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Linda

Rolle rückwärts bei Rx-Boni

25.09.2012  18:19 Uhr

Von Daniel Rücker / Die Apothekenkooperation Linda hat ihre Freude an Rx-Boni verloren. Nachdem sie im Juli ihr Pick-up-Modell »Vorteil 24« eingestellt hat, fordert sie nun in einem Schreiben an die Apothekerkammern, sich stärker als bislang um ausländische Versandapotheken zu kümmern.

Hintergrund ist die Ankündigung der Versandapotheke DocMorris, sich über das Rabattverbot für Rx-Arzneimittel hinwegzusetzen. In der Vergangenheit hätten sich die Kammern zwar intensiv um die Verstöße ihrer eigenen Mitglieder gekümmert, aber nichts gegen die Versender unternommen, behauptet Linda. Voraussichtlich Anfang Oktober tritt die Novelle des Arzneimittelgesetzes in Kraft, mit der ausländische Versender an die deutschen Preisvorschriften gebunden werden.

 

Linda-Apotheken hatten in den vergangenen Jahren selbst über »Vorteil 24« juristisch zweifelhafte Rabatte für Rx-Arzneimittel gewährt, dieses Konzept mit Blick auf die nun anstehende Gesetzesänderung jedoch eingestellt. Bis dahin hatte Linda jedoch ihr Pick-up-Konzept mit allen Mitteln verteidigt, obwohl Apothekerkammern und die Apothekenaufsicht in mehreren Bundesländern Bedenken dagegen hatten.

 

Der Präsident der Apothekerkammer Nordrhein, Lutz Engelen, ist über den Brief des Linda-Vorstands extrem verärgert. »Die Argumentation der Apothekenkooperation Linda ist schon mehr als überraschend«, sagte Engelen der Pharmazeutischen Zeitung. Er hält die Vorwürfe für abenteuerlich. Die Kammer Nordrhein habe bereits im August 2004, unmittelbar nach der Eröffnung der ersten Pick-up-Stelle in einer Düsseldorfer dm-Filiale, das Düsseldorfer Gesundheitsamt eingeschaltet. Das daraus resultierende Verfahren sei bis zum Bundesverwaltungsgericht gegangen.

 

Zudem habe Linda selbst lange Zeit für eine juristische Absegnung von Rx-Boni in deutschen Apotheken gestritten. Damit sei man juristisch gescheitert. Nun versuche man, diese Niederlage als strategischen Rückzug zu verkaufen, weil Boni auf rezeptpflichtige Arzneimittel generell verboten werden. /

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