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Krebsmedikamente

IGES rechnet nicht mit Kostenlawine

03.08.2010  17:27 Uhr

Von Martina Janning, Berlin / Bis zum Jahr 2013 erwartet das Forschungsinstitut IGES eine Steigerung der Kassenausgaben für Arzneimittel von jährlich vier Prozent. Neue Krebsmittel sollen davon nur 0,1 Prozentpunkte verursachen. Von einer »Explosion der Ausgaben« könne daher nicht die Rede sein, sagt IGES-Chef Häussler.

Neue Krebsmedikamente stehen im Kreuzfeuer: Die Krankenkassen könnten die hohen Kosten nicht stemmen, warnen Experten. Diese Sorge sei unbegründet, urteilt das Berliner IGES-Institut. Mit Unterstützung der LAWG (Local Area Working Group), einer Arbeitsgemeinschaft internationaler, forschender Pharmaunternehmen, hat das Institut die Umsätze bei Krebsmedikamenten im ambulanten Sektor analysiert und ihre Entwicklung für die nächsten vier Jahre prognostiziert.

Demnach werden die Kosten der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) von 3,1 Milliarden Euro im Jahr 2009 auf 3,8 Milliarden Euro in 2013 steigen. Das entspräche einem jährlichen Wachstum von rund 4,8 Prozent, erklärte IGES-Chef Professor Dr. Bertram Häussler bei der Vorstellung der Ergebnisse in Berlin. Für alle anderen Medikamente müssten die Kassen im selben Zeitraum ebenfalls 3,9 Prozent mehr zahlen. Der Anteil der Krebsmittel an den gesamten Arzneimittelausgaben der GKV wird sich der Schätzung zufolge von 9,4 auf 9,7 Prozent erhöhen.

 

»Die vielfach prognostizierte Kostenexplosion durch teure Krebsmittel hat es weder in der Vergangenheit gegeben, noch wird sie in den kommenden vier Jahren eintreten«, sagte Häussler. Er räumte aber ein, dass die Kosten für neuartige Krebsmedikamente in der Vergangenheit tatsächlich stark gestiegen sind. Das größte Umsatzplus erzielten die Mittel im Jahr 2007, indem sie 16,2 Prozent zulegten. In den nächsten Jahren werden sich die Wachstumsraten auf 5,4 Prozent einpendeln, glaubt Häussler. Zuwächse beim Umsatz erwartet das IGES vor allem beim Wirkstoff Imatinib (Glivec®) sowie bei den monoklonalen Antikörpern Trastuzumab (Herceptin®) und Panitumumab (Vectibix®). Bei anderen neuen Krebswirkstoffen erwartet das Institut einen stagnierenden oder rückläufigen Umsatz.

 

Obwohl die Kosten pro Behandlung mit neuen Substanzen wie Tyrosinkinase-Hemmern und monoklonalen Antikörpern vielfach fünfstellige Beträge ausmachen, sei die Summe der Ausgaben aufgrund der kleinen Patientenzahlen gering, erklärte Häussler. Es werde auch keine »explosionsartige Vermehrung von Krebswirkstoffen« geben. Das IGES rechnet damit, dass die Zahl der neu auf den Markt kommenden Krebspräparate mit drei Mitteln pro Jahr bis 2013 stabil bleibt. / 

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