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Apothekenmarkt 2014

Wie gewonnen, so zerronnen

05.11.2013
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Von Daniel Rücker, Berlin / Die meisten Apotheken können beim Betriebsergebnis 2013 mit einem deutlichen Plus rechnen. Doch nicht alle Betriebe profitieren gleichermaßen. Und schon 2014 könnte der Gewinn wieder sinken, sagt eine Prognose der Steuerberatungsgesellschaft Treuhand Hannover.

Jedes Jahr im Herbst präsentiert der Treuhand-Generalbevollmächtigte Frank Diener dem Gesamtvorstand der ABDA die aktuelle Lage der Apotheken in Deutschland. In den vergangenen Jahren war dies selten eine angenehme Aufgabe, denn die Lage der Branche verschlechterte sich von Jahr zu Jahr. Für 2013 wird dies nicht gelten. Je nach Apothekentyp werde das durchschnittliche Betriebsergebnis um 20 000 bis 30 000 Euro steigen, erläuterte Diener vergangene Woche in Berlin.

Verhandlungserfolge

 

Für die Ertragssteigerung macht Diener drei Verhandlungserfolge der Apothekerschaft verantwortlich: die Anhebung der packungsbezogenen Vergütung um 25 Cent, den Konsens beim Apothekenabschlag mit dem Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung und die Notdienstpauschale. Sie sorgen für Umsatzsteigerungen von durchschnittlich 13 700 Euro in der typischen Apotheke, bis zu 20 500 Euro bei der Ärztehaus-Apotheke. Positiv auf den Apotheken-Ertrag wirkt sich zudem die positive Lage bei Einkaufskonditionen aus. Steige das Rabattniveau um einen Prozentpunkt, dann bedeute dies für die Apotheke einen Mehrertrag von 8000 bis 12 000 Euro.

 

Die positive Entwicklung 2013 spiegelt sich auch im Rohgewinn wider. Der liegt im Westen im Durchschnitt bei 25,9 Prozent vom Netto-Umsatz und damit einen Prozentpunkt über dem Vorjahr. Im Osten liegt der Rohgewinn bei 23,7 Prozent. Das ist eine Steigerung um 1,1 Prozentpunkte gegenüber 2012. Dabei setzt sich allerdings der Trend fort, dass Apotheken heute sehr unterschiedliche Rahmenbedingungen haben und deshalb auch unterschiedlich von der aktuellen Situation profitieren. So kommt die häufigste Apothekenklasse, die typische Apotheke, auf einen Rohgewinn von 25,7 Prozent, das sind 0,9 Prozentpunkte mehr als 2012. Die Apotheke im Ärztehaus liegt in diesem Jahr nur bei 21,5 Prozent Rohgewinn. Die Apotheke in einer Fußgängerzone kommt auf 26,2 Prozent.

 

So erfreulich die diesjährige Entwicklung für die Apotheken ist, für viele Betriebe könnte es 2014 schon wieder abwärts gehen. Nach Berechnungen der Treuhand müssen Ärztehausapotheken dann mit einem um durchschnittlich 4950 Euro schlechteren Betriebsergebnis rechnen. Besser sieht es für die typische Apotheke aus. Sie kann auf einen neuerlichen Ergebnisanstieg von 2450 Euro hoffen. Entscheidend für den möglichen Rückgang sind laut Diener die sich verschlechternden Einkaufskonditionen.

 

Insgesamt sieht der Treuhand-Experte einen deutlichen Trend zu größeren Einheiten. Diener: »Heute werden noch zwei Drittel aller Apotheken als Einzelbetrieb geführt. Bald wird es nur noch die Hälfte sein. Apothekenverbünde werden immer bedeutsamer.« Das hat erhebliche Konsequenzen für den Markt. Diener: »Die Spreizung wird größer, das gilt für Umsatz, Rohertrag, Betriebskosten und -ergebnis.«

 

Ärztezahl entscheidend

 

In Zukunft werden die Apotheker stärker auf die Marktentwicklung bei den Ärzten achten müssen, so Diener. Die Zahl der niedergelassenen Mediziner werde sinken. Die demografische Entwicklung mache auch vor den Ärzten nicht halt, außerdem seien immer weniger Medizinstudenten dazu bereit, eine eigene Praxis aufzumachen. Für die rasant steigende Zahl von jungen Ärztinnen gelte das ganz besonders. Das habe auch Auswirkungen auf die Apotheken.

 

Die Zeiten, in der alle Apotheken in etwa dasselbe Geschäftsmodell hatten, sind laut Diener längst vorbei. In Zukunft werde der Apothekenmarkt noch heterogener werden. Auch mit Blick auf die Leitbilddiskussion im Berufsstand empfahl Diener, diese Veränderung wahrzunehmen und sich auf die steigende Heterogenität einzustellen. /

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