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Doping

Missbrauchspotenzial frühzeitig identifizieren

31.07.2012  14:39 Uhr

Von Daniela Biermann / Die Welt-Antidoping-Agentur (WADA) will zusammen mit der Pharmaindustrie Substanzen mit sportlichem Missbrauchspotenzial frühzeitig identifizieren und entsprechende Dopingtests entwickeln. Die Hersteller wollen der WADA zur Testentwicklung neue Wirkstoffe aus ihren Pipelines zur Verfügung stellen, noch bevor diese zugelassen werden.

Ein entsprechendes Abkommen hat die WADA mit der International Federation of Pharmaceutical Manufacturers and Associations (IFPMA) und der globalen Biotechnology Industry Organization (BIO) abgeschlossen.

Die Pharmafirmen erhalten dazu einen Leitfaden, um Substanzen mit Dopingpotenzial frühzeitig zu identifizieren. Ein Hinweis kann eine ähnliche chemische Struktur zu bekannten Dopingmitteln sein. Bestimmte in Tierversuchen und klinischen Studien beobachtete unerwartete Effekte sollen ebenfalls stutzig machen, zum Beispiel ZNS-stimulierende Effekte wie Schlaflosigkeit, Euphorie und Aggression, erhöhtes Energieniveau, Appetitverlust oder -steigerung und Gewichtsverlust. Ebenso dopingverdächtig sind Wirkmechanismen von Substanzen, die zum Beispiel die körperliche und mentale Leistung steigern, das Muskelwachstum anregen, die Blutzellbildung stimulieren oder Muskel- und Bindegewebe widerstandsfähiger gegen Verletzungen machen. Dazu könnten Medikamente gegen Fettleibigkeit, Alzheimer, Osteoporose und viele weitere Krankheiten zählen.

 

Wie der »Tagesspiegel« heute berichtet, könnte bereits ein experimenteller Myostatin-Blocker im Umlauf sein. Um was für eine Substanz es sich handelt und wie genau sie wirkt, ist dort jedoch nicht beschrieben. Myostatin ist ein 1997 entdecktes Protein, das zu den transformierenden Wachstumsfaktoren (TGF) gehört. Es hemmt das Muskelwachstum und spielt vermutlich bei bestimmten Muskeldystrophien sowie bei der Entstehung von Diabetes eine Rolle. Umgekehrt sind Patientenfälle bekannt, bei denen eine Genmutation die Myostatin-Wirkung abschwächt und diese Patienten übermäßig viel Muskelmasse bilden. Wyeth testete zwischen 2005 und 2007 den gegen Myostatin gerichteten Antikörper MYO-029 in klinischen Studien, brach das Programm jedoch ab. /

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