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Interview Friedemann Schmidt

»Der Fachkräftemangel betrifft alle Freien Berufe«

Ex-ABDA-Präsident Friedemann Schmidt ist seit rund zwei Monaten Präsident des Bundesverbandes der Freien Berufe (BFB) – ein Verband, der unter anderem die Interessen von Apothekern und Ärzten vereint. Im PZ-Interview erklärt er, welche Aufgaben der BFB hat und warum der Fachkräftemangel allen freien Berufen Probleme bereitet. Zudem verrät er, dass er im derzeit schwelenden Impf-Konflikt nicht als Mediator auftreten wird.
Benjamin Rohrer
06.12.2021  09:00 Uhr

PZ: Herr Schmidt, unter dem Dach des BFB werden die Interessen vieler freien Berufe vereint. Gerade mit Blick auf die derzeitige gesundheitspolitische Diskussionslage fällt es schwer, überhaupt gemeinsame Handlungsbereiche dieser Berufsgruppen zu erkennen. Welche Themenfelder können und dürfen Sie bespielen?

Schmidt: Der BFB vertritt die gemeinsamen, übergreifenden Interessen der Freien Berufe, sei es beispielsweise der Schutz der Verschwiegenheit oder eines Qualitätswettbewerbs. Weitere Beispiele dafür sind Ausbildungsfragen, der Fachkräftemangel oder berufsregulatorische Fragen, die alle Freiberufler betreffen. Es gibt aber auch aktuelle Themen, wie beispielsweise die Passgenauigkeit der Corona-Hilfen, die der BFB anspricht. Zudem verstehe ich den BFB insbesondere wie ein Hub, also eine Denkfabrik, die der Politik sowie den Mitgliedern als Informations- und Service-Organisation zur Verfügung steht. Wir positionieren uns regelmäßig zu Themen, zu denen ein innerverbandlicher Konsens besteht. Zu konfliktären Themen äußert sich der BFB nicht. Auch in die fachlichen Bereiche der Mitglieder mischen wir uns nicht ein. So steht der BFB selbst insbesondere mit dem Bundeskanzleramt, dem Bundeswirtschaftsministerium und dem Bundesbildungsministerium in Kontakt, weil es in diesen Häusern oft um übergeordnete Themen der Freiberuflichkeit geht.

PZ: Gibt es gerade in Zeiten, in denen unterschiedliche Positionen der Mitglieder zu Tage treten, eine gute Arbeitsatmosphäre im Verband?

Schmidt: Ja, definitiv. Es liegt in der Natur der Sache, dass der BFB viel heterogener aufgestellt ist als etwa spezialisierte Fachverbände. Schließlich vertreten wir das breite Spektrum verkammerter und nicht verkammerter Freier Berufe und deren identitätsstiftenden Positionen. Oft finden wir in kniffeligen Fragen eine gemeinsame Linie. So müssen beispielsweise beim Einsatz von Fremdkapital das Gemeinwohlinteresse, der Verbraucherschutz, das hohe Qualitätsniveau und die freiberufliche Unabhängigkeit gewährleistet bleiben. Das haben wir in unseren Positionen zur Bundestagswahl so festgehalten.

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