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Unabhängige Patientenberatung

Laumann verteidigt Sanvartis-Zuschlag

23.09.2015
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Von Ev Tebroke, Berlin / Die andauernde öffentliche Kritik an der Neuvergabe der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland (UPD) an den privaten Dienstleister Sanvartis lässt Staatssekretär Karl-Josef Laumann (CDU) nicht gelten. In Zukunft soll ein externer Beobachter die Neutralität der Beratung überwachen.

»Auch zukünftig wird die Patientenberatung unabhängig und neutral arbeiten«, versicherte der Patientenbeauftragte der Bundesregierung am Montag bei der offiziellen Vorstellung des neuen Anbieters in Berlin. Die Unabhängigkeit der UPD sei gesetzlich vorgeschrieben und das von Sanvartis abgegebene Angebot werde dieser Anforderung gerecht. Das habe ein Gutachten der Vergabekammer des Bundes unmissverständlich festgestellt.

»Überzeugendes Angebot«

 

Seit 2011 sind die Kassen gesetzlich verpflichtet, eine unabhängige Patientenberatung anzubieten. Der Vertrag mit dem bisherigen Anbieter der UPD läuft Ende des Jahres aus. Sanvartis hatte nach einer europaweiten Ausschreibung durch den GKV-Spitzenverband den Zuschlag erhalten und wird ab 2016 die neue UPD stellen. »Aus unserer Perspektive ist es das überzeugendste Angebot«, sagte Gernot Kiefer, Vorstand des GKV-Spitzenverbands. Das gelte nicht nur mit Blick auf die Forderung nach einer neutralen Beratung, sondern auch für Punkte wie bessere Erreichbarkeit, erleichterter Zugang, fachlich fundierte sowie verständliche Informationsweitergabe und Qualitätssicherung.

 

In der neuen Förderphase will die Bundesregierung den bisherigen Beratungsumfang verbessern. Dazu hatte sie das Fördervolumen von bislang gut 5 Millionen Euro jährlich auf nun 9 Millionen Euro erhöht. Insgesamt stehen der neuen UPD für die gesamte Laufzeit damit 63 Millionen Euro aus Beitragsmitteln der Gesetzlichen Krankenversicherung zur Verfügung.

 

Insgesamt soll die neue UPD länger und besser erreichbar sein. Die Zahl der Beratungskontakte soll von jetzt rund 80 000 im Jahr auf mehr als 200 000 deutlich erhöht werden. Auch die persönliche Beratung vor Ort soll von bislang bundesweit 21 Beratungsstellen auf mindestens 30 Standorte ausgedehnt werden. Zusätzlich sollen drei UPD-Mobile Beratungen anbieten, über deren Standorte jeweils die Lokalpresse informiert. Darüber hinaus soll künftig auch online eine Beratung per Videochat möglich sein.

 

Trotz dieser deutlichen Service­offensive fürchten Kritiker einen Interessenkonflikt des Anbieters, der Patienten künftig auch bei Auseinandersetzungen mit Krankenkassen beraten soll, da Sanvartis in der Vergangenheit Callcenter-Dienstleistungen für einzelne Krankenkassen angeboten hatte. Nach Bekanntgabe der Vergabe an das Privatunternehmen erklärten deshalb am Montag zwei Mitglieder des beim Patientenbeauftragten angesiedelten wissenschaftlichen Beirats der UPD ihren sofortigen Austritt aus dem Gremium. Sie sehen die Unabhängigkeit der neuen UPD nicht mehr gewährleistet.

 

Neutraler Beobachter

 

Zu Unrecht wie sowohl Laumann als auch Kiefer erklärten. Demnach soll künftig ein neutraler Beobachter die Unabhängigkeit der neuen UPD überwachen. Dieser wird vom wissenschaftlichen Beirat der UPD gewählt und ist auch nur dem Beirat verpflichtet. Auch soll Sanvartis für die neue UPD eine gemeinnützige Gesellschaft gründen. Des Weiteren werde die Unabhängigkeit der Beratung während des gesamten Förderzeitraums regelmäßig wissenschaftlich evaluiert, heißt es. Bei Nichteinhaltung drohen demnach Sanktionen bis hin zur Vertragskündigung. /

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