumsatzes) weit unter die 4-Prozent-Marke gerutscht war (zum Bespiel bei Filialapotheken), haben im Jahr 2013 eine Reihe von Apothekentypen (etwa Ärztehaus-Apotheken) die 7-Prozent-Marke erreicht oder überschritten. Diese durchschnittliche Verbesserung kann jedoch nicht verallgemeinert werden, weil die Marktspreizung zunimmt: So erzielten im vergangenen Jahr 73 Prozent der Betriebe ein Umsatzplus, gleichzeitig aber 27 Prozent ein Umsatzminus. Die Teilhabe am Branchenumsatzplus von knapp 5 Prozent ist also extrem unterschiedlich. Auch beim Wareneinsatz sowie den Personal- und sonstigen Kosten und dementsprechend beim Betriebsergebnis wird das Spektrum zwischen starken und schwachen Betrieben immer größer.

Zusammengefasst heißt das für die Ausgangslage: 2013 war für die Branche im Vergleich zu den Vorjahren ein gutes Jahr – doch der Markt driftet weiter auseinander, sodass die Bandbreite zwischen den Betrieben deutlich zunimmt.

 

Für die Entwicklung in diesem Jahr sind zehn Faktoren maßgeblich. Dabei ist Folgendes zu beachten: Durch entsprechendes unternehmerisches Agieren vor Ort kann negativen Einflüssen entgegengewirkt werden, positive Einflussfaktoren können verstärkt werden. Wenn sich im Durchschnitt Umsätze verbessern oder Kosten erhöhen, ist das für den Einzelbetrieb kein »Automatismus« oder »Gesetz«, sondern gestaltbar. Die Reihenfolge der Nennung im Folgenden spiegelt nicht die Wichtigkeit der Einflussfaktoren wider, die einzelwirtschaftliche Bedeutung eines Faktors kann sehr unterschiedlich sein.

 

 

Markttrend

 

Für den Gesamtumsatz ist ein Plus von 2 Prozent realistisch. Im Bereich der rezeptpflichtigen Arzneimittel wird die Herstellerpreiskontrolle fortgesetzt, die Packungszahl und das Preisniveau werden jeweils um etwa 1 Prozent steigen. Bei den rezeptfreien Arzneimitteln erwarten wir in Preis und Menge für 2014 eine Stabilisierung auf dem Vorjahresniveau.

 

Notdienstpauschale

 

Die Notdienstpauschale wird in diesem Jahr erstmals ein volles Jahr wirksam sein. Die Höhe der Pauschale je Notdienst wird quartalsweise ermittelt. Ein Wert von 210 bis 230 Euro im Jahr 2014 ist realistisch. Notdienstintensive Betriebe auf dem Land, wie Dorfapotheken mit jährlich 40 Notdiensten erhalten aufs Jahr gerechnet insgesamt deutlich mehr aus dem Notdienstfonds als Apotheken in hochfrequenten Wettbewerbslagen der Innenstädte, von denen einige weniger als einen Notdienst pro Monat haben.

 

Betriebsschließungen

 

Rund 25 Prozent der Apotheken sind mit einem Vor-Steuer-Betriebsergebnis von weniger als 50 000 Euro in der betriebswirtschaftlichen Problemzone. Auch 2014 wird sich die Zahl der Betriebsstätten um mehr als 300 reduzieren. Dieser lokale Einflussfaktor kann vor Ort viel stärker als andere Faktoren wirken, denn der Umsatz, den ein geschlossener Betrieb hinterlässt, verteilt sich in der Regel auf verbleibende Apotheken im unmittelbaren Konkurrenzumfeld – aber nicht gleichförmig. Hier gilt es wachsam zu sein.

 

Kassenabschlag

 

Im Jahr 2014 beträgt der GKV-Kassenabschlag 1,80 Euro je Rx-Packung. Da im ersten Halbjahr 2013 der Kassenabschlag bei 1,75 Euro und im zweiten Halbjahr bei 1,85 Euro lag, ergibt sich 2014 im Vergleich zum ersten Halbjahr 2013 eine Verschlechterung des Rohgewinns je Rx-Packung, im zweiten Halbjahr 2014 aber eine Verbesserung. Auf das Kalenderjahr gerechnet gleicht sich dieser Effekt aus. Bei Apotheken mit abweichendem Wirtschaftsjahr ist das nicht zwingend so.

 

Personalkosten

 

Insgesamt dürfte die Steigerung der Personalkosten 2014 in der Größenordnung von 2 bis 3 Prozent gegenüber 2013 liegen. Lokal wird die Änderung allerdings sehr unterschiedlich ausgeprägt sein: In angesagten Städten oder Städten mit pharmazeutischen Fakultäten und PTA-Schulen fallen das Halten und die Rekrutierung neuer Mitarbeiter leichter als in dünn besiedelten Gegenden.

 

Wareneinkauf

 

Rund drei Viertel des Apothekenumsatzes wird durch den Wareneinsatz aufgezehrt. Das Gezerre um Einkaufskonditionen ist systemimmanent und wird sich 2014 fortsetzen. Auch hier ist eine Marktspreizung deutlich und das Spektrum von »schlechten« und »guten« Konditionen ist breit. Nachdem der Großhandel in den AMNOG-Jahren 2011 und 2012 flächendeckend erhebliche Kürzungen der Einkaufskonditionen durchsetzen konnte, haben es viele Apotheken 2013 geschafft, die Wettbewerbssituation der Großhändler zu nutzen und die Lage für sich zu verbessern. Da zum Jahresultimo 2013 und Jahresanfang 2014 viele Konditionenvereinbarungen auslaufen, finden derzeit in vielen Apotheken neue Verhandlungen statt. Meist ist dabei die Fortschreibung der alten Konditionen für die Apotheken sinnvoll, doch die Großhändler versuchen, Kürzungen durchzusetzen.

 

Nach Einschätzung der Treuhand Hannover sollte sich aufgrund der Wettbewerbslage das gute Konditionenniveau aus dem vergangenen Jahr 2014 im Großen und Ganzen halten lassen. Die Veränderung dürfte im Durchschnitt bei 0,0 bis maximal -0,5 Prozentpunkten liegen. Ob im konkreten Einzelfall eine Verbesserung, ein Halten oder eine Verschlechterung erreicht wird, ist von der individuellen Konditionenverhandlung abhängig. Für die erfolgreiche Verhandlung ist eine professionelle Vorbereitung unverzichtbar. Apotheker sollten deshalb ihre Einkaufskonditionen rechtzeitig checken lassen.

Ärzte

 

Da ärztliche Verordnungen den Großteil des Apothekenumsatzes ausmachen, sind Veränderungen im Arztumfeld höchst bedeutsam. KBV und GKV-Spitzenverband haben mittelweile in ihren jährlichen Arzneimittelrahmvereinbarungen einen praktikablen Weg gefunden, notwendigen Mehrverordnungsspielräumen aufgrund neuer Arzneimittel oder vermehrten altersbedingten Krankheitsbildern Rechnung zu tragen. Zunehmend haben jedoch strukturell bedeutsamer werdende Veränderungen in der Ärzteschaft selbst merkliche Auswirkungen auf Apotheken: die Landflucht junger Ärzte in Städte, Nachbesetzungsprobleme bei frei werdenden Arztsitzen, Standortverlagerungen von Praxen durch neue Kooperationsformen führen zu Umsatzverlagerungen und strukturellem Wandel bei den Apotheken. Die neue Koalition plant in dem Zusammenhang, zukünftig Krankenhäuser in unterversorgten Regionen zur ambulanten Versorgung zuzulassen.

 

Pharmapolitik

 

Im Apothekenbereich hat die neue Koalition das Fremd- und Mehrbesitzverbot bestätigt und keine massiven Eingriffe angekündigt. Das war bei früheren Regierungswechseln anders. Einen Eingriff gibt es allerdings: Bei innovativen Arzneimitteln soll die Margenberechnung von Apotheken und Großhandel zukünftig nicht mehr auf den Listenpreis des Herstellers berechnet werden, sondern auf den um den Herstellerrabatt reduzierten Erstattungspreis. Es ist davon auszugehen, dass diese Regelung noch 2014 gesetzlich verabschiedet und in Kraft gesetzt wird. Die Einbuße der Apotheke hängt ab von der Differenz zwischen Listenpreis und Erstattungsbetrag und kann bei hochpreisigen Arzneimitteln mit hohem Herstellerpreisnachlass über 100 Euro betragen.

 

Marktpartner GKV

 

Vor dem Hintergrund des Urteils des Bundessozialgerichts in Sachen zur Retaxierung auf null ist zu erwarten, dass Retaxationsstreitigkeiten zunehmen werden. Unklar ist auch, wie schnell der Gemeinsame Bundesausschuss (GBA) die Ausnahmeliste zu Rabattvertragsarzneimitteln erarbeitet und wie sie gestaltet wird. Die Apothekeninhaber sollten sicherstellen, dass in ihren Betrieben die zulässigen Abweichungen von Rabattverträgen genutzt und mit der Sonder-PZN auf dem Rezept dokumentiert werden. Der Grund »pharmazeutische Bedenken« wird offenbar zu selten genutzt. Falls ein Betrieb mit einem absehbaren Retaxvolumen rechnen muss, sollte geprüft werden, ob durch Rücklagen und Rückstellungen Vorsorge getroffen werden kann.

 

Der Apotheker als Unternehmer

 

Der wichtigste Einflussfaktor auf die Apotheke ist der Inhaber selbst in seiner Rolle als Unternehmer. Die Marktspreizung bei Umsatz, Wareneinsatz, Personal- und sonstigen Betriebskosten und dem Betriebsergebnis zeigt erhebliche betriebswirtschaftliche Gestaltungsspielräume, die es durch aktives Handeln zu nutzen gilt.

 

Bei den meisten Apotheken wird 2014 das Vor-Steuer-Betriebsergebnis »ähnlich« wie 2013 sein – die Veränderung wird bei rezeptlastigen Betrieben im Bereich einer »roten Null«, bei Landapotheken eher im Bereich der »schwarzen Null« liegen. Die individuellen Abweichungen vom Durchschnitt können jedoch erheblich sein. /

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