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Keine Binsenweisheit

24.08.2010
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Würden Sie es akzeptieren, wenn Sie jemand zwingt, Alkohol zu trinken? Wohl kaum. Welcher Nichtraucher würde es gutheißen, wenn sein Nachbar in einem kleinen Zimmer eine Zigarette nach der anderen qualmt? Wohl kaum einer. In der engsten Gemeinschaft der Welt, in der von werdender Mutter und ungeborenem Kind, ist das leider anders: Ungeborene können sich nicht wehren. Deshalb müssen wir für sie eintreten.

 

Schwangere und Stillende sollten auf Alkohol und Rauchen verzichten. Eine Binsenweisheit? Leider nicht: Zwar sind Schwangere in den letzten Jahren zunehmend gesundheitsbewusster geworden. Aber noch immer rauchen etwa sechs Prozent der schwangeren Frauen, besagen Daten aus Hessen. Babys von Raucherinnen haben ein niedrigeres Geburtsgewicht als die von Nichtraucherinnen. Außerdem kann Rauchen zu Früh- und Fehlgeburten führen. Trinkt die werdende Mutter Alkohol, kann das zu lebenslangen Schäden des Kindes führen.

 

Auf Alkohol oder Rauchen kann jeder komplett verzichten. Bei Medikamenten ist das anders. Sie sind oft auch während der Schwangerschaft unersetzlich, etwa wenn die Grunderkrankung der Mutter behandelt werden muss. Jeder kennt die Bilder von Contergan-Geschädigten – Arzneimittel können dem ungeborenen Leben schaden. Aber auch wenn eine Krankheit der Mutter nicht behandelt wird, kann dies nachteilig für das Kind sein. Hier sollten Patientinnen sorgfältig im Einzelfall abwägen – und dafür brauchen sie unabhängige Informationen vom Arzt oder Apotheker. In der Selbstmedikation ist es ganz besonders unsere Aufgabe, Schwangere über einen verantwortungsvollen Umgang mit Arzneimitteln aufzuklären.

 

Ob Schwangerschaftstest, Folsäuresupplementierung oder Schwan­ger­schafts­be­schwer­den: Viele werdende Mütter besuchen die Apotheke regelmäßig. Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung hat in Kooperation mit der ABDA einen Flyer für Schwangere entwickelt. Er erleichtert es dem Apothekenteam, mit der Schwangeren ins Gespräch zu kommen. Ein Ansichtsexemplar finden Sie in der Druckausgabe auf Seite 35. Bei der ABDA kann jede Apotheke kostenlose Flyer bestellen. Bitte nutzen Sie dieses Angebot – damit der Verzicht auf Alkohol und Rauchen während der Schwangerschaft endlich zu einer Binsenweisheit wird.

 

Erika Fink

Präsidentin der Bundesapothekerkammer (BAK)

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