Pharmazeutische Zeitung online
AOK

Ärzte sollen mehr arbeiten

06.09.2011
Datenschutz bei der PZ

Von Stephanie Schersch / Die AOK teilt wieder einmal mächtig aus. Nach den Apothekern sind jetzt die Ärzte an der Reihe. Die Mediziner arbeiten zu wenig für das Geld der Versicherten, kritisiert der Krankenkasse. Nach Auffassung der AOK sind häufig die Ärzte schuld an zu langen Wartezeiten für gesetzliche Versicherte. Die Mediziner widmen ihren Kassenpatienten demnach schlichtweg zu wenig Zeit.

Eine von der AOK in Auftrag gegebene Umfrage ergab, dass Hausärzte 47 Stunden in der Woche für gesetzliche versicherte Patienten da sind, bei den Fachärzten sind es nur 39 Stunden. Mit den Krankenkassen vereinbart seien jedoch 51 Wochenstunden, die von den Kassen auch bezahlt worden seien, heißt es bei der AOK. »Damit beträgt die Minderleistung vieler Fachärzte 23 Prozent« sagte der designierte AOK-Vorstandsvorsitzende, Jürgen Graalmann, bei einem Presseseminar in Joachimsthal bei Berlin.

Das Minus von 8 Prozent bei den Hausärzten bewege sich zwar »noch im Toleranzbereich«. Die Kassenärztlichen Vereinigungen müssten aber dafür sorgen, dass die Vertragsärzte die vereinbarten Arbeitsstunden vollständig erbringen, so Graalmann. Gelänge dies, »könnte die ambulante Versorgung ohne zusätzliche Kosten für die Beitragszahler verbessert werden«.

 

Den Wert der nicht erbrachten, aber von den Versicherten gezahlten Leistungen beziffert die AOK bei den Fachärzten auf rund 3,1 Milliarden Euro. In der hausärztlichen Versorgung beträgt der Wert demnach circa 900 Millionen Euro.

 

Die Ärzte wehren sich gegen die Vorwürfe der Krankenkasse. Die Behauptung, Ärzte würden zu wenig arbeiten, sei eine Unverschämtheit, sagte der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Dr. Andreas Köhler. Graalmann missachte den Einsatz und das Engagement der Vertragsätze, die trotz Unterfinanzierung für ihre Patienten da seien, so Köhler. Zudem seien die Ärzte nur verpflichtet, mindestens 20 Sprechstunden in der Woche anzubieten, dies hätten auch die Krankenkassen so unterschrieben.

 

Billige Polemik

 

Dr. Frank Ulrich Montgomery, Präsident der Bundesärztekammer, warf Graalmann »billige Polemik« vor. »Wenn Patienten lange auf Termine warten müssen, dann liegt das daran, dass die Ärzte mit ihrer Arbeit voll ausgelastet sind«, sagte er. Zu den Sprechzeiten der Mediziner kämen Hausbesuche, Bereitschaftsdienste und viel Zeit für Bürokratie. /

Mehr von Avoxa