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Ärzte gegen Krankenkassen

Streit um Honorare

27.08.2014  09:40 Uhr

Von Anna Hohle / In den Honorarverhandlungen zwischen Ärzten und Krankenkassen scheinen die Positionen denkbar weit von­einander entfernt. Die Kassen sprechen von horrenden Forderungen, die Ärzte fühlen sich falsch verstanden.

»Die Verhandlungen werden vermutlich noch etwas dauern« – mit diesen Worten verschickte der GKV-Spitzenverband in der vergangenen Woche eine Erklärung zum Start der Honorargespräche mit Vertretern der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV). Verhandelt wird das künftige Gehalt niedergelassener Ärzte und Psychotherapeuten und die Anspielung auf vermutlich langwierige Gespräche scheint nicht völlig abwegig. Schließlich gingen sich beide Seiten bereits nach dem ersten Verhandlungstag gegenseitig scharf an.

 

»Bei diesen horrenden Forderungen kann man nur ungläubig mit dem Kopf schütteln«, kommentierte der GKV-Spitzenverband die Vorschläge der Ärzte in einer Presseerklärung. Was die Mediziner wollten, seien nicht weniger als 15 Prozent mehr Honorar, also im Schnitt ein Plus von 38 000 Euro pro Jahr. Und das für eine Teilzeittätigkeit, schließlich widmeten Ärzte nur einen Teil ihrer Arbeit der Versorgung von Kassenpatienten. Vor diesem Hintergrund seien die Forderungen überzogen, zumal der durchschnittliche Überschuss eines Praxisinhabers laut Statis­tischem Bundesamt schon heute 166 000 Euro pro Jahr betrage.

 

Diese Sicht der Dinge wiesen die Ärzte umgehend zurück. Die Mitteilung der Kassen triefe vor Irreführungen, schrieb die KBV in einer eigenen Presseerklärung. Zunächst sei es falsch, die Summe von 166 000 Euro ins Feld zu führen. Denn in diese seien nicht nur Einkünfte durch die Behandlung von Kassenpatienten einberechnet, sondern auch Privateinnahmen.

 

Genauso wenig würde man das Plus von 38 000 Euro für eine Teilzeittätigkeit verlangen, so die KBV. Rein rechnerisch müsse jedoch ein niedergelassener Arzt, der 51 Stunden pro Woche Kassenpatienten betreut, auf dasselbe Gehalt kommen wie ein Oberarzt im Krankenhaus. »Arbeiten Ärzte weniger, reduziert sich diese Summe natürlich entsprechend«, so die KBV. In dieser Woche werden die Verhandlungen fortgesetzt – am Donnerstag treffen sich Ärzte- und Kassenvertreter zu wei­teren Gesprächen. /

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