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Patientenberatung

Bundesregierung lobt Sanvartis

31.05.2017
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Von Stephanie Schersch / Anfang 2016 hatte der private Anbieter Sanvartis die Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD) übernommen – begleitet von massiver Kritik. Die Bundesregierung ist zufrieden mit dem neuen Träger und zieht eine positive Zwischenbilanz.

In den ersten 16 Monaten nach Antritt der neuen Leitung sei die Anzahl der Beratungen durch die UPD gestiegen, schreibt die Regierung in ihrer Antwort auf eine Kleine Anfrage der Grünen-Bundestagsfraktion. Zudem seien die Anlaufstellen leichter zu erreichen als früher. Im Schnitt hätten Patienten weniger als 1,1 Anrufversuche gebraucht, um mit der UPD in Kontakt zu treten. Unter Leitung der alten Betreiber waren demnach zuletzt 3,3 Anrufe erforderlich gewesen.

Seit 2011 sind die Krankenkassen gesetzlich verpflichtet, eine unabhängige Patientenberatung anzubieten. Zunächst hatte jahrelang eine Gemeinschaft aus sozialen Verbänden und Verbraucherzentralen die Beratungen angeboten. Im Januar 2016 hatte dann eine Tochtergesellschaft der Duisburger Firma Sanvartis die Trägerschaft übernommen. Der Vorgang war heftig umstritten, da Sanvartis in Deutschland ausgerechnet Callcenter für Krankenkassen betreibt. Kritiker warnten vor einem Interessenkonflikt und sahen die Unabhängigkeit der Patientenberatung in Gefahr.

 

Die Bundesregierung kann keine Einflussnahme erkennen. Die UPD werde seit September 2016 von einer Auditorin kontrolliert. »Verstöße gegen Neutralität und Unabhängigkeit wurden von ihr nicht festgestellt«, heißt es in dem Antwortschreiben. In 30 Städten betreibt die UPD demnach Beratungsstellen, in weiteren 100 Städten machen spezielle Beratungsmobile halt, in denen sich die Patienten vor Ort informieren könnten.

 

Die allermeisten Anfragen erreichten die UPD 2016 jedoch telefonisch (90,1 Prozent), lediglich 2 Prozent der Beratungen erfolgten im persönlichen Gespräch in einer Beratungsstelle oder in einem der UPD-Mobile (1,7 Prozent). Weitere Anfragen erfolgten online (3,9 Prozent) oder auf dem Postweg (2,3 Prozent). Dabei beschäftigten die Patienten der Regierung zufolge meist rechtliche Fragen (72,5 Prozent), gefolgt von medizinischen und psychosozialen (17,4 Prozent) sowie allgemeinen Anliegen (6,2 Prozent).

 

Grünen-Gesundheitsexpertin Maria Klein-Schmeink sieht die UPD weiterhin kritisch. »Obwohl bedeutend mehr Mittel in die neue UPD fließen, ist die Anzahl der Beratungen vor Ort um 80 Prozent zurückgegangen«, sagte sie. Ein Callcenter könne vielleicht vordergründige Gesundheitsinformationen abdecken, »nicht aber komplexe Probleme der Leistungsgewährung oder bei Verdacht auf Behandlungsfehler lösen«. /

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