Pharmazeutische Zeitung online
Pharma-World

Zukunftsweisende Impulse setzen

12.08.2015
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Von Sven Siebenand / In der Pharma-World auf der diesjährigen Expopharm in Düsseldorf wird es wieder Vorträge und Podiumsdiskussionen zu relevanten Apothekenthemen geben. Die Frankfurter Professoren Dr. Theo Dingermann und Dr. Manfred Schubert-Zsilavecz, Ideengeber für die Beiträge der Pharma-World 2015, informieren über das Programm.

PZ: Die Pharma-World ist eines von vielen Angeboten für Messebesucher. Warum sollte man unbedingt dort vorbeischauen?

 

Dingermann: Die Pharma-World bildet eine Arena innerhalb der Expopharm, die ein wissenschaftliches Programm informativer, unabhängiger Vorträge hauptsächlich zu Themen aus dem praxis­relevanten OTC-Bereich bereithält. In der begleitenden OTC-Ausstellung und im Lounge-Bereich lädt die Pharma-World insbesondere Apotheker und PTA zum Dialog und Networking mit ihren Marktpartnern ein.

Schubert-Zsilavecz: Im Zentrum der Pharma-World steht das wissenschaftliche Vortragsprogramm. Jeder Messebesucher kann sich hier von kompetenten und unabhängigen Referenten vornehmlich aus dem akademischen Umfeld über Themen informieren lassen, die auf der Messe durch eine Vielzahl von Produkten präsent sind. Erwähnenswert ist auch, dass die Vorträge von der Apothekerkammer Nordrhein akkreditiert sind und dass die Zuhörer sich Fortbildungspunkte bescheinigen lassen können.

 

PZ: Welche Schwerpunkte wird die diesjährige Pharma-World setzen?

 

Dingermann: Vorträge zu Phyto­pharmaka, Magen-Darm-Therapeutika, Nahrungsergänzungsmitteln, Atemwegserkrankungen, Gelenkschmerzen und nicht zuletzt Notfallverhütung werden thematische Schwerpunkte bilden. Dazu kommen Fallbeispiele zur stratifizierten Arzneimitteltherapie und zum Mikrobiom.

 

PZ: Warum wurden gerade diese Themen ausgesucht? Liegt das an der hohen Relevanz für die tägliche Apothekenpraxis oder daran, dass es gerade in diesen Bereichen viele Neuigkeiten gibt?

 

Dingermann: Sehr viele OTC-Arzneimittel sind Phytopharmaka. Hier wird unter anderem das Thema evidenz­basierte Selbstmedikation diskutiert: Ist das wirklich ein so wichtiges Krite­rium? Und wenn ja, sollte man auf Präparate der Selbstmedikation verzichten, die nicht mit klinischer Evidenz aufwarten können? Diesem Spannungsfeld widmen sich sicherlich etliche Vorträge.

 

Schubert-Zsilavecz: Auch Magen-Darm-Therapeutika sind im Apothekenalltag von höchster Relevanz. Hier gibt es neue Entwicklungen, die vorgestellt werden. Und schließlich ist in diesem Themenkreis auch das wichtige und aktuelle Forschungsfeld Mikro­biom verortet.

 

PZ: Insgesamt wird es wie im vergangenen Jahr also wieder viele pharmazeutische Vorträge geben. Ist das Konzept einer Fortbildung auf der Messe im Vorjahr aufgegangen?

 

Schubert-Zsilavecz: Ich denke schon, dass das Konzept aufgegangen ist. Natürlich handelt es sich hier um ein ganz besonderes Format. Zuhörer kommen und gehen, sie sitzen oder stehen. Und gewiss hört auch nicht jeder aufmerksam zu. Für die Referenten ist das eine Herausforderung. Sie sind extrem gefordert, um Passierende zum Verweilen und die, die sich eingefunden haben, zum Bleiben zu bewegen. Das verspricht gute und spannende Vorträge in einer Atmosphäre, die sich deutlich von konventionellen Vortragsveranstaltungen unterscheidet. Hier wird die Hektik einer Fachmesse auch in den Vortragsbereich übernommen. Das hat viele positive Aspekte.

 

PZ: Was hat sich im Vergleich zum vergangenen Jahr geändert? Gab es Anregungen von den Messebesuchern, die nun umgesetzt werden?

 

Schubert-Zsilavecz: In diesem Jahr ist das Vortragsprogramm noch dichter gestaffelt. Um den Besuchern gerecht zu werden, die primär die Messe und die Aussteller besuchen und sich an den Ständen produktspezifisch informieren möchten, werden etliche Themen auch mehrfach angeboten.

 

PZ: Für wen sind die Vorträge interessant? Nur Apotheker oder auch zum Beispiel PTA und Pharmazeuten im Praktikum?

 

Dingermann: Die Vorträge sind für Apotheker, aber auch unter anderem für Pharmazeuten im Praktikum und für PTA interessant. Den PTA widmen wir in diesem Jahr sogar einen extra Tag. Am Samstag sollten sich vor allem die Angehörigen dieser Berufsgruppe angesprochen fühlen. Als Mitglieder des pharmazeutischen Personals spielen PTA in den Apotheken eine immer wichtigere Rolle – beim Einkauf, aber auch bei der Beratung der Kunden und Patienten. Dem wollen wir mit dem Vortragsprogramm am Samstag Rechnung tragen und hoffen, dass dieses Angebot auch angenommen wird.

 

PZ: Was zeichnet das Programm an diesem Tag aus?

 

Dingermann: PTA beraten oft deutlich anders als Apotheker. Sie haben darüber hinaus auch häufig ihre Spezialgebiete, wo sie sich besonders gut auskennen. Wir haben versucht, das nicht nur in den Vortragsthemen abzubilden, sondern werden auch die Informationen an diese Zielgruppe angepasst präsentieren. Oft wird die Beratung in den Apotheken durch PTA besonders geschätzt, da sich viele PTA besonders gut in die Probleme der Kunden hineinversetzen können.

 

PZ: Sie sprachen bereits die Podiumsdiskussionen an. Zu welchen Themen wird es diese geben?

 

Dingermann: Eine Podiumsdiskussion wird sich den Phytopharmaka widmen. Unter anderem geht es darum, zwischen zufälliger und zuverlässiger Wirksamkeit bei einer Produktgruppe zu unterscheiden, die extrem heterogen ist. Selbst für Fachleute sind die Unterschiede nur schwer auszumachen. Wo man sich hier zuverlässig informieren kann und sollte, wird ein Thema der Diskussion sein. Und es wird hinterfragt, ob tatsächlich immer eine zuverlässige Wirksamkeit erforderlich ist.

 

PZ: Was sind Ihre Erwartungen, wie sich die Pharma-World in den kommenden Jahren entwickelt?

 

Schubert-Zsilavecz: Bei der Pharma-World handelt es sich um ein Experiment mit großem Potenzial. Ideal wäre es, wenn man irgendwann einmal sagen könnte, dass von der Pharma-World aus neue Trends für die öffent­liche Apotheke gesetzt wurden.

 

PZ: Was könnten zukünftige Aufgaben für Apotheker und damit auch mögliche Themen der Pharma-World in den Folgejahren werden?

 

Dingermann: Ein Trend wird dahin gehen, dass sich Apotheken vermehrt besonderen Kunden- und Patientengruppen widmen und dies auch erkennbar machen. Ein großes Thema sind gezielte Beratungs- und Produktangebote für die diversen Befindlichkeitsstörungen im Alltag, was heute noch eher unstrukturiert unter dem Label OTC firmiert. Andere Spezialisierungen gehen beispielsweise in Richtung Geriatrische Pharmazie, Palliativpharmazie oder Betreuung von Diabetikern sowie Asthma­patienten. In diese Richtung könnte die Pharma-World Impulse setzen, sodass sich die Messebesucher bei den Ausstellern über einschlägige Produkte informieren können./

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