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Bieterrennen

Stada pokert

08.03.2017
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Von Ev Tebroke / Während die Übernahmegespräche mit Finanzinvestoren laufen, stellt Stada seinen Aktionären eine höhere Dividende in Aussicht. Dadurch steigt auch der mögliche Verkaufspreis des Unternehmens. Die vorläufige Konzern-Bilanz für 2016 zeigt einen leichten Umsatzanstieg. Insgesamt verdiente der Generikahersteller aber 16 Prozent weniger als im Vorjahr.

Den vorläufigen Kennzahlen vom 1. März zufolge reduzierte sich der Gewinn von 110,4 Millionen Euro im Jahr 2015 auf nun 92,9 Millionen Euro. Dessen ungeachtet will der Stada-Vorstand aber seinen Aktionären für 2016 pro Aktie 2 Cent mehr ausschütten, die Dividende erhöht sich somit auf 72 Cent je Anteil. Das treibt auch den potenziellen Verkaufspreis in die Höhe.

Ursprüng­lich hatte der US-Finanzinvestor Advent 58 Euro pro Aktie zahlen wollen plus die Ausschüttungssumme für 2016, was einem Kaufpreis von rund 3,6 Milliarden Euro entsprochen hätte. Stada hatte die befristete Offerte allerdings nicht angenommen. Stattdessen setzt das Unternehmen nun auf ein Bieterrennen. Neben Advent und dem britischen Investor Cinven hat noch eine weitere Bietergesellschaft Interesse angemeldet an einer Übernahme angemeldet. Dabei soll es sich nach Angaben des »Manager Magazin« um Bain Capital handeln.

 

Großaktionär macht Druck

 

Schon länger gab es Gerüchte über eine mögliche Stada-Übernahme. Der Arzneimittelkonzern mit Sitz im hessischen Bad Vilbel ist der letzte noch unabhängige große Generika-Hersteller Deutschlands. Zuletzt hatte sich im Frühjahr 2016 mit Active Ownership Capital (AOC) ein aktivistischer Großaktionär bei Stada eingekauft. Dieser hatte den Umbau des Aufsichtsrats vorangetrieben und Verbesserungen des Geschäftsmodells gefordert. Es schien also nur eine Frage der Zeit bis der Run auf Stada offiziell eröffnet würde. Zuletzt hatte AOC auf einen maximalen Verkaufspreis gepocht. Der Aufsichtsrat um Chef Carl Ferdinand Oetker müsse gewährleisten, dass den Aktionären das höchste Gebot vorgelegt werde, so der Großaktionär laut Nachrichtenagentur dpa.

 

Am Sonntag, den 26. Februar 2017, hatte Stada die bislang internen Verhandlungen mit den Investoren in einen Bieterprozess überführt, der auch weiteren Bietern offensteht. Die Interessenten haben seither die Möglichkeit, Einsicht in die Bücher zu nehmen.

 

Einen kleinen Einblick in die Bilanzen gibt das Unternehmen nun selbst mit der Veröffentlichung der vorläufigen Geschäftszahlen für 2016. Demnach weist Stada zwar für das vergangene Jahr einen Umsatzanstieg um 2 Prozent auf rund 2,15 Milliarden Euro (2015: 2,12 Milliarden) aus, der um Währungs- und Portfolioeffekte bereinigte Umsatz fiel sogar um 4 Prozent höher aus als 2015. Der operative Gewinn sank jedoch um 2 Prozent auf 369 Millionen Euro (2015: 377 Millionen). Ursache sind Wertberichtigungen unter anderem wegen der Einstellung des Brasilien-Geschäfts und dem Rückzug aus Ägypten, sowie negative Währungseffekte. Unterm Strich fiel der Konzerngewinn um 16 Prozent niedriger aus als noch 2015.

 

Anstieg bei Generika

 

Besser sah es hingegen im Segment Generika aus. Hier konnte Stada einen operativen Gewinnanstieg von 12 Prozent auf 261,7 Millionen Euro verbuchen (2015: 233,2 Millionen). Der Umsatz stieg um 2 Prozent auf 1,29 Milliarden Euro (2015: 1,26 Milliarden). Der Bereich Generika hat 60 Prozent Anteil am Konzernumsatz, die anderen 40 Prozent entfallen auf das Segment Markenprodukte. Dort sah es nicht so gut aus: Der operative Gewinn fiel um 11 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 188 Millionen Euro (2015: 211,8 Millionen). Der Umsatz stieg jedoch um 1 Prozent auf 861,6 Millionen Euro (2015: 853,6 Millionen).

 

Für 2017 erwartet der Stada-Vorstand einen bereinigten Umsatz von 2,28 bis 2,35 Milliarden Euro (2016: 2,18 Milliarden). Beim bereinigten Konzerngewinn peilt das Unternehmen zwischen 195 und 205 Millionen Euro an (2016: 194,3 Millionen). Die finalen vollständigen Bilanzzahlen will Stada am 23. März bekannt geben. /

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