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Institut im Aufbruch

12.08.2014
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Von Verena Arzbach, Düsseldorf / Alles auf kurzen Wegen schnell erreichen – das ist auf dem Campus der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf kein Problem. Die wissenschaftliche Einrichtung (WE) Pharmazie mit den verschiedenen pharmazeutischen Instituten ist gut vernetzt und entwickelt sich ständig weiter.

Studierenden im ersten Semester fällt es sicher nicht leicht, sich in den schier endlosen Gängen der Düsseldorfer Universität zurechtzufinden. »Die verschlungene Bauweise der Gebäude der mathematisch-naturwissenschaftlichen Fakultät ist eine architektonische Ausdrucksform für Vitalität und Lebendigkeit«, erklärt Professor Dr. Holger Stark.

Lebendig und im Wandel: Beides trifft auf die noch sehr junge Universität in Düsseldorf zu, die im Jahr 2015 ihren 50. Geburtstag feiern wird. Davon zeugen zum Beispiel zahlreiche Baumaßnahmen auf dem Campus. Gerade zieht die WE Biologie um, in ferner Zukunft soll auch die Pharmazie in neuen größeren Räumen eine neue Heimat finden. »Wir sind im Aufbruch«, betont Stark, Dozent für pharmazeutische und medizinische Chemie, der seit einem Jahr in Düsseldorf lehrt und forscht. Sowohl die Forschungs- als auch die Lehrbereiche der vier Fachrichtungen der Pharmazie – die Pharmakologie gehört in Düsseldorf zur medizinischen Fakultät – sollen sukzessive modernisiert werden.

 

Momentan nehmen etwa 70 Studierende pro Semester ein Pharmaziestudium in Düsseldorf auf. Aufgrund der verkürzten Schulzeit mit dem Abitur nach zwölf Jahren musste die Uni in der Vergangenheit jedoch mehr Studierende aufnehmen. Praktikumsräume müssten häufig mehrfach belegt werden, die Kapazitätsgrenzen seien inzwischen ausgeschöpft, so Stark.

 

Moderne Laborausstattung

 

Aber die WE Pharmazie ist im Aufbruch. »Verbesserungen – die auch nötig waren – sind bereits an vielen Stellen spürbar«, sagt Stark. Im Bereich der Lehre hat sich die apparative Ausstattung der Labore zunächst durch die Studiengebühren und inzwischen durch Mittel zur Qualitätsverbesserung erheblich verbessert. Die Studierenden werden in Düsseldorf außerdem kostenfrei mit Verbrauchsmitteln in den Laboren versorgt. Auch für den Forschungsbereich wurden in der Vergangenheit durch eingeworbene Drittmittel zahlreiche moderne Geräte angeschafft. Die WE Pharmazie habe sich deutlich weiterentwickelt, in den vergangenen Jahren habe sich zum Beispiel die Mitarbeiterzahl verdoppelt. »Inzwischen haben wir eine gut vernetzte Forschungsstruktur, in die auch die Studierenden eingebunden werden«, so Stark. Dennoch gebe es noch Optimierungspotenzial.

Gelungen ist die Weiterentwicklung der Düsseldorfer Pharmazie schon bei der Zusammenarbeit von Studierenden und Professoren. Professor Dr. Peter Kleinebudde lobt die offene Atmosphäre und die konstruktive Zusammenarbeit von Studierenden und Lehrenden im pharmazeutischen Institut. »Wir suchen immer das Gespräch miteinander und sind bemüht, für alle Probleme eine vernünftige Lösung zu finden«, sagt der Professor für pharmazeutische Technologie. Feedbackgespräche nach jedem Praktikum sind in der pharmazeutischen Technologie daher bereits an der Tagesordnung. Das offene Klima loben auch die Studenten: »Der Kontakt zu den Professoren und den Praktikumsleitern ist sehr gut«, sagt Maike Schulte von der Fachschaft. Die Türen der Büros seien immer offen für die Studierenden.

 

In der Lehre gehen die Düsseldorfer Professoren neue Wege. »Wir wollen das kritische Denken fördern«, erklärt Kleinebudde. »Die Studenten sollen nicht stur auswendig lernen. Sie sollen vielmehr einen Blick dafür entwickeln, ob zum Beispiel das Ergebnis eines Versuchs gut oder schlecht ist.« Das Wissen in der Pharmazie wachse enorm. Dass die Studenten Wissen selektieren und sich bestimmte Lerninhalte selbst erarbeiten können, sei daher ein wichtiges Ziel der Lehre in Düsseldorf.

Steckbrief Universität Düsseldorf

Die 1965 gegründete Heinrich- Heine-Universität in der Landeshauptstadt Düsseldorf ist eine der jüngsten Universitäten Nordrhein-Westfalens. Seit 1988 trägt sie den Namen des Dichters Heinrich Heine, eines berühmten Sohns der Stadt. Rund 26 000 Studenten und mehr als 1700 Lehrende aus dem In- und Ausland arbeiten am Campus, auf dem alle Gebäude der fünf Fakul­täten inklusive Universitätsklinikum und Fachbibliotheken vereint sind. Die mathematisch-naturwissenschaftliche Fakultät ist mit mehr als 800 Wissenschaftlern und mehr als 10 600 Studierenden die stärkste Fakultät in Düsseldorf. Im Studiengang Pharmazie sind momentan etwa 740 Studierende eingeschrieben, darunter circa 100 Promotionsstudenten.

Praxisnahe Lehre

 

Die Lehre wollen die Pharmazie-Professoren außerdem modern und praxisnah gestalten. »Es ist den Studenten heute sehr wichtig, dass sie sehen, wofür der Lernstoff später in der Praxis relevant ist«, so Kleinebudde. Die Ausbildung in der pharmazeutischen Technologie soll daher so praxisnah wie möglich gestaltet werden und gliedert sich in die drei Kernbereiche öffentliche Apotheke, Krankenhausapotheke und pharmazeutische Industrie.

 

Ein gelungenes Beispiel für den Praxis­bezug ist die Trainingsapotheke der Technologie, in der die Studierenden verschiedene Arzneistoffformulierungen kennenlernen und selbst ausprobieren können. Zwar kommen in der Trainingsapotheke auch klinische Aspekte zur Sprache, der Fokus liegt hier aber klar auf der technologischen Verarbeitung der verschiedenen Medikamente. Seit drei Jahren gibt es das Projekt am Institut, der Arzneimittelbestand wird von studentischen Hilfskräften ständig aktualisiert und so immer auf dem neuesten Stand gehalten. Bei den Studenten kommt die Idee gut an, was Susanne Hartung und Bastian Hahn von der Fachschaft bestätigen. »Es bringt sehr viel, die Arzneimittel einmal aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten und Medizinprodukte selbst auszuprobieren«, so Hartung.

 

Stolz sind die Düsseldorfer Pharmazeuten auch auf ihren Apothekergarten. In dem botanischen Garten wachsen mehr als 100 pharmazeutisch relevante Pflanzen, die auch als Anschauungsmaterial für die Ausbildung der angehenden Apotheker genutzt werden. Ergänzt wurde der Garten kürzlich mit einem digitalen Angebot. Direkt an den Pflanzen können Interessierte mit einem Smartphone oder Tablet über einen QR-Code nun vielfältige Daten und Informationen zu den Pflanzen aus dem Internet aufrufen, beispielsweise zu den als Droge verwendeten Pflanzenteilen, den Inhaltsstoffen oder zu deren Wirkung.

Nicht nur die Studenten, auch die Doktoranden arbeiten in Düsseldorf stark praxisorientiert. »Wir wollen auch die Doktoranden nah an praxis­relevante Fragestellungen heranführen«, sagt Kleinebudde. Die Doktoranden sammelten während ihrer Ausbildung viel Erfahrung, viele hätten bereits ein Stellenangebot, bevor sie die Promotion abschließen. Ziel der Doktorandenausbildung sei es außerdem, auch über den Tellerrand hinauszuschauen, ergänzt Stark. So werden alle Doktoranden doppelt betreut, neben dem pharmazeutischen Doktorvater steht ihnen zusätzlich ein Mentor zur Seite, der nicht pharmazeutische Aspekte beisteuert. Standards der Doktorandenausbildung seien mittlerweile auch Kurse zu Soft Skills und ethischen Grundlagen, so Stark. Durch die gute internationale Vernetzung des Düsseldorfer Instituts sei auch ein Wissenschaftleraustausch auf Doktoranden­ebene möglich.

 

Zu den besonderen Graduiertenkollegs in Düsseldorf zählt das iGRAD (Interdisciplinary Graduate and Research Academy Düsseldorf), das fächerübergreifende Kooperationen fördern und Doktoranden auf ihre besondere Verantwortung in der Berufswelt vorbereiten soll. Ein weiteres Graduiertenkolleg ist die NRW-Forschungsschule BioStruct, die gezielt Studierende aus dem In- und Ausland fördert. Die Doktoranden können an interdisziplinären Forschungsprojekten im Bereich der molekularen Medizin und Biotechno­logie teilnehmen und erhalten eine umfassende Ausbildung in struktur­biologischen Methoden.

 

Gut vernetzt

Die Pharmaziestudenten in Düsseldorf haben sich nicht nur mit ihren Professoren, sondern auch untereinander gut vernetzt. Das sei wichtig, berichten die Fachschaftsmitglieder, denn die Universität habe einen großen Einzugs­bereich. Viele Studenten pendeln aus umliegenden Städten zum Campus im Süden Düsseldorfs. So organisiert die Fachschaft Einführungsveranstaltungen und Kennenlern-Partys für Erst­semester ebenso wie große Nikolaus- und Sommerfeste und ein jährliches Fußballturnier. Außerdem bieten die Studenten für alle Fächer des Grundstudiums Tutorien an.

 

Beteiligt ist die Fachschaft auch an der Organisation der jährlichen Orchideen-Exkursion nach Mallorca für alle Semester. »Eine tolle Sache – Professoren und Studierende können sich auf dieser Reise besser kennenlernen«, so Studentin Hartung. Etabliert ist inzwischen auch die jährliche Fahrt der höheren Semester zum Fortbildungskongress Pharmacon in Meran. In Planung sind laut Fachschaft außerdem Examensfeiern; in diesem Jahr organisieren die Studenten zum ersten Mal ein großes Fest am Düsseldorfer Institut. /

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