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Ausstellung »Medicus«

Mit Rob Cole auf Zeitreise

Das Historische Museum in Speyer lädt ein in die  Welt der Bader und Quacksalber. Die Ausstellung »Medicus – Die Macht des Wissens« nutzt die berühmte literarische Vorlage von für einen eindrucksvollen Streifzug durch die Jahrtausende der Medizingeschichte.
Ulrike Abel-Wanek
06.12.2019
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Sechs Millionen Mal verkaufte sich der Roman »Medicus« von Noah Gordon, und auch seine Verfilmung war ein Welterfolg. Der Held des Buches: Rob Cole, ein junger Bader im 11. Jahrhundert, der sich auf den Weg macht, um Krankheiten besser zu verstehen und zu besiegen. Seine Suche führt ihn von England aus in den Orient, wo er im persischen Isfahan beim Gelehrten Avicenna die antike Medizin studiert. Als »Medicus« kehrt er schließlich zurück.

Von den antiken Kulturen in Ägypten und Rom über die mittelalterlichen europäischen Klöster und Apotheken bis hin zur Frühen Neuzeit schildert die Ausstellung die komplexen Wege und auch Irrwege der Heilkunst. Glaube, Aberglaube und kulturelle Unterschiede in der Behandlung von Krankheiten spielen dabei eine zentrale Rolle.

Auf dem Museums-Rundgang durch fünf thematische Kapitel wird man vom »Verstopften« von Franz Xaver Messerschmidt begrüßt. Der Bildhauer aus dem 18. Jahrhundert ist berühmt für seine grimassierenden Charakterköpfe. »Wir schicken unsere Besucher mit Beschwerden und Krankheiten, die sie vielleicht auch selber kennen, durch die Ausstellung«, sagt Kurator Dr. Sebastian Zanke auf dem Rundgang durch die Schau. »An verschiedenen Medienstationen können sie dann zeittypische Arztgespräche mit den Figuren aus dem ›Medicus‹ und mit Protagonisten aus der Medizingeschichte führen.«

Sprechstunde mit Hippokrates & Galen

Hippokrates von Kos, der geistige Vater der griechischen Medizin aus dem frühen vierten Jahrhundert vor Christus, setzte bei Unwohlsein auf die Vier-Säfte-Lehre. In den Heiligtümern des Heilgottes Asklepios schwur man auf Wasserkuren zur therapeutischen Behandlung vieler Leiden. Galen von Pergamon (129 bis circa 216) trug maßgeblich dazu bei, dass die Vier-Säfte-Lehre bis weit in die Neuzeit die Grundlage medizinischer Theorie und Praxis blieb. Er selber war schon zu Lebzeiten eine medizinische Instanz und hinterließ der Nachwelt das umfangreichste wissenschaftliche Schriftenwerk der Antike. Galen setzte Maßstäbe in der Anatomie und sein pharmakologisches Werk war so prägend, dass die Lehre von der Zusammensetzung und Herstellung von Arzneimitteln – die Galenik – nach ihm benannt wurde.

Vor allem aus der Zeit des Römischen Reiches zwischen dem ersten und vierten Jahrhundert nach Christus wurden viele Gräber von Ärzten und Ärztinnen mit Instrumentenbeigaben gefunden. Damals etablierten sich hauptsächlich in den größeren Städten des Imperiums heilkundige Männer und Frauen, die sich auf chirurgische Eingriffe, auf Gynäkologie und Geburtshilfe oder die Behandlung von Augen oder Zähnen spezialisiert hatten. Die griechischen und römischen Ärzte stellten ihre Medikamente noch selbst her. Erst im 13. und 14. Jahrhundert etablierten sich in Europa die ersten Apotheken.

Unter den mehr als 500 Objekten der Ausstellung aus mehr als 5000 Jahren Medizingeschichte befinden sich chirurgische Instrumente, Schröpfköpfe, Klistiere, Skulpturen, Gemälde und Bücher ebenso wie auf mesopotamischen Tontafeln überlieferte Rezepte.

Zu den namhaften Leihgebern der Exponate zählen die Uffizien in Florenz, der Louvre in Paris sowie die Staatlichen Museen zu Berlin. Dr. Eckart von Hirschhausen, Arzt, Autor, Komiker, Moderator und Gründer der Stiftung »Humor Hilft Heilen«, hat die kulturhistorische Ausstellung als Berater unterstützt.

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