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Stada

Und der Gewinner ist …?

31.08.2016
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Von Daniel Rücker, Frankfurt am Main / Ein abgewählter Aufsichtsratsvorsitzender, ein von den Aktionären gekipptes Vergütungsmodell, gegenseitige Verdächtigungen zwischen Vorstand und einem Investor. An die Stada-Hauptversammlung 2016 werden sich die Aktionäre noch lange erinnern.

Es war ein Showdown mit Ankündigung. Seit Frühjahr ringt der aktivistische Investor Active Ownership Capital (AOC) mit dem Stada-Vorstand über die Strategie beim Bad Vilbeler Arzneimittelhersteller. Stada vermutete, AOC wolle das Unternehmen zerschlagen. AOC wies dies aber zurück. Man wolle nur das Potenzial von Stada besser ausschöpfen, sagte AOC-Chef Florian Schuhbauer auf der Hauptversammlung. Vor allem der Aufsichtsratsvorsitzende Martin Abend war bemüht, Zweifel an der Seriosität des Investors zu streuen, was mit Unterstützung anderer Redner auch weitgehend gelang. Bei Aktionären und Aktionärsschützern herrscht erhebliches Misstrauen gegenüber AOC.

Aber auch Abend bekam heftigen Gegenwind und das nicht nur von AOC. Abend wurde vorgeworfen, bei Stada »Gehaltsexzesse und Vetternwirtschaft« nicht in den Griff bekommen zu haben. Im Mittelpunkt standen dabei die exorbitanten Pensionsbezüge für den aus dem Unternehmen ausgeschiedenen ehemaligen Vorstandsvorsitzenden Hartmut Retzlaff. Diese sollen sich auf mehr als 30 Millionen Euro summiert haben. Ein zweiter Nackenschlag für Abend war die mit 75 Prozent der Stimmen deutliche Ablehnung des neuen Gehaltssystems für den Vorstand. Und bei der anstehenden Aufsichtsratswahl bekam Abend die Quittung: Mit 56 Prozent der abgegebenen Stimmen wurde der bisherige Aufsichtsratsvorsitzende abgewählt.

 

Kritik gab es auch von Aktionärsschützern, die sich insgesamt zwar leicht positiv über das erste Halbjahr 2016 äußerten, gleichzeitig aber die Dividendenausschüttung von Stada kritisierten. Die Ausschüttungsquote sei mit 39 Prozent des ausgewiesenen Konzerngewinns relativ niedrig. Man müsse den aktivistischen Aktionären dankbar sein, sagte Peter Barth, Vertreter der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW): »Stada ist aus seinem Dornröschenschlaf wachgerüttelt worden, nicht wachgeküsst.« Der Aktionärsschützer verlangte andererseits von AOC als Großaktionär die Offenlegung der eigenen Interessen. Die Gesellschaft trete als »selbst ernannter weißer Ritter mit geschlossenem Visier« auf, sodass nicht einmal ausgeschlossen werden könne, dass dahinter ein Konkurrent stehe.

 

Gemeint ist damit Novartis. Alle von AOC für den Aufsichtsrat benannten Gegenkandidaten haben Beziehungen zum Schweizer Pharmariesen, seiner Tochter Hexal oder den früheren Hexal-Besitzern Thomas und Andreas Strüngmann. Die beiden wurden in den vergangenen Wochen verdächtigt, an dem Angriff auf Stada beteiligt zu sein, dementierten dies aber.

 

Nicht zufrieden

 

Die heftigste Kritik an Stada kam aber von AOC. Der Investor bezeichnete die wirtschaftliche Entwicklung des Unternehmens als nicht zufriedenstellend. Mindestens 100 Millionen Euro an Effizienzreserven könnten pro Jahr realisiert werden. Der Investor, der rund 7 Prozent der Stada-Aktien kontrolliert, forderte einen kompletten Austausch des Aufsichtsrats. Mit vier Gegenkandidaten zu den vier vom Unternehmen bestellten Aufsichtsräten will AOC das Gremium und den Vorstand austauschen.

 

In dieser wichtigsten Abstimmung um die Kontrolle bei Stada konnte sich AOC nicht durchsetzen. Von den vier AOC-Kandidaten schaffte es nur Eric Cornut ins Gremium. Mit Birgit Kudlek, Tina Müller, Gunnar Riemann und Rolf Hoffmann bekam Stada alle Kandidaten in den Aufsichtsrat und stellte mit Carl Ferdinand Oetker auch den Aufsichtsratsvorsitzenden. Zu seinem Stellvertreter wählten die Aktionäre Jens Steegers.

 

AOC hat mit seinem Stada-Angriff vermutlich auch deshalb sein Ziel nicht erreicht, weil der Investor vielen Aktionären nicht ausreichend seriös erschien. Bis zum Schluss der Hauptversammlung blieben Zweifel daran, ob AOC Stada tatsächlich erhalten oder doch zerschlagen will. Zu viele Aktionäre kritisierten bei AOC mangelnde Transparenz. Nach 13 Stunden ­Hauptversammlung ist die Frage nach Gewinnern und Verlierern schwer zu beantworten. AOC kann die Abwahl von Abend als Erfolg verbuchen. Im Kampf um den Aufsichtsrat sind die Stada-Kandidaten die Gewinner. Das Vergütungssystem für den Vorstand ist durchgefallen. Mit Matthias Wiedenfels hat das Unternehmen einen neuen Vorstands-Chef, der Pluspunkte bei den Aktionären sammeln konnte. Er vermittelte glaubwürdig, dass mit ihm ein Neuanfang bei Stada möglich ist. Seine Pläne gaben den Aktionären Hoffnung auf ein stärkeres Wachstum in den kommenden Jahren. Zudem steht Wiedenfels für den Fortbestand von Stada als eigenständiges Unternehmen.

 

Wie es mit Stada weitergeht, das wird sich wohl nicht in den nächsten Tagen entscheiden. Vielleicht tut ein bisschen AOC dem Bad Vilbeler Unternehmen gar nicht schlecht. Auf der Hauptversammlung wünschten sich jedenfalls viele der Aktionäre frischen Wind für den Pharmakonzern. Zu viel AOC wäre aber auch ­riskant. /

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