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Versorgung in Venezuela

Alarmstufe Rot

07.09.2016
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Von Jennifer Evans / In Venezuela herrscht massiver Arzneimittelmangel. Wie der Apothekerverband Federación Farmacéutica de Venezuela (Fefarven) kürzlich mitteilte, fehlen im Land 85 Prozent der ­benötigten Medikamente.

Besonders betroffen sind dem Fefarven zufolge Patienten mit Erkrankungen wie Diabetes mellitus, Krebs, Bluthochdruck, Morbus Parkinson und Herz-Kreislauf-Problemen. Zudem fehle es an Analgetika und Antibiotika. Selbst das venezolanische Gesundheitsministerium hat zugegeben, dass es das Ziel des vergangenen Jahres, 20 Millionen Arzneimittelpackungen herzustellen, nicht erreicht habe.

 

Gerade mal 715 000 waren es, wie die »Frankfurter Rundschau« berichtete. Demnach belegen auch aktuelle Ministeriumsstatistiken aus Venezuela den katastrophalen Zustand des Gesundheitssystems: 2015 gab es durchschnittlich 21 000 ambulante Behandlungen pro Tag, 2014 waren es noch mehr als doppelt so viele. Die tägliche Anzahl chirurgischer Eingriffe in öffentlichen Krankenhäusern (1261 im Jahr 2013) hat sich mit 694 Eingriffen in den vergangenen drei Jahren nahezu halbiert. Zudem starben 2015 von 100 aus den Kliniken entlassenen Patienten 31, zwei Jahre zuvor waren es lediglich 5.

 

»Das öffentliche Gesundheitssystem in Venezuela ist nicht mehr in der Lage, Kranke adäquat zu versorgen oder notwendige Operationen durchzuführen«, warnt das Auswärtige Amt (AA) seit Mitte August. Ebenso sei die medizinische Notfallversorgung in vielen Landesteilen nicht gewährleistet. »Dies betrifft in zunehmendem Maße auch die Städte«, so das AA. Viele Medikamente und Medizinprodukte seien auch im privaten Sektor nicht mehr oder nur noch sehr eingeschränkt erhältlich. Der überteuerte Schwarzmarkt ist für Kranke im Augenblick die einzige Chance, an Arzneimittel zu kommen – zumal die Regierung helfende Medikamentenlieferungen aus dem Ausland derzeit untersagt. /

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