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FDA verbietet antibakterielle Seifen

07.09.2016  09:06 Uhr

Von Kerstin A. Gräfe / Antibakterielle Seifen, die vermeintlich zur Vorbeugung von Infektionen dienen, dürfen in den USA demnächst nicht mehr verkauft werden.

Laut der US-amerikanischen Arzneimittelbehörde FDA sei nicht bewiesen, dass sie besser vor der Ausbreitung von Krankheiten schützen als Wasser und herkömmliche Seife. Die Hersteller haben nun ein Jahr Zeit, die Zusammensetzung zu ändern oder das Produkt vom Markt zu nehmen.

 

Hintergrund ist eine Sicherheitsüberprüfung der FDA aus dem Jahr 2013. Im Fokus standen vor allem die häufig eingesetzten Inhaltsstoffe Triclosan oder Triclocarban, denen hormonartige Effekte und leberschädigende Wirkungen sowie ein vermehrtes Auftreten von Antibiotikaresistenzen zugeschrieben werden. Die Hersteller waren aufgefordert, Wirksamkeitsbelege und neue Daten zur Sicherheit zu generieren. Beide Beweise blieben sie laut FDA bislang schuldig: Es gebe keine Evidenz, dass antibakterielle Seifen besser vor Krankheiten und der Ausbreitung bestimmter Infektionen schützten als Wasser und herkömmliche Seife.

 

Auf der Verbotsliste stehen insgesamt 19 antibakterielle Wirkstoffe, darunter auch Triclosan oder Triclocarban. Ausgenommen sind sogenannte »Sanitizer«, also Gele die ohne Wasser angewendet werden, und Desinfektions­tücher. Auch für antibakterielle Mittel, die im medizinischen Bereich verwendet werden, gelten die neuen Regeln nicht. Eine Schonfrist haben Antiseptika mit den Inhaltsstoffen Benzalkoniumchlorid, Benzethoniumchlorid oder Chlorxylenol bekommen. Die jeweiligen Hersteller haben noch ein Jahr Zeit, der FDA Daten zur Sicherheit und Wirksamkeit vorzulegen.

 

Triclosan darf in Deutschland zum Beispiel in Zahnpasten, Handseifen und Duschgels in Konzentrationen von bis zu 0,3 Prozent enthalten sein. Kosmetische Produkte, die großflächig angewendet werden, dürfen seit Juli 2015 kein Tri­closan mehr enthalten. /

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