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Streik?

28.08.2012  17:56 Uhr

Fluglotsen, Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes oder Drucker hätten schon längst gestreikt. Eine Honoraranpassung von 3 Prozent nach acht Jahren Stagnation ist ein indiskutables Angebot. Mit einer schlagkräftigten Gewerkschaft würden Angestellte einen Arbeitskampf organisieren, an dessen Ende hoffentlich ein besseres Angebot stünde. Also höchste Zeit für die Apotheker, jetzt zu streiken? Viele Apotheker fordern dies. Tatsächlich ist ein Streik ein wirkungsvolles Mittel, eigene Interessen durchzusetzen, wenn Verhandlungen gescheitert sind, man sich einig ist, was man will und weiß, wie man dies erreicht.

 

Doch hier beginnen die Probleme. Ein Streik hat nur Sinn, wenn bestimmte Kriterien erfüllt sind. Ganz vorne steht dabei die Einigkeit. Die große Mehrheit der Betroffenen muss mitmachen. In einem Unternehmen kann dies der Betriebsrat ziemlich einfach ermitteln.

 

Bei Apothekern ist dies deutlich komplizierter. Hier müssen Selbstständige streiken. Deren Streikbereitschaft lässt sich nur bedingt verbindlich eruieren. Ganz sicher ein untaugliches Instrument sind die derzeit kursierenden Umfrageaktionen im Internet. Auch wenn die Beteiligung daran mit rund 1000 Voten recht hoch ist, bleibt der Erkenntnisgewinn klein. Sind alle Teilnehmer tatsächlich Apotheker? Ist die Mehrfachabstimmung ausgeschlossen? Wenn 800 Apotheker für einen Streik stimmen, sind dies 80 Prozent der Umfrageteilnehmer oder 4 Prozent der Apotheker? Klar ist, dass es für einen Streik eine große Mehrheit geben muss. Nichts ist peinlicher, als ein Streik ohne Streikende. Besser ist es, wenn Apothekerverbände ihre Mitglieder systematisch befragen. Zwar entsteht auch dann keine Gewissheit, aber doch Erkenntnis auf einem Niveau deutlich oberhalb von Spekulation.

 

Sollte die Streikbereitschaft tatsächlich jenseits von seriös ermittelten 80 Prozent liegen, dann muss man ernsthaft über einen Streik nachdenken. Allerdings sollte man sich auch Gedanken machen, wie realistisch es ist, so eine Honorarerhöhung zu erreichen, wie sinnvoll es ist, die eigenen Patienten eine Zeit lang nicht oder nur eingeschränkt zu versorgen und ob am Ende die Streikfront nicht schnell bröckelt, wenn der Kolllege aus der Nachbarapotheke die Wünsche der Stammkundschaft des Streikenden erfüllen darf. Wie viele Apotheker diese Kriterien als erfüllt ansehen, weiß derzeit niemand. Wenn es mehr als 80 Prozent sind, wäre ein Streik das richtige Instrument.

 

Daniel Rücker

Chefredakteur

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