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Passionsspiele

Apotheker auf großer Bühne

10.08.2010
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Von Siegfried Löffler, Oberammergau /  Alle zehn Jahre finden die Oberammergauer Passionsspiele statt. Auch Apotheker gehören zu den mehr als 2200 Laiendarstellern dazu. Wolfgang Mayer, langjähriger Besitzer der Stern-Apotheke, und seine Familie sind beim »Einzug des Volkes in Jerusalem« noch bis zum 3. Oktober mit dabei.

Die Kunden haben Verständnis dafür, dass der Apotheker und seine Tochter und Nachfolgerin, Gabriele Zahler, an den Spieltagen gut eine Stunde in der Offizin fehlen. Denn an den Passionsspielen teilnehmen zu dürfen, ist »eine große Ehre, der man sich nicht entziehen darf«. Das gilt auch für die beiden Angestellten der Kofel-Apotheke in Oberammergau, die im Chor beziehungsweise im Orchester mitwirken. Die Arzneimittelversorgung ist dennoch gesichert. Während des Passionsspiels haben beide Apotheken auch sonntags geöffnet.

Der heute 76-Jährige Mayer gehört zu den »dienstältesten« Laienspielern der 5260-Seelen-Gemeinde in Oberbayern. Seit 1950 ist er alle zehn Jahre bei den knapp sechsstündigen Aufführungen mit dabei. Zuletzt als empörter Bürger beim römischen Statthalter Pilatus vor dem endgültigen Todesurteil, als die Stimmung umschlug und die Verteidiger des Messias von den stimmgewaltigen »Kreuzigt-ihn«-Rufern übertönt wurden.

 

Haare und Bärte müssen wachsen

 

Teilnehmer der Passionsspiele müssen in Oberammergau geboren sein beziehungsweise mindestens seit 20 Jahren dort wohnen. Gehört man »zur großen Familie der Mitwirkenden«, befolgt man auch klaglos den traditionellen »Haar- und Barterlass«. Frauen und Männer sind aufgefordert, von Aschermittwoch des Vorjahres an, Haare und Bärte kräftig wachsen zu lassen. Im Herbst wird überprüft, »ob der Kopf zur vorgesehenen Rolle passt«. Die Apotheker, ihre Familien und Mitarbeiter hatten damit keine Probleme. Bis zur Premiere Mitte Mai absolvierten sie insgesamt 15 Proben.

 

Der inzwischen auch international erfolgreiche Spielleiter Christian Stückl (48), der als einfaches Chormitglied begann und dessen Vater und Großvater schon tragende Rollen spielten, inszeniert zum dritten Mal das Passionsspiel. Er bezeichnet sich als »harten Prober«, und die begeisterte Reaktion der Zuschauer gibt ihm auch diesmal recht.

 

Vor zehn Jahren kamen über 520 000 Theaterfreunde aus 40 Ländern nach Oberammergau. Sind die Spiele gut besucht, fließen in diesem Jahr rund 20 Millionen Euro in die Gemeindekasse. Dass sich aus dem gemeinsamen kulturellen Interesse von Besuchern und heimischen Bewohnern auch mehr entwickeln kann, zeigt die mittlerweile 60 Jahre andauernde Freundschaft zwischen Apotheker Mayer und dem Iren Gordon Claney.

 

1950 lernte der damals 16-Jährige den 18-jährigen Gordon kennen, als dieser bei seinen Eltern übernachtete. Bereits 1951 reiste der Schüler Wolfgang Mayer fünf Wochen nach Irland und verbrachte einen Großteil der Sommerferien dort. Alle zehn Jahre bietet das Passionsspiel seitdem die Gelegenheit, sich wiederzusehen. Im August 2000 feierten die beiden Familien das »goldene« Jubiläum, im Vorjahr trafen sie sich in Irland. Dass die langjährige Freundschaft auch in diesem Jahr gemeinsam in Oberammergau gefeiert werden kann, freut den Apotheker besonders. /

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