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Zytostatika herstellende Apotheken

Mehr Wertschätzung dank Corona?

Die Zyto-Apotheker fühlen sich nach eigenen Angaben aufgrund ihrer zentralen Rolle bei der Corona-Impfstoffaufbereitung wieder mehr wertgeschätzt. Sie hoffen nun, dass die Spezialapotheken auch beim E-Rezept und in Vergütungsfragen künftig wieder mehr Gehör bekommen können.
Ev Tebroke
22.03.2021  17:00 Uhr

Die Corona-Pandemie ist ein Stresstest für die gesamte Gesundheitsbranche. Nicht zuletzt hat sie aber auch die Kompetenz der Apotheken bei der Pandemie-Bewältigung und bei der Stärkung des Infektionsschutzes verstärkt in den Fokus gerückt. Profitieren von dieser Rolle konnten nach eigenen Angaben auch die Zytostatika herstellenden Apotheken. Die Branche der Spezialapotheken hatte seit dem sogenannten Zyto-Skandal in Bottrop um gepanschte Krebsarzneien einen schweren Imageschaden zu verkraften. Diesen schlechten Ruf konnten die auf Spezialversorgung ausgerichteten öffentlichen Apotheken nun nach eigenen Angaben durch ihre Unterstützung bei der Rekonstitution der Corona-Impfstoffe ein Stück weit wieder korrigieren.

»Die Zyto-Apotheker werden nun anders und positiver wahrgenommen«, betonte Michael Marxen, Vizepräsident des Verbands der Zytostatika herstellenden Apotheken (VZA) auf der digitalen Jahrestagung des Verbands am 20. März. Marxen, der in Nordrhein-Westfalen über 8000 Apotheker in der Covid-19-Impfstoffaufbereitung geschult hat, berichtete von einer »neuen positiven Wahrnehmung« durch die Landesbehörden aber auch innerhalb der Apothekerschaft. Konkrete Belege liefert der Verband dafür allerdings nicht. Nach Bottrop sei es der Politik beim Thema Spezialapotheken in erster Linie um mehr Regulierung gegangen, so Marxen. Nun seien sie als »Problemlöser« adressiert worden. So haben die öffentlichen Apotheken mit Speziallabor zusammen mit den Krankenhausapotheken die Corona-Impfstoffe in ihren Offizinen aufbereitet und in die Impfzentren geliefert. Der VZA-Vize sieht die Pandemie für die Spezialapotheken daher auch als einen »Game-Changer« was die Perspektiven der Sterilapotheken anbelangt.

Unterstützung seitens der Politik

Die gefühlte neue Wertschätzung der Versorgungsstruktur könnte auch die Umsetzung der politischen Forderungen beflügeln, so die Hoffnung. Ein Aspekt ist etwa die Abrechnungsmöglichkeit von Wirkstoffen zum tatsächlichen Einkaufspreis. Eigentlich sind die Preise per Hilfstaxe gedeckelt, aber im Zuge der Corona-Sonderverordnungen ist wie in der Versorgung mit Fertigarzneien auch bei Rezepturen eine flexiblere Handhabe und mehr Spielraum möglich. Dies möchte der Verband gern dauerhaft etablieren, damit etwa der Apotheker bei Nichtverfügbarkeit eines Wirkstoffs den dann zu wählenden Ersatzwirkstoff auch entsprechend seines tatsächlichen Einkaufspreises abrechnen darf. Die Sorge vor höheren Kosten für die Kassen teilt der VZA nicht. Die flexible Handhabemöglichkeit werde derzeit »sehr verantwortungsvoll genutzt«, so VZA-Chef Klaus Peterseim. Mehr Kosten birgt für die Kassen hingegen eine weitere langjährige Forderung des Verbands: Eine deutliche Erhöhung des Arbeitspreises auf 130 Euro. Derzeit können die Apotheker für die Herstellung Zytostatika-haltiger parenteraler Lösungen 81 Euro pro applikationsfertiger Einheit berechnen. Zudem fordert der VZA endlich die Abschaffung der Nullretax, einem Verfahren, das den Kassen bei Formfehlern auf dem Rezept erlaubt, das Rezept komplett nicht abzurechnen.

Unterstützung erhalten die Apotheker bei ihren Forderungen vom Bundestagsabgeordneten und Juristen Tino Sorge, wie dieser als Gast auf der Tagung bekräftigte. Beim Thema Arbeitspreiserhöhung sollten sie dran bleiben und ihre Forderung solange wiederholen, bis sie endlich Gehör finde, riet Sorge. Was das Prinzip Nullretax betrifft, so habe er es auch als Jurist nie nachvollziehen können. Der CDU-Politiker, im Gesundheitsausschuss für das Thema Digitalisierung zuständig, setzt sich nach eigenen Worten zudem für die VZA-Forderung ein, dass die Apotheker den ärztlichen Medikationsplan einsehen und nutzen können. »Es gilt, eine praktikable Lösung zu finden«, betonte Sorge.

 

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