Pharmazeutische Zeitung online
ABDA-Geschäftsführung

Resch übernimmt Geschäftsbereich Wirtschaft und Soziales

13.08.2007  14:28 Uhr

ABDA-Geschäftsführung

Resch übernimmt Geschäftsbereich Wirtschaft und Soziales

Von Hartmut Morck, Berlin

 

Nachfolger des zum 1. Juli 2007 ausgeschiedenen ABDA-Geschäftsführers für den Bereich Wirtschaft und Soziales, Dr. Frank Diener, wird Karl-Heinz Resch.

 

Der studierte Politikwissenschaftler, der zum 1. September sein Amt antritt, war vorher Referatsleiter im Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung und im Bundesgesundheitsministerium, anschließend 16 Jahre Leiter der Landesvertretung des Verbandes der Angestellten-Krankenkassen und des Arbeiter-Ersatzkassen-Verbandes in Berlin.

 

Karl-Heinz Resch, Jahrgang 1955, überzeugter Christdemokrat, studierte 1974 bis 1982 in Gießen und London Politikwissenschaft, Neuere Geschichte und Soziologie sowie vier Semester Rechtswissenschaften. Nach vierjähriger Tätigkeit als Redakteur bei »Aus Politik und Zeitgeschichte«, der Beilage zur Wochenzeitung »Das Parlament«, wechselte er als Referent in den Leitungsbereich des Bundesministeriums für Arbeit und Sozialordnung in Bonn. 1989 wurde er Referatsleiter »Kommunikation und Information &#8211 Verbindung zu den autonomen Gruppen«. 1991 wechselte er dann ins Bundesministerium für Gesundheit als Referatsleiter »Gesundheitsministerkonferenz, Bund/Länder/Koordinierung, Angelegenheiten der neuen Länder«.

A

nschließend war er von Oktober 1991 bis Ende August 2007 Leiter der Landesvertretung Berlin des Verbandes der Angestellten-Krankenkassen und des Arbeiter-Ersatzkassen-Verbandes. Mit diesem Amt übernahm er die politische Interessenvertretung der Ersatzkassen in Berlin, war unter anderem für Vertragsstrategien und Vertragsverhandlungen, zahlreiche Umgestaltungen der Versorgungsstrukturen im Berliner Gesundheitswesen sowie für die Abstimmung der Landesebene mit der Bundesebene zuständig.

 

Ende Januar 2007 wurde Resch von den beauftragten Kienbaum-Consultants angefragt, ob er bereit sei, sich in ein Bewerbungsverfahren für die Geschäftsführung der ABDA &#8211 Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände zu begeben, was er schließlich erfolgreich bestand. Seine Bereitschaft, die neue Aufgabe bei der ABDA zu übernehmen, begründet er mit zwei Fakten: Nach 16 Jahren praktischer und engagierter Gestaltungstätigkeit im Gesundheitswesen auf Landesebene seien für ihn nahezu alle Aufgaben geschultert, die er sich für seine Arbeit in Berlin nach dem Fall der Mauer vorgenommen hatte. Das seinerzeit als Folge der Teilung in beiden Stadthälften im Gesundheitsbereich gleich doppelt überversorgte Berlin sei mittlerweile durch zahlreiche Umbaumaßnahmen (Fusionen von Universitätsklinika, Schließung von Krankenhäusern, Ausbau der ambulanten Versorgung) verschlankt und deutlich an bundesdurchschnittliche Kostenstrukturen angenähert worden.

 

Zum Zweiten reize ihn die neue Herausforderung, künftig auf Bundesebene für eine Organisation zu arbeiten, mit der er sich auch von der Sache her identifizieren kann, und für die es sich lohne, im besten Sinne des Wortes und mit Leidenschaft zu streiten. Er habe schon während seiner Studienzeit in der Auseinandersetzung mit linken Gruppierungen Wert darauf gelegt, grundwertorientierte Positionen zu vertreten, die auf Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität bauen, wozu für ihn wesentlich als Baustein auch Subsidiarität gehöre. Resch: »Für mich ist der freie Beruf, sind niedergelassene Ärzte und Apotheker ein tragendes Element einer freiheitlich demokratischen Grundordnung und einer auf diesem Fundament aufbauenden umfassenden, patientenfreundlichen und solidarischen Gesundheitsversorgung.«

 

Aus eigener Erfahrung habe er durch verwandtschaftliche Kontakte in die damalige DDR erleben können, wie ein sozialistisches System sehr gezielt seine Bürger bevormundet, indem den einen Eigentum weggenommen, anderen die Eigentumsbildung erschwert sowie ein selbstständiger Mittelstand bewusst klein gehalten oder sogar unterdrückt wurde. Die deutsche Einheit sei deshalb ein Geschenk, dessen verfassungsrechtliche Grundlagen heute bewusst gepflegt werden müssten. Dazu zähle der Erhalt der freien Berufe und eine Stärkung des Mittelstands.

 

Angesichts der aktuellen Diskussion in der Apothekerschaft glaubt Resch, neue und zielführende Akzente setzen zu können, wie man diesen Berufsstand sicher aus bewegten Gewässern führen kann. Ziel seiner Arbeit sei es, das gute, solidarisch finanzierte und im Vergleich zu anderen Ländern liberale, weil auf dem Prinzip der Selbstverwaltung aufbauende, deutsche Gesundheitswesen zu erhalten und mitzuhelfen, es systematisch richtig fortzuentwickeln. Hier sieht Resch auch eine Brücke zu den Apothekern. Sie hätten ein enormes Potenzial, das für die Gesellschaft stärker genutzt werden könne und bei Weitem noch nicht ausgeschöpft werde. So könne die Beratungskompetenz der Apotheker stärker genutzt werden, indem sie ihr breites Fachwissen über Zusammenhänge von Mensch, Natur und Pharmazie offensiver an Schüler (etwa über Sucht, Impfschutz, Ernährung) oder im Auftrag von Krankenkassen vermitteln. Dies würde vielen Menschen nutzen.

 

Als Vertreter der Ersatzkassen sei er stets zum Wohle der Versicherten tätig gewesen, sagt Resch: Im Dienste der Apotheker sieht er sein Engagement nicht nur allein für deren Interessen, sondern auch für die der Patienten, »die den Anspruch haben und erheben, flächendeckend gut mit Arzneimitteln versorgt und kompetent beraten zu werden«.

 

In der Frage des Fremdbesitzes empfiehlt der neue ABDA-Geschäftsführer der Apothekerschaft mehr Selbstbewusstsein und Gelassenheit. Für ihn ist eine Änderung der deutschen Rechtslage bei Weitem noch nicht entschieden, auch wenn dies einige, gelenkt von Eigeninteressen, suggerierten. Wichtig sei, das bestehende gute System offensiv und mit vereinten Kräften zu verteidigen und seine Vorteile und innere Logik zu vermitteln. Im Kern gehe es darum, die vom Gesetzgeber gewünschte Unabhängigkeit des Apothekers frei von fremden Kapitalinteressen zu erhalten, damit er seine gesetzlich definierten Qualifikationen sachkundig und unabhängig im Interesse und zum Schutz der Patienten einsetzen kann.

 

Nach Reschs Meinung gibt es keinen Grund und auch keine überzeugenden Argumente, von dem bewährten System einer qualitativ hochwertigen Versorgung der Bevölkerung mit dem besonderen Gut Arzneimittel abzurücken. Immerhin und aus gutem Grunde befänden sich knapp 70 Prozent der Apotheken in Europa in dem fachkundigen und verantworteten Eigenbesitz von qualifizierten Apothekern. Das ist für Resch die Umkehrung des Begriffes Fremdbesitzverbot. Das bewährte deutsche Versorgungssystem, in dem die Apotheke ein solider Grundpfeiler ist, darf nach seiner Meinung nicht aus Renditeinteressen einiger weniger über Bord geworfen werden. Resch: »Millionen von Wählern schätzen ihre Apotheker und nutzen regelmäßig deren Kompetenz. Warum sollten verantwortliche Politiker den Lockrufen derjenigen folgen, die Kapitalgesellschaften zu noch mehr Rendite verhelfen wollen? Die Politik wird bei dieser Frage sehr wohl mögliche Risiken und Nebenwirkungen für sich selbst mitbedenken.«

 

Zur Verteidigung des Systems gehöre auch, den Wert und die Wertschätzung der Leistung, die täglich in den Apotheken erbracht werde, mehr ins öffentliche Bewusstsein zu rücken. Und es komme darauf an, die Kapazitäten der Apotheker, zum Beispiel bei der Präventionsberatung oder für Schulungen im Rahmen von Disease-Management-Programmen, selbstbewusster den Krankenkassen als Leistungen anzubieten. Außerdem empfiehlt Resch, sich mit anderen Heilberufen stärker zu vernetzen, wie dies der Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen empfiehlt.

 

Bei den Rabattverträgen sieht Resch eine Chance, das Modell der von DAPI und DAV entwickelten Zielpreisvereinbarung, wie es in Rheinland-Pfalz aktuell in einer speziellen Ausgestaltung erprobt wird, als Alternative besser zu positionieren. Dabei müsse Wert darauf gelegt werden, dass Vereinbarungen zwischen niedergelassenen Ärzten, Apothekern und Krankenkassen als Lösung der Selbstverwaltung Vorfahrt vor Rabattverträgen nach § 130a SGB V genießen.

 

Das Modell der Zielpreisvereinbarung der Apotheker habe gegenüber den beiden gängigen Rabattvertragsmustern der Krankenkassen mehr Vorteile als die reine Preisabsenkung, die es selbstverständlich auch erbringe. Es nehme Rücksicht auf die Compliance der Versicherten und erlaube ihnen und den Apothekern Wahlfreiheit zwischen verschiedenen Arzneimitteln innerhalb eines festgelegten Korridors bei der Umstellung der Patienten. Außerdem stärke es die Eigenverantwortlichkeit und Flexibilität des Apothekers als Heilberufler. Darüber hinaus teilen sich nach diesem Modell Ärzte und Apotheker Arbeit und Verantwortung. Beide können sich damit besser ihren Kernkompetenzen widmen. Auch gebe es mittelständischen Unternehmen eine faire Chance im Markt und leiste keinen mittelbaren Beitrag zur Ausbildung möglicher Monopole oder Oligopole, wie dies Vollsortimentverträge zwischen Krankenkassen und einzelnen Unternehmen im Ergebnis einer flächigen Umsetzung letztlich bewirken könnten.

 

Um diese Stärken auszuspielen, müsse das Modell der Zielpreisvereinbarung allerdings weiterentwickelt und dem Nachfragebedarf der Krankenkassen angepasst werden. Das zähle zu einer seiner ersten Aufgaben, denen er sich stellen werde.

Mehr von Avoxa