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Kontrollen in NRW

Zyto-Apotheken überzeugen

15.08.2018
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Von Anna Pannen / So gut wie alle Zytostatika-herstellenden Apotheken in Nordrhein-Westfalen arbeiten vorbildlich. Das haben Kontrollen gezeigt. Während die Landespolitik zufrieden ist, fordern Patientenschützer weitreichendere Überprüfungen. Die Zyto-Apotheker selbst lehnen noch mehr bürokratische Vorgaben dagegen ab.

Das Land Nordrhein-Westfalen stellt seinen Zytotatika herstellenden Apotheken gute Noten aus. Im Nachklang des Skandals um gepanschte Krebsmedikamente eines Bottroper Apothekers hatte der nordrhein-westfälische Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) Kontrollen aller 116 Apotheken im Bundesland angeordnet, die individuelle Krebsmedikamente herstellen. Inzwischen seien alle Apotheken überprüft worden, teilte das Gesundheitsministerium des Bundeslands vergangene Woche mit.

 

Unangemeldet besuchten Inspektoren die Apotheken, kontrollierten Abläufe und entnahmen Proben, sowohl aus der laufenden Produktion als auch aus bereits ausgelieferten Medikamenten. Dabei kam Erfreuliches heraus: 122 von 123 Proben waren vorbildlich, enthielten also die richtigen Wirkstoffe in der korrekten Menge. Nur bei einer Probe lag ein Wirkstoffgehalt knapp unterhalb des zulässigen Grenzwertes. Weitere Proben aus derselben Apotheke zeigten keine Auffälligkeiten, Patienten seien nicht gefährdet gewesen, erklärte Laumann.

 

Mängel in der Organisation

 

In einigen Apotheken stellten die Inspektoren allerdings Dokumentationsmängel oder organisatorische Mängel fest. Nur in einem Fall waren diese jedoch so gravierend, dass die Behörde der Apotheke kurzzeitig die Herstellung von Zytostatika untersagte. Es habe sich gezeigt, »dass die Herstellung von patientenindividuellen Zytostatika im Land qualitativ hochwertig und entsprechend den ärztlichen Verordnungen erfolgt«, freuts sich Laumann. Die festgestellten Mängel hätten aber auch bewiesen, dass Kontrollen wichtig und notwendig sind. »Eine beanstandete Probe ist immer noch eine Probe zu viel«, so der Minister.

 

Der Bottroper Apotheker Peter S. war im Juli vom Landgericht Essen zu zwölf Jahren Haft verurteilt worden. Er hatte jahrelang Zytostatika stark verdünnt oder gänzlich ohne Wirkstoff an Patienten abgegeben. Der Stiftung Patientenschutz reichen die von Laumann angestoßenen Apotheken-Kontrollen nicht. Sie fordert, alle Zytostatika herstellenden Apotheken in Deutschland viermal jährlich unangekündigt zu kontrollieren. Außerdem müssten nicht aufgebrauchte Zytostatika zentral gesammelt und regelmäßig kontrolliert werden, sagte Stiftungsvorstand Eugen Brysch. Auch Parteien, Krankenkassen und Wissenschaftler hatten als Reaktion auf die Bottroper Affäre zuletzt ein besseres Risiko-Management in Zytostatika-Apotheken gefordert.

 

Der Verband der Zytostatika herstellenden Apotheker (VZA) erklärte gegenüber der PZ, zusätzliche Auflagen für die Apotheker seien nicht sinnvoll, sofern sie keinen echten Sicherheitsgewinn versprächen. Die Überprüfung habe schließlich bestätigt, dass praktisch 100 Prozent der getesteten Proben vorbildlich gefertigt wurden. »Dieses Ergebnis ist erfreulich und sollte den Überwachungsbehörden und Apotheken etwas von dem Druck nehmen, unter dem sie nach den unfassbaren Vorgängen in Bottrop stehen«, sagte VZA-Vize Michael Marxen. Beim Fall Peter S. handele es sich um einen kriminellen Einzeltäter. Sehr viel stärker gefährdet sei die Zytostatika-Versorgung durch Arzneimittelfälschungen und Lieferengpässe. /

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