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Schulterschmerzen

Cortison und Physio gleichwertig

12.08.2014  16:33 Uhr

Von Ulrike Viegener / Wenn die Schulter schmerzt, steckt häufig ein sogenanntes Impingement-Syndrom dahinter. In einer randomisierten Langzeitstudie zeigte sich nun: Corticosteroid- Injektionen in die Schulter und manuelle Physiotherapie sind in dieser Indikation ebenbürtig.

Die Injektion von Cortison in den Bereich unterhalb des Schultereckgelenks (subakromial) gehört ebenso wie die manuelle Physiotherapie zu den gängigen konservativen Maßnahmen beim Impingement-Syndrom der Schulter (siehe Kasten). Die Studienlage zu beiden Verfahren war aber bislang in wesentlichen Aspekten lückenhaft. So fehlten belastbare Daten zum optimalen Vorgehen sowie zu den Langzeiterfolgen, und es wurde auch nie ein direkter Vergleich zwischen diesen beiden Therapieoptionen durchgeführt.

 

Das holte eine Arbeitsgruppe um Dr. Daniel Rhon vom Brooke Army Medical Center in Fort Sam Houston, Texas, jetzt in einer einfachblinden Studie an 104 Patienten mit einseitigem Impingement-Syndrom der Schulter nach. Die Patienten waren zwischen 18 und 65 Jahre alt und wurden randomisiert mit Cortison-Injektionen beziehungsweise Physiotherapie behandelt, wie die Autoren im Fachjournal »Annals of Internal Medi­cine« schreiben (doi: 10.7326/M13-2199).

 

Die Patienten der ersten Gruppe bekamen im einjährigen Studienzeitraum bis zu drei subakromiale Injektionen von 40 mg Triamcinolonacetonid, wobei ein Abstand von mindestens einem Monat einzuhalten war. Die Patienten der zweiten Gruppe erhielten drei Wochen lang zweimal wöchentlich eine manuelle Physiotherapie, die an die individuellen Bedürfnisse angepasst wurde.

 

Zu Beginn sowie nach einem, drei, sechs und zwölf Monaten fanden ausführliche Untersuchungen statt. Verschiedene etablierte Tests zur Objektivierung von Schmerz, Behinderung und Lebensqualität kamen dabei zur Anwendung. Außerdem wurde abschließend durch Zugriff auf elektronische Healthcare-Daten erfasst, inwieweit die Probanden nach Beendigung der aktiven Studienphase anderweitige Therapiemaßnahmen in Anspruch genommen hatten.

 

Sowohl mit Cortison-Injektionen als auch mit Physiotherapie wurde im Schnitt eine annähernd 50-prozentige Verbesserung der Impingement-Beschwerden erreicht, wobei sich diese Besserung über ein Jahr hinweg stabilisierte. In keinem der angewendeten Tests waren signifikante Unterschiede zwischen den beiden Gruppen feststellbar. Allerdings suchten die mit Cortison behandelten Patienten während des einjährigen Beobachtungszeitraums häufiger weitere Ärzte/Therapeuten auf, um ihre Schulterbeschwerden behandeln zu lassen. /

Das Impingement-Syndrom

Als Impingement-Syndrom (von Englisch: Impingement = Zusammenstoß) der Schulter bezeichnet man eine Funktionsbeeinträchtigung des Schultergelenks durch Irritation der Rotatorenmanschette und eines Schleimbeutels. Häufige Ursachen sind Überbelastung oder degene­rative Veränderungen. Patienten leiden unter Schmerzen in der Schulter, vor allem bei Überkopfarbeiten, nachts und wenn der Arm zur Seite hochgehoben wird.

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