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Patientenberatung

Linke bemängeln lange Wartezeiten

23.08.2017
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Von Stephanie Schersch / Die Kritik an der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland (UPD) reißt nicht ab. Wer Rat sucht, müsse lange warten, bis er auf einen kompetenten Ansprechpartner trifft, bemängelt die Linkspartei. Die Bundesregierung sieht das ganz anders.

Rund 1,5 Jahre ist es nun her, dass mit dem Dienstleister Sanvartis erstmals ein privates Unternehmen den Betrieb der UPD übernahm. Damals wie heute wird dieser Schritt unter anderem von den Linken scharf kritisiert. Auch eine erste Leistungsbilanz der neuen Patientenberatung überzeugt die Partei nicht – im Gegenteil. »Die von der Bundesregierung immer behauptete schnellere Erreichbarkeit bei der neuen UPD ist ein Märchen«, sagte Linken-Gesundheitsexpertin Kathrin Vogler. Zwar müssten Patienten tatsächlich nicht mehr so lange in der Warteschleife hängen wir früher. Doch leider erreichten sie meist nur jemanden im Callcenter, der keine kompetente Beratung bieten könne. »Auf den Rückruf eines Fachberaters müssen sie dann oft sehr lange warten.«

Regierung ist zufrieden

 

Die UPD gibt es seit 2011, das Beratungsangebot hatte zunächst eine Gemeinschaft aus Sozialverbänden und Verbraucherzentralen übernommen. 2016 war die Trägerschaft an eine Tochtergesellschaft von Sanvartis übergegangen. Kritiker sahen damit die Unabhängigkeit der Patientenberatung in Gefahr, da Sanvartis ausgerechnet für Krankenkassen Callcenter betreibt.

 

Die Bundesregierung ist mit der Leistung des neuen Betreibers dennoch sehr zufrieden. Seit 2016 habe die UPD »eine ausgesprochen positive Entwicklung durchlaufen«, schreibt sie in ihrer Antwort auf eine Kleine Anfrage der Linken. Im Schnitt benötigten Patienten weniger als 1,1 Anrufversuche, bis ein Kontakt zustande komme. Vor dem Betreiberwechsel seien 3,3 Anläufe nötig gewesen.

 

Auch den Vorwurf, den Beratern fehle die nötige Fachkompetenz zur Beantwortung der Fragen weist die Regierung zurück. Zwar gebe es weniger Mitarbeiter mit akademischer Ausbildung als bei der alten UPD. Viele Fragen erforderten jedoch kein Gespräch mit einem Arzt oder Fachanwalt, sondern könnten ebenso gut von anderen Berufsgruppen mit Bezug zum Gesundheitswesen wie Pflegekräften qualifiziert beantwortet werden, heißt es.

 

In vielen anderen Punkten möchte sich die Bundesregierung nicht konkret positionieren. Die Linken verweisen in ihrer Anfrage auf Leistungsdaten der neuen UPD, die im sogenannten Patientenmonitor 2016 zusammengefasst sind und vergleichen diese mit Zahlen der alten UPD. Demnach ist etwa die Zahl der persönlichen Beratungsgespräche deutlich gesunken – von 11 295 im Jahr 2015 auf nur noch rund 3660 im vergangenen Jahr.

 

Die Bundesregierung hält den Vergleich für unsauber, schließlich habe man dem neuen Betreiber einen Übergangszeitraum von sechs Monaten eingeräumt, um den Beratungsbetrieb zunächst schrittweise aufzubauen, schreibt sie. In der Regel erfolge ein persönliches Gespräch nach einer telefonischen oder schriftlichen Erstberatung und nach vorheriger Terminvereinbarung. Allein im ersten Halbjahr 2017 sei die Zahl der Vor-Ort-Gespräche mit 4854 Beratungen bereits deutlich gestiegen.

 

Mehr Transparenz

 

Vogler hält dennoch an ihrer Kritik fest. »Die Sanvartis-UPD hat es auch nach 1,5 Jahren nicht geschafft, sich vor Ort zu verankern«, sagte sie. Insgesamt seien zu wenige Planstellen vorgesehen, um die Beratungsstellen ausreichend besetzen zu können. Zudem fordert die Linke mehr Transparenz darüber, welche Mittel aus dem UPD-Haushalt letztlich an Sanvartis fließen. /

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