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Apothekertagseröffnung

»Der freiberufliche Weg ist der beste«

24.09.2013  18:43 Uhr

Das Vertrauen des Patienten ist die Basis für die Arbeit des Apothekers. ABDA-Präsident Friedemann Schmidt warb dafür, den freiberuflichen Weg konsequent weiterzugehen. »Das ist keine Sackgasse, das ist der beste Weg für unsere Patienten und für uns.«

Laut Statistik kommt es jedes Jahr zu fast 100 Milliarden einzelnen Arzneimitteleinnahmen in Deutschland. »Dies bedeutet 100 Milliarden Vertrauensbeweise für uns Apothekerinnen und Apotheker«, sagte Schmidt bei der Eröffnung. Das Vertrauen der Patienten sei die Voraussetzung für die Arbeit der Apotheker.

 

Behandlung individuell abstimmen

 

Als größte Herausforderung für die Gesellschaft beschrieb der ABDA-Präsident die demografischen Veränderungen. Es sei unerlässlich, alte Menschen als gleichberechtigte Partner und freie Menschen zu begleiten und sie nicht »im schlechten Sinn des Wortes zu betreuen«. Für viele chronisch Kranke sei die Arzneimitteltherapie die zentrale Therapieform – und Arzt und Apotheker die wichtigsten Partner in ihrer manchmal jahrzehntelangen Krankengeschichte. Es gelte, die Behandlung auf die individuellen Wünsche und Prioritäten abzustimmen, so Schmidt.

Der ABDA-Präsident wies zugleich auf die Verantwortung von Gesellschaft und Politik hin, geeignete Rahmenbedingungen für freiberufliches Handeln zu schaffen. Das Gesundheitswesen sei heute jedoch massiv dominiert von den Interessen der Krankenversicherung. Die neue Bundesregierung müsse für einen angemessenen Ausgleich zwischen dem Interesse der Versicherten an niedrigen Beiträgen und den Interessen der Patienten sorgen. Es könne nicht das Ziel verantwortungsbewusster Gesundheitspolitik sein, die Grundversorgung für viele immer weiter zu vereinfachen, um weiterhin Spitzenmedizin für wenige finanzieren zu wollen. »Beide Versorgungsziele können erreicht werden, gerade wenn man Milliarden auf der hohen Kante liegen hat«, sagte Schmidt unter Beifall und erteilte Einheitsversorgung und Einheitsversicherung eine klare Absage.

 

Die kleinteilige, bürger- und wohnortnahe Struktur des Gesundheitswesens hält er für die beste Voraussetzung für eine gute Versorgung der Bürger. Eine individuelle Arzneimittelversorgung und Betreuung älterer Patienten sei nur mit und aus der nächstgelegenen Apotheke heraus möglich. »Die Apotheker in eigenverantwortlich geleiteten Apotheken geben die bedarfsgerechte Antwort auf die Herausforderungen der Demografie und der Landflucht – und zwar vor Ort.« Dieser Antwort könnten die Menschen vertrauen.

 

Nein zum Apothekenbus, nein zu Videoapotheken

 

Schmidt rief die Politiker dazu auf, die im Apothekengesetz und in der Apothekenbetriebsordnung umfassend angelegten Möglichkeiten zu nutzen, um das bestehende System zu stärken und einer ökonomischen Erosion durch »Pseudoversorger« entgegenzuwirken. Videoapotheken oder Apothekenbussen erteilte er eine klare Absage. Trotz des »äußerst bedauerlichen Rückgangs« der Apothekenzahlen gebe es nirgends in Deutschland einen pharmazeutischen Notstand. Alte, immobile und einsame Menschen bräuchten keine rollende Rezeptsammelstelle und keine »Art Pillen-Peepshow aus der Videobox«, sondern Fachleute, die ihnen persönlich und individuell helfen. »Der Apothekenbus ist die Antwort auf eine Frage, die niemand gestellt hat, und die auch nicht gestellt werden muss.« Der Bus werde ausschließlich von wirtschaftlichem Partikularinteresse angetrieben.

 

Zwingende Voraussetzung für fachliche Unabhängigkeit sei die wirtschaftliche Unabhängigkeit, betonte Schmidt. »Das erfordert ein modernes und differenziertes freiberufliches Vergütungssystem.« Wer apothekerliche Honorare pauschal und undifferenziert kürzt – wie in den AMNOG-Jahren 2011 und 2012 – senke nicht Aktiendividenden und Vorstandsprämien, sondern greife Löhne und Gehälter von Menschen an, ruiniere Existenzen und zerstöre Zukunftsperspektiven junger Menschen. Dies müsse noch deutlicher dargestellt werden. Schmidt würdigte aber auch die Stabilisierung der wirtschaftlichen Verhältnisse in den Apotheken in den letzten Monaten. Die Notdienstpauschale sehe er als Einstieg in eine neue Vergütungsstruktur für den Freiberufler Apotheker.

 

Wir greifen an

 

Nachdrücklich rief Schmidt den Berufsstand dazu auf, in eine Debatte mit Politik und Gesellschaft einzutreten zu der Frage, welche Funktionen Apotheker in der öffentlichen Apo­theke ausbauen oder neu übernehmen sollen. Eine öffentliche Debatte, die ebenso unverzichtbar sei wie eine innerprofessionelle Auseinandersetzung, schaffe bewusst eine Erwartungs­haltung in der Gesellschaft und zwinge den Berufsstand, eigene Antworten zu geben. »Wir ziehen uns nicht zurück, wir greifen an. Wir wollen handeln und nicht behandelt werden!«

 

Der Präsident setzte in seiner Rede voll auf die freiberufliche, eigenverantwortlich geführte Apotheke. »Der freiberufliche Weg ist keine Einbahnstraße und keine Sackgasse.« Er sei der einzig richtige Weg – auch wenn er viel Mut erfordert. Schmidt erwartet davon auch eine Überwindung der Fremdbestimmung, mehr fachliche Autonomie, wirkliche Gleichberechtigung mit den Ärzten und eine stärkere Position gegenüber Krankenkassen und Politik. »Der freiberufliche Weg ist der beste Weg für unsere Patienten und für uns.« /

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