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Ausstellung

Olympia in Köln

31.07.2012  13:29 Uhr

Von Ulrike Abel-Wanek, Köln / Milliarden von Menschen verfolgen im Fernsehen zurzeit die Olympischen Spiele in London. Über die Geschichte von Sport und Spielen informiert eine Ausstellung im Sport- und Olympiamuseum in Köln.

»Die Olympischen Spiele der Antike waren kein Freizeitvergnügen, sondern kultische Spiele zu Ehren des Gottes Zeus«, sagt Iris Gehrke, Leiterin der Kommunikationsabteilung beim Rundgang durch das Museum.

Die in einem historischen Zollgebäude untergebrachte Ausstellungshalle am Kölner Rheinauhafen zeigt 2500 Jahre Sport- und Olympiageschichte – mit Exponaten von der griechischen Athletik bis zum Profi-Sport des 21. Jahrhunderts. Während der Londoner Olympischen Spiele überträgt eine Leinwand im Foyer den täglichen Kampf der Athleten um Gold, Silber und Bronze. Die Edelmetalle an die drei Erstplatzierten wurden erstmals 1904 bei den Olympischen Spielen in St. Louis vergeben. Seitdem gehören Medaillen zum olympischen Zeremoniell.

 

Als Teil der Panhellenischen Spiele erlangten die Olympischen Spiele die größte Bedeutung und überlebten auch am längsten. Von etwa 776 vor Christus bis 393 nach Christus fanden sie – nach Ablauf einer Olympiade – alle vier Jahre auf dem heiligen Hain von Olympia im Nordwesten der Halbinsel Peleponnes statt. Hier befand sich die Kultstätte, an der sich Athleten, Betreuer, Schiedsrichter und Zuschauer aus der gesamten griechischen Welt über Jahrhunderte hinweg versammelten, um dem Göttervater Zeus zu huldigen, Opfer zu bringen und sportliche Wettkämpfe auszutragen.

 

Im Mittelpunkt stand jedoch nicht der Sport allein, sondern vor allem das religiöse Fest. So begannen die eigentlichen Spiele mit dem Umzug der Beteiligten zum Tempel (um 460 vor Christus) des Zeus. Zu Anfang gab es nur einen Wettlauf über die Distanz des Stadions von 192,27 Metern. Mit der Zeit erhielten die Spiele aber immer größere Bedeutung, und es gab mehr Wettkämpfe in zum Beispiel Leichtathletik, Reiten und dem »Fünfkampf« mit den Disziplinen Speerwurf, Diskuswerfen, Springen, Laufen und Ringen. Auch musische Wettbewerbe standen auf dem Programm.

Die antiken Spiele waren aus heutiger Sicht außerordentlich brutal, die wenigen Regeln zielten allein darauf ab, einen Sieger zu ermitteln. Die Gesundheit der Athleten war zweitrangig. Im Faustkampf fiel die Entscheidung immer durch K. o. oder Aufgabe des Gegners. Kranz oder Tod: Die Bronzestatue des »Boxers des Apollonios« im Sport- und Olympiamuseum zeigt, dass die Schläge nicht durch Handschuhe gedämpft, sondern mit Riemen um Knöchel und Handgelenke in ihrer Wirkung sogar verstärkt wurden. Um den Siegeskranz zu erringen, setzten die Athleten auch ihr Leben aufs Spiel.

 

Mit der Christianisierung des Imperium Romanum im 4. und 5. Jahrhundert verschwanden die heidnischen Bräuche und Götterfeste und die mit ihnen verbundenen Wettkämpfe. Das antike Olympia versank in den folgenden Jahrhunderten unter einer meterhohen Sandschicht.

 

Die olympische Idee ging jedoch nicht ganz verloren. In Schweden, England und Frankreich gründeten sich Vereine, die versuchten, den olympischen Gedanken wiederaufleben zu lassen. In Much Wenlock, einem Ort in der englischen Grafschaft Shropshire, gründete der Arzt Dr. William Penny Brookes 1850 die Wenlock Olympian Class und veranstaltete erstmals »Olympische Spiele«. Sie finden noch heute unter dem Namen Much Wenlock Games statt.

Griechenland führte mit den »Olympien« die wohl wichtigsten Vorläufer der modernen Olympischen Spiele wieder ein. Ein neues Nationalgefühl nach Überwindung der türkischen Fremdherrschaft, aber auch das wiederentdeckte antike Olympia 1766 und die groß angelegten Ausgrabungen der Sport- und Tempelanlagen ab 1875 beförderten den Wunsch nach Spielen im »Mutterland« der olympischen Wettkämpfe. Eine Stiftung des griechischen Kaufmanns Evangelis Zappas machte es möglich: Die »Olympien« fanden zwischen 1859 und 1889 viermal statt, ab 1870 im Panathenäischen Stadion in Athen, wo bereits in der Antike prunkvolle Feste zu Ehren der Göttin Athene gefeiert wurden.

 

Schneller, höher, weiter

 

Das Panathenäische Stadion war auch Austragungsort der ersten modernen Olympischen Spiele im Jahr 1896. Initiator der Spiele, bei denen 262 Sportler aus 13 Nationen in neun Sportarten gegeneinander antraten, war der französische Baron Pierre des Coubertin. Auf ihn geht auch die Gründung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) im Jahr 1894 zurück. Coubertin wollte nicht nur die körperliche Verfassung junger Menschen durch die verbindliche Einführung des Sportunterrichts an Schulen verbessern – nicht zuletzt machte er die schlechte körperliche Verfassung der französischen Soldaten für die Niederlage Frankreichs im Deutsch-Französichen Krieg von 1870/71 verantwortlich. Er strebte danach, zum Frieden und zur internationalen Völkerverständigung beizutragen. Nicht mehr auf den Schlachtfeldern sollte sich die Jugend der Welt bekämpfen, sondern sich im sportlichen Wettkampf messen. In diesem Konzept spielte auch das Streben nach persönlicher Bestleistung eine Rolle. Sein Motto: »Citius-Altius-Fortius« (Schneller, höher/weiter, stärker) schloss den absoluten Rekord nicht aus. Damit stand Coubertin dem Wettkampf- und Leistungssportgedanken der englischen Sportbewegung, die Ende des 19. Jahrhunderts über den Kanal ans Festland schwappte, deutlich näher als der sich in Deutschland ausbreitenden Turnbewegung von Friedrich Ludwig Jahn.

 

Zeitsprung ins 19. Jahrhundert: Unter dem Motto »Frisch, fromm, fröhlich, frei« geht es von der Antikensammlung zu Turnvater Jahn. Jahn machte den Sport in Deutschland zur Volksbewegung. 1811 eröffnete er den ersten öffentlichen Turnplatz auf der Hasenheide bei Berlin. Gymnastische Übungen an Pferd, Kasten oder Schwebebalken kann der Besucher in der »Turnhalle« des Museums auch gleich nachturnen. Sport nach Turnvater Jahn war keine Leistungsschau, sondern diente der »Volksertüchtigung« und sollte den ganzen Körper fit halten. Das Turnen stand in »gesunder« Konkurrenz zum englischen Wettkampf-Sport, an dem Einseitigkeit und Spezialisierung kritisiert wurden. Karikaturen in deutschen Sportlerzeitungen machten sich über Radfahrer mit dicken Beinen und untrainiertem Oberkörper oder Boxer mit muskulösen Armen und dünnen Beinen lustig.

Eine Beteiligung der deutschen Turner an den international ausgerichteten Olympischen Spielen von 1896 stieß zunächst auch auf großen Widerstand. Die Philosophie der wettbewerbsfreien »Ertüchtigung des Volkskörpers« passte nicht zur olympischen Idee des »Schneller, Höher und Stärker« und stand dazu gegen die Interessen der kaisertreuen Nationalbewegung, die mit Jahns Turnerbewegung eng verknüpft war. »Dennoch liegen in Jahns Ideen genauso wie im englischen Sport und in der Antike die Wurzeln unseres heutigen Sportverständnisses«, erklärt Gehrke.

 

Die Geschichte des Sports ist komplex – und vieles hat sich in den letzten Jahren und Jahrzehnten verändert. Entlang einer circa 100 Meter langen Zeitleiste an der Wand mit zahllosen Einträgen und Exponaten reist der Besucher durch die Jahrhunderte von der Französischen Revolution bis zu den Dopingskandalen der Gegenwart. Von Kuriositäten wie Sportskorsetts und Badeanzügen aus dem 19. Jahrhundert, der Sportentwicklung im Nachkriegsdeutschland, der Fitnesswelle in den 70er- oder dem Wirtschaftsfaktor Sport in den 80er-Jahren berichtet die Ausstellung ebenso wie von den technischen Höhepunkten und Grenzen, von Ökologie und Ökonomie, Mythen und Skandalen oder der Entwicklung der Paralympics. Immer wieder kann man etwas ausprobieren wie Fahrradfahren im Windkanal, Gewichte heben, Bob fahren oder den antiken Weitsprung: mit Gewichten in der Hand und ohne Anlauf aus dem Stand so weit wie möglich springen. Wie gering der Unterschied von zwei Tausendstelsekunden ist, zeigt ein Experiment an einer Kontaktuhr. Extra Themenräume gibt es zum Sport in Schnee und Eis ebenso wie zum Fußball, Surfen oder Boxen. Auch die von den Nationalsozialisten zu Propagandazwecken missbrauchten Olympischen Spiele von 1936, und die als »heitere Spiele« gestarteten Wettkämpfe von 1972 in München mit dem Attentat auf das israelische Olympia-Team bekamen eigene Räume. »Diese Themen konnten wir nicht unkommentiert lassen«, so Gehrke. /

Führungen

Das Sport- und Olympia-Museum bietet Führungen zu speziellen Themen an, beispielsweise zur Geschichte der Olympischen Bewegung, Grenzen der Leistung oder Sport und Gesundheit. Weitere Informationen unter www.sportmuseum.de.

 

Deutsches Sport- und Olympiamuseum

Im Zollhafen 1

50678 Köln

 

Di bis Fr: 10 bis 18 Uhr

Sa, So, feiertags: 11 bis 19 Uhr

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