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COPD

Cortison nur, wenn es sein muss

27.09.2017
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Von Annette Mende / Die Inhalation von Corticoiden erhöht bei älteren Patienten mit Asthma oder chronischer obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) das Risiko für Infektionen mit anderen Mykobakterien als dem Tuberkulose-Erreger. Diese auch als atypische Mykobakterien bezeichneten Keime sind nur schwierig in den Griff zu bekommen und erfordern langwierige Therapien mit mehreren Antibiotika.

 

Ärzte sollten sich dieses Risikos bewusst sein und inhalative Corticoide bei älteren Patienten zurückhaltend und in möglichst niedriger Dosierung einsetzen, rät ein Autorenteam um Professor Dr. Sarah Brode von der University of Toronto in Kanada im »European Respiratory Journal« (DOI: 10.1183/13993003. 00037-2017).

 

Die Forscher hatten Daten aus den Jahren 2001 bis 2013 von knapp 417 500 Bewohnern der Provinz Ontario ausgewertet. Die Teilnehmer hatten Asthma oder COPD und waren mindestens 66 Jahre alt. Knapp 3000 von ihnen zogen sich während des Beobachtungszeitraums eine Infektion mit einem ­atypischen Mykobakterium zu. Bei diesen Patienten analysierten die Forscher, ob sie zuvor ein inhalatives Corticoid angewendet hatten und falls Ja, welches, wie lange und wie hoch dosiert.

 

Es stellte sich heraus, dass der ­Gebrauch von Corticoid-haltigen Inhalatoren das Risiko für eine Infektion verdoppelte und dass das Risiko mit der Dauer der Anwendung stieg. ­Besonders riskant war der Wirkstoff Fluticason.

 

Anders als in der Asthma-Therapie, in der inhalative Corticoide ihren festen Platz haben, sind diese Wirkstoffe bei COPD nicht unumstritten, kommentiert Brode in einer Mitteilung der europäischen Lungenstiftung. »Möglicherweise überwiegt ihr Nutzen den Schaden nur in einer Subgruppe der COPD-Patienten.« Betroffene Patienten sollten die Medikation mit ihrem behandelnden Arzt besprechen und die Corticoide bei gegebenem Bedarf so niedrig wie möglich dosieren. /

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